Sonntag, Oktober 09, 2011

Hosen rauf und Hosen runter

©Marco E.


„Wenn der Wind weht, löscht er die Kerze aus 
und facht das Feuer an.“


Irgend ein schlauer Araber hat das gesagt nicht ich. Der regelmässige Leser ahnt es: Immer wenn an dieser Stelle ein Text mit einem Zitat begonnen wird, weiss der Schreiberling nichts mitzuteilen.


Doch nichts ist nicht nichts! Das gilt auch für meinen jetzigen Standort. Mein Lieblingshotel schlechthin auf dem Streckennetz: Das Crewhotel in Heathrow. Da surft man schon mal gerne für 10£ durch die Weiten des Internets, weil die Weite des extrem nahen Flughafens keine wirkliche Alternative ist.


Doch zurück zu meinem Titel. Wind hatten wir tatsächlich in den letzten Tagen und zwar auf besonders seltene Art und Weise. Während des Rundgangs um das Flugzeug, näherte sich eine dunkle Wolke dem Flugplatz Fiumicino in Rom. Die Wolke war mit dem Boden in Kontakt. Ein dünner Schlauch, scharf gezeichnet, herumwirbelnd und ungebändigt wie der Ministerpräsident des Staats, wirbelte am Boden mächtig Staub auf. Eine Windhose – ein Minitornado mitten auf dem Flugplatz. Ein seltenes Bild!


Der Flugbetrieb liess sich dadurch nicht stören und landete weiterhin auf der Piste 16R (Alitalia) und der 16L (Rest der Welt). Die 16L hat den klitzekleinen Nachteil, dass man nach der Landung etwa gleich lange zum Standplatz rollt, wie man vorher für den Flug von Zürich nach Rom einkalkulierte. 
Was soll man machen? So läuft es halt im Land wo der Wind die Hose hochzieht und der Ministerpräsident die Hose runter lässt.
Man hat nicht nur bei der Landung kleine Nachteile gegenüber dem Homecarrier, auch vor dem Start braucht es manchmal etwas Geduld.


SWISSÄ ONÄ SÄVEN TWO SÄVEN, HOLDÄ POSITION – GIVÄ WAY TO ALITALIA FROM THÄ LEFTE


Fragt man dann nach, wo das Flugzeug der Alitalia sich denn befände, bekommt man ausweichende Antworten. Es kann aber durchaus sein, dass die Maschine noch am zurückstossen ist oder der Copilot die letzten Checklistenpunkte abarbeitet. 
Was soll man machen? So läuft es halt im Land wo der Wind die Hose hochzieht und der Ministerpräsident die Hose runter lässt...


Es wurde alles besser, der nächste Flug führte uns nach Barcelona. Spanien ist ein Land mit Tradition. Hier lässt der Macho nicht die Hosen runter, er zieht sie so sehr nach oben, dass der Stier im Kampf das Muffensausen kriegt.
Auch ich kriegte das Muffensausen! Eine Sinkfluginstruktion hätte uns geradewegs auf die Flügeloberseite eines Propellerfliegers gebracht, was ziemlich Schreibkram zur Folge gehabt hätte. Auf die Frage, ob das wohl eine gute Idee gewesen wäre, hatte der Controller nur ausweichende Antworten zur Hand. Vermutlich zog er die Hosen noch etwas herauf, kraulte sich dort, wo sich Männer manchmal kraulen und schickte uns auf die nächste Frequenz weiter. Mitlesenden Journalisten kann ich versichern, dass der vertikale Minimumabstand zum Flugzeug nie unter 3000 Fuss war (Minimum ist 1000), mitlesenden Beamten darf ich beichten, dass ich aus oben genannten Gründen keinen Rapport geschrieben habe.


Nach diesem windigen und interessanten Arbeitstag gönnten wir uns ein paar Gläser Schaumwein in einer bekannten Bar in Barcelona. Ich habe danach im Zimmer die Hosen alleine heruntergelassen, ob es bei allen in der Crew so war, mag ich bezweifeln...


Mein Gott, wie kann man nur soviel schreiben, wenn man nichts zu sagen hat? Gehe jetzt indisch essen, immerhin das gibt's hier in Heathrow!







Kommentare:

  1. Auch wenn es nichts zu berichten gab, habe ich mich köstlich amüsiert!

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  2. "Wenn der Wind weht, löscht er die Kerze aus und facht das Feuer an."

    Das hat mich an eine Fabel des Aesop erinnert:

    Da bläst einer in seine Suppe, um sie zu kühlen, wenn er zu einer anderen Zeit in die Hände bläst, um sie zu wärmen.

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  3. Herrlich! Selbst wenn es nichts zu sagen gibt-ist es wunderbar kurzweilig Deine Berichte aus dem Flugalltag zu lesen. Auf der Kurzstrecke kann man was erleben! Go Ahead please.

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  4. >>Ich habe danach im Zimmer die Hosen alleine heruntergelassen, ob es bei allen in der Crew so war, mag ich bezweifeln...
    <<
    Und das Klischee wurde wieder bedient:-) Obwohl man nichts zu sagen hatte:-)

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  5. Herrlich. Vom "Alitalia first" Ansatz könnten sich andere, politisch immerzu korrekte Länder etwas abschauen...

    Geniales Bild, danke.

    Und vergiss den Hosenladen nicht...:-)

    G!

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  6. Wind bläst umsonst...

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