Betriebsausflüge sind gruppendynamische Prozesse, die mehr
Gefahren in sich bergen als gemeinhin angenommen. Der Chef gibt sich kollegial,
memorisiert aber jeden Tritt ins Fettnäpfchen, was im folgenden Jahr für den
Treter selten ohne Folgen bleibt.
Wir schreiben den 1.1.12 und ausgerechnet an diesem Datum begab
sich ein Transportunternehmen mit Sitz in Basel auf eben einen solchen
Betriebsausflug. Nicht nur das Datum war eher ungewöhnlich, auch die Besammlungszeit
löste da und dort Kopfschütteln aus. Um 06:30 Uhr hätten sich die Teilnehmer
einzufinden: nüchtern und mit angemessener Kleidung, stand auf der kargen
Einladung zu diesem Anlass. Langsam tröpfelten die Teilnehmer beim Treffpunkt
ein. Da und dort war ein Gähnen zu sehen, bei einigen konnte man noch den Kissenabdruck
auf der Backe erkennen.
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| Teilnehmerliste |
Es lag in der Natur der Sache, dass nicht jedermann am
ersten Tag des Jahres zu so früher Morgenstunde einen guten Eindruck machte.
Die Mitarbeiter, sich der Gefahr bewusst, gaben sich ausgeruht und waren
ausnahmslos gepflegt gekleidet. Die Farbe Dunkelblau dominierte, Farbtupfer waren
allenfalls auf den Gepäcksstücken auszumachen. Der Chef – Verzeihung – beide
Chefs demonstrierten Zufriedenheit und bliesen zum Aufbruch.
Gerne verschweigen Organisatoren im Vorfeld von Betriebsausflügen
das Reiseziel, was immer auch Gefahren in sich birgt. Spontan ist nicht immer
gut, Überraschung kann ins Verderben führen!
Das Transportunternehmen mit Sitz in Basel war sich dessen
bewusst und verschickte am 23. November eine kurze Aktennotiz an die
Teilnehmer, in der knapp das Reiseziel, die Reisedauer und der Moment des
Zusammentreffens definiert waren. Während kleinere KMU’s, die kostenbewusst und
kollegial organisiert sind, traditionellerweise Ausflüge in die Region
unternehmen, trumpfen Schweizer Grossfirmen gerne mit Städtereisen auf, die
nicht selten vom Reisebüro der Bundesbahnen organisiert werden.
Das oben beschriebene Transportunternehmen liess sich nicht
lumpen und schickte einen Teil seiner Belegschaft mit dem Flugzeug in eine
fremde Kultur. Ganze 19 Personen reisten Business-Klasse in den ersten Stunden
dieses noch jungen Jahres nach Moskau.
Der Aufruf der Chefs hat gefruchtet. Die Gruppe setzte sich
langsam in Bewegung und begab sich zum Sicherheitscheck, vor dem sich –
unüblich zu dieser Tageszeit – der erste Stau bildete.
Das Flugzeug war leer, fast leer. Nur eine paar Passagiere
gehörten nicht dieser Gruppe an. Man war durch einen Vorhang getrennt. Da die
Mitarbeiter dieses Transportunternehmens reisegewohnt waren, hatte es die
Besatzung des Flugzeugs schwer. Die Gäste wussten wo sich die Kissen, die «NZZ
am Sonntag», die Decken die Kaugummis, die Pappbecher, die Kaffeemaschine und
die Schokolade befanden. In der Bordküche ging es zu, wie am Ostersonntag auf
dem Petersplatz. Schade durfte nicht geraucht, musiziert und gesoffen werden,
das hätte die Stimmung sicher noch zusätzlich angehoben.
Stuttgart unter dem linken Flügel schlief noch, als die etwas
zu kalte Omelette den Weg auf das Tablett fand. Dazu wurde ein Croissant
gereicht (staubig, trocken) und ein Schwarztee mit Milch. Kaffee verlangte
niemand der Betriebsausflugsgruppe, denn sie wussten wie Kaffee auf diesem
Flugzeug üblicherweise mundete.
Die «NZZ am Sonntag» war schnell gelesen, der
«Sonntagsblick» noch schneller durchgeblättert. Erste Mitarbeiter nickten
ein. Am Bildschirm lief zum dritten Mal an diesem Morgen ein Video-Clip, der
laut Filmtitel lustig sein sollte. Darin fielen Toilettenpapierrollen auf alte
Damen und Kinder schossen mit Wasserpistolen auf Parkbesucher. «Verbesserungspotential!»
notierte einer der zwei Abteilungsleiter mit drei Ausrufezeichen auf ein Blatt
Papier und schrieb an seinem Text weiter, den er am Abend im Internet
publizieren wollte.
Hoffentlich wird es funktionnieren, das russische Internet,
dieses elende.
Fairerweise muss gesagt werden, dass eben dieses
Transportunternehmen gut für ihre Mitarbeiter schaute. Jeder hatte ein
Einzelzimmer und die Abteilungs- und Gruppenleiter durfen gratis im Internet
surfen.
Zurück zum Betriebsausflug. Die polnische Grenze kam näher
und der zweite Tee mit Milch fand den Weg zu Sitz 1A. Der Zucker fehlte – auch
1A hatte sich Vorsätze genommen. Während die 19 Mitarbeiter langsam eindösten,
tanzten die anderen fünf in der engen Bordküche vom linken Eck ins rechte und
verhinderten im Minutentakt Kollisionen mit Potential zur kleinen Katastrophe.
Moskau kam näher. Aus Füssen wurden Meter und der Boden wurde
durch die Wolken erkennbar. Sanft setzte der A320 auf der rauen Piste auf und
niemand nahm Kenntnis von der perfekten Landung. Applaus wäre peinlich gewesen,
schliesslich waren fast nur Profis an Bord.
Der russische Zollbeamte fluchte! 19 Pässe, 19
Einreiseformulare, drei Gendecs – zum Glück war bald Weihnachten! 19 Koffer
haben das Reiseziel erreicht, 19 Zimmer standen bereit. Zum Abschluss des
Ausflugs gab es noch ein lokales Bier zu 150 Rubel und etwas Unvernünftiges
zwischen die Zähne. Mit dem Müssiggang war es bald vorbei, um 01:25 Uhr
Mitteleuropäische Zeit wird der Wecker wieder schrillen.
Der Auftrag des kommenden Tages war wichtig: Die Mitarbeiter
müssen auch in den folgenden Tagen den grössten Skilift der Welt am Laufen
halten!

8 Kommentare:
Nette Beschreibung eines "Dead Head"-Legs in Mehrfachgruppenform :D
Ungewöhnliche Skilifte verlangen eben auch nebenan ungewöhnliche Prozeduren...
Grüße
Stefan
Aus dem Englisch Wörterbuch:
lift: to lift = heben
technisch: lift = der Hub
physikalisch: = der Auftrieb
fig. Erhebung
auch
Aufzug, Fahrstuhl
So man den will; etymologisch gesehen: Lift und Luft.
Nicht allzu weit auseinander.
Grüße
Richi
Hierbei sei noch angemerkt, dass zur Freude aller sogar ein kurzer Abstecher nach Genf Teil des Betriebsausfluges war. Besichtigung des Genfer Flughafens inklusive. (Die sanfte Landung in Genf sei hierbei nur am Rande erwähnt. ;-) )
http://www.youtube.com/watch?v=WJZzh0jqZiA&feature=mfu_in_order&list=UL
OFFTOPIC:
Ein kommentar zu diesem, in meinen Augen, recht lustigen Thema würde mich freuen !
Flieger Grüße
"Dead Heading" war wohl genau der richtige Ausdruck für so viele halbtote an diesem Datum zu solch unchristlicher Stunde...
Ich hoffe, es ist einer Differenz zwischen der deutschen Sprache im Norden und deren in der Schweiz geschuldet, das Kissenspuren an der Backe geortet wurde. Alles andere würde mich an der Korrektheit der Kleidung oder den Umgangsformen zweifeln lassen.
Hierzulande würde man solche Spuren jedenfalls an der Wange ausmachen, welche eher dem Gesicht zugeordnet ist :-)
@Tweety
da hast du Recht ;D
Treffende Beschreibung der Stimmung am Neujahrstag. Uach ich war auf einem Betriebsausflug dabei, allerdings in den Kosovo :P
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