Samstag, August 06, 2011

Selbstkritik, oder mein Lösungsvorschlag für die Eurokrise

Ich muss zugeben, dass wenn ich meine Blogeinträge der vergangenen Wochen lese, einiges an Witz und Tiefe vermisse. Gut, die Überschriften und Titel der Beiträge wirken wie Magnete auf potentielle Neuleser, aber das kann letztendlich nicht mein Ziel sein.
Inspiration für Titel dieser Art hole ich mir von meinem neuen Leitblatt, dem Blick. Tja, auf der Kurzstrecke kommt man kaum zum Lesen tiefschürfliger Literatur. Boulevard statt Feuilleton… Habe ich auf der Langstrecke noch ganze Romane verschlungen, erfreue ich mich heute an gut gelungenen Überschriften in grossen, roten Lettern.
"Einbrecher haben meine Möpse entführt", war ja wohl der Klassiker aller Headlines.

Doch nicht nur fehlende Ablenkung aus dem Hause Diogenes trägt zur Verwässerung der Einträge bei, sondern auch die schlichtweg nicht mehr vorhandene Langeweile. Langeweile ist DIE Inspirationsquelle für Geniales aller Art. Es ist kein Zufall, dass von Leuten, die ständig ihr Handy am Ohr halten und Stress für einen Lifestyle halten, selten etwas Gutes kommt.
Während der äusserst wertvollen Phasen der Langeweile öffnen sich einem neue Kanäle und Sichtweisen. Man entwickelt ein Gespür für das scheinbar Unwichtige und sieht plötzlich das vorher Unsichtbare. Und genau über dieses Unsichtbare ist es Wert zu schreiben, genau dieses Unsichtbare liefert den Stoff für Satire und Ironie.

Also wenn ich etwas vermisse auf der Kurzstrecke, ist es genau diese Langeweile. Planlos durch ein Quartier zu schlendern, aus Bequemlichkeit den ersten freien Platz in einem Coffeeshop besetzen und losschreiben. Es braucht wenig dazu, ein dampfender Latte und die Freude an Menschen reicht. Kurzstrecke ist anders. Ich agiere im Moment eher wie der Manager mit dem Ding im Ohr. Immer Kommunizieren, ob wichtig oder nicht – immer rechtfertigen, immer erklären. Reizen würde mich eine Untersuchung der Rapporte innerhalb der Firma, die von Unzulänglichkeiten berichten oder deutlicher Ausgedrückt: von Scheiss, der irgendwo auf der Welt passiert ist. Ich mache eine Wette, dass auf 95 Prozent aller Berichte steht, dass die Kommunikation zwischen allen Beteiligten ausgezeichnet war. Ich schreibe das übrigens auch immer. Vielleicht sollte ich am nächsten Rapport anfügen, dass mir schon lange nicht mehr langweilig war und mir die Inspiration fehlte…

Darum mein Tipp an alle finanzpolitischen Feuerlöscher: Macht Ferien, vergesst das Gelddrucken, -vernichten, -verteilen und -verwerten. Macht wieder einmal Ferien und langweilt Euch so gut es geht. Vielleicht kommt die Inspiration zurück, vielleicht hat sich die Finanzkrise von selber aufgelöst, oder vielleicht bezahlen wir danach wieder in Naturalien. Hauptsache die Satire und die Ironie bleiben uns erhalten!

Kommentare:

  1. Genau, sämtliche Politiker sollten generell mehr Ferien machen (was sie nicht tun, weil sie sich selber - und nur sie sich - für zu wichtig halten), dann können sie nicht noch mehr verbrechen...

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  2. Oder man liest einfach das Buch von Herrn nff, amüsiert sich köstlich und bekommt auch keine Langeweile, zudem macht man dann auch keinen Blödsinn weil man gefesselt liest.

    Kompliment!!!

    Lieben Gruss

    Luis

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  3. Ein Plädoyer für die Langsamkeit, welche uns in diesem und anderen hektischen Berufen leider abhanden gekommen ist.

    Man bedenke: die Erdkugel dreht auch dann weiter, wenn der Flieger 10 Minuten später startet. Aber eben diese Langsamkeit kann derweil eine Quelle neuer Inspiration sein.

    M

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  4. >Gut, die Überschriften und Titel der Beiträge wirken wie Magnete auf potentielle Neuleser, aber das kann letztendlich nicht mein Ziel sein.<

    Herr NFF das glaube ich Ihnen einfach nicht ;-)

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