Freitag, Dezember 02, 2011

Booschuuur mo Commanda



Paris retour, ein kurzer Hupf mit grossem Überraschungspotential…

Es war noch nicht einmal sieben Uhr in der Früh, als ich bereits wusste, dass es an diesem Tag heiter werden kann. Geplanter Mini-Sturm in Paris, geplante Abflugzeit um 07:30 Uhr und geplante hundert-was-weiss-ich-noch-genau-wie-viele Passagiere.
Das Wichtigste vorweg: nichts von dem traf ein. Statt dem Sturm ein Lüftchen, statt 07:30 Uhr 08:00 Uhr und zwei Passagiere weniger.

Was soll man da machen?

Die Passagiere, die es auf das Flugzeug schafften, waren fast alle gut gelaunt. Kein Wunder, viele von ihnen kamen aus den Ferien in Kamerun und trugen die afrikanische Leichtigkeit noch in sich. Mit "Booschuuur mo Commanda" wurde ich am Eingang begrüsst und ich wähnte mich – zuerst mit der Nase, dann mit dem Herzen – mitten auf einem Marktplatz in Douala.

Das steckte an, das liess mich den Ärger über die Verspätung etwas vergessen. Als dann die Gepäckstücke der fehlenden Gäste gefunden waren und die vorgegebene Startzeit näher kam, war wieder Schweizer Genauigkeit und Effizienz gefragt.

Zurückstossen, Motoren starten, Checkliste erledigen, an den Pistenanfang rasen, die netten Damen am Funk begrüssen, Vollgas geben und über die eigene Hütte hinwegfliegen. Die Leistungshebel blieben wegen des Zeitrückstands im vorderen Viertel und Paris kam schneller näher als der Kabinencrew lieb war. Nase runter, Klappen fahren, Nase leicht nach oben und Leistung weg.

"Merssi mo Commanda" hörte ich auch beim Aussteigen mehr als einmal. Scheinbar ist mir das Landemanöver heute gar nicht so schlecht gelungen.

Nur eine Minute verspätet am Parkplatz, das kann nicht sein, da muss doch noch irgend etwas schief laufen!

Es lief nichts schief, denn es lief gar nichts!
Die Putzequipe liess sich Zeit – sehr viel Zeit. Zeit, die wir bei einer Bodenzeit von etwas über 35 Minuten nicht hatten. Was nun? Verspätung oder anpacken? Anpacken! Das war nicht etwa ein Befehl meinerseits, sondern ein Wunsch der Kabinenbesatzung. Von vorne nach hinten, von hinten nach vorne. Zeitungen am Boden auflesen, Undefinierbares aus den Sitztaschen klauben, wieder Zeitungen am Boden auflesen und eine halbe Banane vom Sitz kratzen. Passagiere sind Ferkel!, dass das hier einmal deutlich gesagt ist!

Die Laune in der Besatzung war gut. Gut darum, weil jeder insgeheim hoffte, dass er das Objekt zwischen Reihe 14 und 15 nicht anfassten musste. Die Putzgeschwindigkeit wurde angepasst, eine Taktik zurechtgelegt. Am ungeschicktesten – das vermutlich nicht zum ersten Mal –, stellte sich "mo Commanda" an. Am Schluss stand er alleine vor dem Objekt und erntete Beileid von allen Seiten. Der Peter mit dem schwarzen Peter!

Widerwillig hob ich, geschützt mit einer alten Zeitung, die herausgefallene Hair-Extension "produit par Cameron" vom Boden auf. Wo die wohl fehlt?, fragte ich mich.

Mit dem ersten Passagier, der das Flugzeug durch die vordere Tür betrat, schlenderte auch die Reinigungscrew durch die hintere Tür ins Flugzeug. Ausser Spesen nicht gewesen! Hoffe doch, dass dieser Nicht-Service nicht in Rechnung gestellt, bzw. nicht bezahlt wird.

Wieder rasten wir Richtung Zürich und wieder landeten wir besser als pünktlich. Gelassen rollte ich zum Standplatz. Um genau 1 Minute nach 11 Uhr wurden am Gate A02 die Parkbremsen gesetzt.

"Merssi mon eggipaschä"!

Kommentare:

  1. Das ändert natürlich nichts am noch einmal amüsanten Beitrag, aber da Gate A02 ein Busgate ist, müsste A02 die Standplatzbezeichnung sein, also aus "Passagiersicht" Gate A73

    Es ist sehr schön und erfreulich, dass Sie Ihre Erlebnisse mit uns teilen! Danke!

    Theodor

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  2. Danke für die abendliche Aufheiterung und Einblicks ins Kapitänsleben. Wer musste die vermatschte Banane auflesen?

    In der tat, meine lieben Mitpassagiere sind oftmals Ekel, nicht zuletzt oder vor allem auch in der Business. Sieht ja manchmal aus wie nach einem Tornado. Ganz zu schweigen vom Benehmen einzelner Individuen.

    Heads up...
    Philippe

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  3. @Theodor:
    ... Danke für den Hinweis. Wir Pilotiker kennen die PAX-Gate-Bezeichnungen kaum.
    Wünsche schönes Wochenende.

    @Philippe:
    .... Das war ich.....
    Tja, es ist im wieder erstaunlich zu sehen, dass Gäste bei einer Flugzeit von 50 Minuten mehr Müll produzieren, als auf einem 12h Flug. Kommt vielleicht daher, dass niemand gerne längerere Zeit im eigenen Dreck sitzt...

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  4. Noch eine kleine Anfrage aus aktuellem Anlass (nix mit dem Thema zu tun, reines Interesse).
    Wie erlebt die Crew das neue Terminal B? Any changes?

    Philippe

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  5. Was jeden zu guter Letzt noch brennend interessiert, mo commanda: was wurde aus der Hair Extension? Hast du diese etwa nach Hause gebracht um einfach mal so zu sehen, wie sie deiner Frau passen würde? Weihnachten naht in Riesenschritten und kreative Geschenkideen sind gefragter denn je.

    M

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  6. Der Peter mit dem schwarzen Peter- einfach herrlich!! Wenigstens kümmern sich in ZRH nette Damen um den armen Commanda...

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  7. Bravo mo commanda! Bien écrrit mo commanda! Trres amusant mo commanda! Continuez s'ils vous plait mo commanda!

    Salutations d'un autre commanda... (actuellement en vacances en Canada)

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  8. Super Text, super Commandant, was will man mehr...

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