Samstag, Dezember 10, 2011

P6

Über einen Flug gibt es viel zu berichten. Flugvorbereitung, Start, Landung, Essen, Turbulenzen, Passagiere, Ansagen, Schnee und was weiss ich noch alles. Seit vielen Jahren tippe ich Buchstaben auf diese Seite und habe schon einige Facetten der Fliegerei beleuchtet. Doch über das Wichtigste habe ich noch nie geschrieben, über

P6

Ohne P6 startet kein Flugzeug, ohne P6 kann die Ehefrau ihren geliebten Gatten nach dem Flug nicht in die Arme nehmen, ohne P6 findet die Fracht ihren Bestimmungsort nicht und ohne P6 gibt's weder Thailand-, noch USA-Ferien.

P6 ist das Parkhaus, wo die Besatzungen am Flughafen Zürich ihr Auto abstellen. Früher war alles noch in Butter im P6. Bodeneben ging es rein und im zweiten raus. Der dritte Stock war stets durch die Frühflieger besetzt und im vierten fanden sich die ersten Porsches der Langstreckenkapitäne. Beliebt waren die seitwärts benutzbaren Parkplätze beim Rondell, weil da der ältere Herr mit Bauch zivilisiert und ohne Blechschaden dem fahrbaren Untersatz entsteigen konnte. Wer einen neuen Wagen hatte parkierte aus Angst vor Kratzern im in der Regel leeren 10. und die Jungen mit dem noch intakten Denkzentrum mussten die Autos dort abstellen, wo es noch Platz hatte. Ihnen stand noch kein der Seniörität (das Rechtschreibeprogramm wollte hier Senilität draus machen, was ich eigentlich noch recht gelungen finde) entsprechendes Stockwerk zur Verfügung, schliesslich konnten sie sich die Etagennummer die paar Tage noch merken.

Dann kam das Grounding.

Das Parkhaus war plötzlich leer und selbst im vierten hatte es keine Porsches mehr. Wer noch einen Job hatte konnte sich das Auto kaum mehr leisten und so wurde aus einem ehemaligen Personalparkhaus ein Autoabstellplatz für jedermann. Ein paar Verwegene kamen weiterhin mit dem Wagen und sahen sich einem heillosen Durcheinander ausgesetzt. Plötzlich standen im 3. Stock Wagen, die da gar nicht hingehörten! Frühflieger mussten sich einen neuen Platz suchen – und noch viel schlimmer: sie mussten das Auto nach dem Dienst im ganzen Parkhaus wieder suchen. Auch der 10. war kein Garant mehr für einen freien Platz. Nichts war mehr wie früher. Die Gäste parkierten kreuz und quer und brauchten nicht selten zwei Parkplätze statt dem ihnen zustehenden einen. Geschmunzelt habe ich einmal über einen Zettel, den ein verärgerter Mitbürger einem Schlechtparkierer an die Windschutzscheibe heftete:

Wenn Du so vögelst wie du parkierst, kriegst du nie einen rein.

Zu allem Elend verkaufte der Flughafen Zürich das Parkhaus einer Investorengruppe und leaste es subito wieder zurück. Ob dieses sale-and-lease-back der Grund dafür war bleibt mir verborgen, aber urplötzlich war alles wieder anders. Der 4. war jetzt der Eingang zum Autohaus und die Lifte fuhren halbautomatisch. Halbautomatisch darum, weil man von den einzelnen Parkebenen mit dem Fahrstuhl nur noch zum Ausgang fahren konnte und nicht zwischen den Stockwerken pendeln. Dies war darum unpraktisch, weil wegen dem Wegfallen der eingespielten Strukturen der eigenen Wagen irgendwo parkiert war und man(n) wegen der langsam einsetzenden Zersetzung des Hirns nach dem Flug nicht mehr wusste, wo sich dieser befindet…

Vom 0 ins 1, dann wieder ins 0 und ins 2. Im 2 ist er auch nicht, darum wieder ins 0 und einen Stock höher ins 3. Auch 3 ist Fehlanzeige, darum wieder ins 0 und danach ins 4. Auch im Porsche-Stock steht kein roter Prius darum wieder ins 0 und hoch ins 5. Hier hat es einen Prius, aber einen blauen… Wieder runter ins 0 und dann … war ich schon im 3? Ich glaube schon, darum die 7 drücken, denn im 6 ist er selten. Auch im 7 nichts, also runter ins 0. Wieder hoch ins … oder soll ich in die 8? Ein Kollege steigt zu und drückt die 3. Er verabschiedet sich und ich fahre wieder in die 0. Wo wollte ich jetzt hin? In die 6, die 7 oder die 8? Ich glaube die 7. Nein hier ist er nicht, darum wieder in die 0. Eine Kollegin steigt zu und drückt die 9. Sie verabschiedet sich und die Lifttüre schliesst schneller, als mir lieb ist. Ich erspähe meinen Wagen in der hinteren Ecke. Doch leider ist es schon zu spät, das Ziel des Fahrstuhls heisst 0. Wieder hoch in die 9 und Adieu miteinander.

Morgen ist Sonntag und ich habe spät. Wehe es hat um 11 Uhr keinen Platz für mich im 3!


Kommentare:

  1. Immerhin wusstest du, in welchem Parkhaus du suchen musst - nach dem gefühlten 22. Frühdienst bin ich auch schon an dieser eigentlich einfachen Aufgabe gescheitert....

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  2. Oder man(n) benützt das Treppenhaus. Step by step ne Etage höher. Ich hatte das Problem auch schon. Aber verteilt auf Parkhaus 1, 2 und 3 da meine Frau es unterlassen hat mir zu sagen wo der Wagen steht :-)

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  3. Zum Glück fuhr der Lift noch im Kurzstreckenmodus, als ich mein Auto (nicht Porsche!) im ganzen Parkhaus rauf und runter suchte, bis mir einfiel, dass ich ja mit dem Zug gekommen war...
    Liebe Grüsse
    Urs

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  4. … gut, dass ich nicht alleine alt werde :-)

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  5. Hoffe dass nach dem zermürbenden Anflug doch noch alles gut geklappt hat mit der Autosuche. War das Auto denn nun auf dem 3. Deck?

    Grüsse vom PAD TXL-ZRH

    Severin

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  6. Hi Severin

    Ich dacht fast, dass Du das warst. Sorry, dass ich mich nicht gemeldet habe. War am 6. Tag nach 10h ganz einfach auf der Schnauze…

    Das Auto war übrigens im 3. Stock :-)

    Bis bald

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