Freitag, Dezember 09, 2011

Winter OPS

Kapitän mit Winterkopfschutzhaube

Schneefall, weisse Pisten und das alles ohne Schümli-Pflümli...

Wie im Winterprospekt präsentierte sich heute der Flughafen Arlanda in Stockholm. Der Wind blies von der Seite und das wie diese Woche so üblich nicht zu knapp. Jungkapitän NFF wusste das Ganze innerhalb der gesetzlichen Vorschriften abzuhandeln, zumindest fast alles... 
Nicht ganz dem Uniformreglement folgend wurde der Hut durch obere Kappe ersetzt, doch das wird mir mein Chef sicherlich verzeihen. Wäre ich dem Reglement gefolgt, würde die Kappe jetzt über die schwedische Tundra rollen und meine Stirnhöhlen wären mit Sicherheit bis zum nächsten Jahr verstopft. 

Doch eines nach dem anderen. 

Schnee, diese Kristalle, die uns in Feststimmung bringen und Touristiker in den Bergen erfreuen, machen der Fliegerei das Leben ganz schön schwer. Was gar nicht geht, ist Schnee auf den Flügeln, was vielleicht geht, ist Schnee auf der Piste. Je nach dem, wie hoch dieser liegt und wie er beschaffen ist, kommen andere Seitenwindlimiten zur Anwendung. Das kann man sich leicht vorstellen, wenn das Profil eines Flugzeugreifens betrachtet.

Flugzeuge fahren auch im Winter mit Sommerreifen
Berühren die Reifen mit 250 Stundenkilometern den Boden und ist dieser bedeckt mit Plotsch, Schnee oder gar Eis, ist nicht mehr viel Grip da. Der Seitenwind drückt gegen das Flugzeug und will es von der Piste blasen. Komplizierte Tabellen geben dem Piloten Auskunft, wann, mit wie viel Wind und welcher Pistenbeschaffenheit man noch starten oder landen darf.

Soweit zum Schnee auf der Piste. Doch was ist mit dem Schnee auf den Flügeln?


Enteiserfahrzeuge
Die Helden des Flughafenwinters heissen "Enteiser". Die Kollegen der Bodencrew sitzen auf ihren Plattformen, sprühen uns je nach Witterungsbedingung eine mehr oder weniger heisse Alkohollösung auf die Tragflächen und sorgen dafür, dass der Flug nicht bereits am Pistenende im Graben endet. Ohne sie gäbe es keine Luftfahrt im Winter, ohne sie würden die Flugzeuge am Boden bleiben oder nach dem Start unfreiwillig auf den Boden zurückkommen – Helden der Luftfahrt eben!

Jetzt klingt das alles ganz einfach, ist es aber nicht. Samstagsautoputzer wissen, etwas so grosses wie ein Flugzeug abzuspritzen braucht Zeit – Zeit, die wir eigentlich gar nicht haben. 35 Minuten sind in Stockholm geplant, um die Passagiere auszuladen, die Gepäckscontainer auszutauschen, die Kabine zu reinigen, das Flugzeug zu betanken, die Passagiere wieder einzuladen (may I change my seat…?, do you have a newspaper…?, any change for a vegetarian meal...? ) den Aussen-Check zu machen und eben das Flugzeug abzuspritzen.

Verspätung machen liegt nicht drin. In Zürich wollen die Gäste ihre Flüge mit Dide und G! in die weite, weite Welt antreten. Heute ging das Unterfangen den Umstanden entsprechend gut auf: nur 9 Minuten Verspätung.

Und weil es so gut geklappt hat, versuche ich es morgen gleich noch einmal – und zwar wieder mit Winterkopfschutzhaube!

Die Wettervorhersagen versprechen wieder Pulver gut und Wind, der den Flieger zum Tanzen bringt…

TAF LONG TAF ESSA 091130Z 0912/1012 17015G27KT 9999 -RA BKN015 TEMPO 0912/0921
3000 SHRA BKN008 BKN020CB TEMPO 0921/1009 2500 RASN
BKN007 BECMG 1002/1005 24015G25KT=

Petrus, jetzt reichts!

Kommentare:

  1. Ich bleib dabei - flying is an outdoor activity...

    AntwortenLöschen
  2. …darum braucht es echte Outdoor-Typen mit echtem Outdoor-Gear!

    AntwortenLöschen
  3. oh was hasse ich diese wartescheleifen zum de-icing :-D Die leute werden ungeduldig und wenn man endlich fertig ist, dauert der Taxi way auch nochmal hundert Jahre

    AntwortenLöschen
  4. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

    AntwortenLöschen
  5. ...ich vermisse vier-Streifen-Fasi, Schneeschuhe und Gletscherbrille...

    AntwortenLöschen
  6. Das Profil sieht mir nicht sehr wintertauglich aus...ab wann werden denn die Schneeketten aufgezogen? Oder Spikes reingeschraubt? (kriegst du die durch die Security?)
    Hat das dann auch Einfluss auf's Speedlimit? Ich glaube da wäre noch viel zu optimieren bei euren Ops

    AntwortenLöschen
  7. Ihr fahrts tatsächlich das ganze Jahr über mit Sommerreifen.
    Gut dass ihr das mit eurer Expertise wettmacht, bei jedem Wetter!

    AntwortenLöschen
  8. Dem (Winter)Himmel sei Dank, dass es Enteiserteams, Pistenreiniger und Wollkappen-Produzenten gibt.

    Und ein Lob unseren geplagten Kollegen der Kurzstrecken-Flotte. Ohen euch hätten G! und meine Wenigkeit schon lange den Betrieb eingestellt...

    Doch tröstet euch: Der nächste UK aufs Grossflugzeug kommt bestimmt. Die nächsten Ferien übrigens auch!

    Dank und Gruss aus dem schneefreien Vancouver!

    AntwortenLöschen
  9. "Flugzeuge fahren auch im Winter mit Sommerreifen", jetzt krieg ich langsam Angst du…

    Einer der regelmässig in Alaska auf dem Schnee schlittelt findet man übrigens hier.

    AntwortenLöschen
  10. Genau, Dide. Wenn allen der Kampf gegen die Elemente so gut gelingen würde, wie unserem bekappten nff, hätten wir auch weniger delay :-).

    Darum beantrage ich bei unseren Uniformgöttern eine Winterkappe auf der Kurzstrecke einzuführen. Das dem-Hut-im-Schnee-hinterher-hetzen entfällt dann und die Chance auf pünkliche Ablieferung unserer Gäste steigt :-)

    G!

    AntwortenLöschen