Montag, September 26, 2011

Ernstfall im Limmattal!

Dietikon wird von Armeen umlagert, die Schweiz ist unter grossem Druck und eine Erdbebenwarnung bedroht den Landstrich, auf dem ich meine Bleibe aufgebaut habe.
Doch Gottseidank lebe ich in einem so sicheren Land wie der Schweiz, Gottseidank haben wir funktionierende Schutzräume!

Dass mir und meinem gelagerten Wein im Keller nicht passieren kann, dafür sorgt ein Herr der örtlichen Zivilschutzorganisation und stattet uns heute Nachmittag einen Kontrollbesuch ab. Leser aus hochdeutschen Kulturen mögen jetzt die Stirne runzeln. Lassen sie mich das kurz erklären.

Wir Schweizer schützen uns gerne vor Natur-, Kriegs- und anderen Katastrophen, die uns mit uhurer Wahrscheinlichkeit nie erreichen werden. Doch weil wir ein Land von Angsthasen und Schwarzmalern sind, bauen wir in (fast) jedem Haus einen Bunker ein.

In der Schweiz existieren laut Beobachter 270'000 private Schutzräume, die vorwiegend als Weinkeller genutzt werden. Überdruckpumpen gehören genauso zur Pflichtausrüstung, wie chemische Toiletten, Liegen, Fluchtwege, Betontüren und andere Kleinigkeiten, die einen Hersteller in der Schweiz ziemlich reich machen.

Jetzt ist es ja so, dass Gesetze kontrolliert werden müssen und dies geschieht im Rahmen der "periodischen Schutzraumkontrolle". Drei A4 Seiten Instruktion wird einem im Vorfeld zugeschickt und wem das noch nicht genug ist, der kann sich die durchaus ernst gemeinte Befehlsausgabe auch im Internet anhören (nein, dies ist keine Satire).

Heute um 14:10 Uhr findet der Ernstfall bei mir zu Hause statt. Zuschauer sind unerwünscht, ausser sie kommen im Tenue B mit Stahlhelm, Bajonett (ohne Gewehr) und summen den Fahnenmarsch!

Achtung!


Kommentare:

  1. Oh - da wäre ich ja gerne gekommen! Also, eigentlich nicht wegen dem kontrollierenden Herrn, auch nicht wegen der Überdruckpumpe, auch das Chemie-Klo interessiert mich nicht, aber der Weinkeller...
    Da hätte ich sogar den Fahnenmarsch gesummt!
    Viel Vergnügen bei der Inspektion!
    Urs

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  2. ACHTUNG!

    Inspektion bestanden!

    RUHN, GEBEN SIE RUHN!

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  3. Schade bin ich nicht Zivi in Dietikon... Falls die Gemeinde Wil je sollte für Dietikons Schutzrauminspektionen zuständig werden. Wir sehen uns auf ein Glas Wein!

    Gruess, Severin

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  4. Tja, als Zivilschützer war ich "Schutzraum Chef".

    Meine umfassende Ausbildung beinhaltete einiges:

    z.B. das attestieren eines sogenannten Not Testaments, schriftlich, mit Zeugen, sollte ein mir Schutzbefohlener sterben, während des Aufenthaltes im Bunker.

    Ein Nestlé Notnahrungs Pulver in grossen Dosen gehörte eingebunkert in jeden grösseren Schutzraum. Eines Tages war das Verfallsdatum überschritten. Das Pulver des Lieferanten wurde entsorgt und durch eine neue Überlebensnahrung in Dosen ersetzt. Ob es vom selben Lieferanten stammte weiss ich nicht.

    Als Brillenträger bin ich stolzer Besitzer einer Gasmaske, ausgestattet mit Brillengläsern nach individuellem Rezept.
    Wir Brillenträger vom Kurs wurden alle zum selben Optiker geschickt, mit Bus Freikarte. Der besagte Optiker hat die Brillengläser verpasst, verschrieben und angepasst. Die Rechnung hat er dem Eidgenössischen Zivilschutz geschickt.

    Meine Frage damals schon:
    "Wie viel Vetterliwirtschaft verträgt die Schweiz?"

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  5. wo ich grad dabei bin:

    Kontrollbesuche gehörten auch dazu: Wir rückten in Zweier Teams aus, klingelten an Haustüren:

    "Guten Tag, wir sind vom Zivilschutz, wir müssen ihren Schutzraum be(auf)sichtigen!"

    Auf kaltem Fuss erwischt, begegneten uns die Leute immer wieder in Hab-Acht Stellung.
    Welch einen Respekt wir oft erheischten, nur durch unsere Blaue Uniform:

    ACHTUNG!

    Eine ältere Dame öffnete uns die Tür. Ein wunderbarer Duft von frisch gebackenem Kuchen schlug uns entgegen. Die Frau wirkte ein bisschen eingeschüchtert.

    "Wir sind vom Zivilschutz und müssen ihren Kuchen beschlagnahmen!!"

    Ich habe das nur so vor mich hingedacht: Aber hätten wir den Befehl ausgesprochen: - die Frau hätte den Kuchen rausgerückt!!

    Zweifelsohne, IMO.

    Inspektion bestanden!

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  6. Da lese ich doch auf dem Heimweg von YUL in der Sonntagspresse fast die gleiche Story. Allerdings nicht von nff, sondern von einem ehemaligen Zürcher Regierungsrat. Nun ist mir klar, warum dieser sei Amt so erfolgreich ausgeübt hat - er hatte einen genialen Ghostwriter!

    Bleibt einzig die Frage wem eigentlich der Wein im Luftschutzbunker gehört...

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