Montag, August 22, 2011

Montagmorgen

Es ist heiss und der Schweiss läuft. Zeigt das Thermometer bei Meteo Schweiz 32°C, hat es draussen auf dem Flugfeld mindestens 45°C. Alle Schwitzen, ich am wenigsten. Die Kollegen der Fracht beladen Flugzeuge mich Sachen, die man gar nicht braucht und der freundliche Mann von BP lässt zehntausend Liter Kerosin in den Tank. Der Treibstoff fliesst, der Schweiss noch mehr.

Mit kalten Getränken ausgestattet mache ich die Runde. Ich weiss, dass ich das nicht dürfte, aber ich weiss auch, wie sehr es geschätzt wird. Eine kühles Wasser an richtiger Stelle bewirkt für das Ansehen meiner Firma mehr, als ein neues Logo – und ist ausserdem auch viel günstiger.

Die Fracht ist verstaut, der Treibstoff im Tank. Ich bereite mich im heruntergekühlten Cockpit auf den Flug vor und die Kollegen von der Bodenmannschaft beladen bereits die nächste Maschine.

Für mich sind sie die richtigen Helden der Luftfahrt. Ohne sie läuft gar nichts und ohne sie könnten die erstandenen Währungs-Schnäppchen nicht von A nach B transportiert werden. Sie schuften, schwitzen, ruinieren sich ihre Rücken und erhalten keine oder wenig Anerkennung.

Im Gegenteil, landauf und landab fordern Traumdeuter der Wirtschaft, dass wegen der Währungs-, Finanz- und Sonstwo-Krise die Gürtel enger geschnallt werden sollen. Allen Ernstes verlangen Manager, dass Arbeiter wegen der aktuellen Krise zwei und mehr Stunden pro Woche ohne Lohn zusätzlich arbeiten sollen. Interessanterweise bleibt die Empörung aus, warum wohl?

Wenn ich die Kollegen auf dem Vorfeld betrachte, wünsche ich ihnen nichts mehr als einen freien Nachmittag im Freibad. Doch ich weiss, sie schuften auch für mich. Hätten sie einen freien Nachmittag im Freibad, würden die Kosten pro angebotenen Sitzkilometer im Promillebereich steigen, das Flugticket nach Mallorca 0.50 $ teurer, der Sitzladefaktor sinken, der Yield auch, die Kennzahlen verschlechtert und das Loblied am Abend in der Börsenspezialsendung ausbleiben. Das Glück des Individuums erscheint auf der Kennzahlen-Skala nicht. Langfristig ein fataler Fehler.

Mehr zum Thema in einem Artikel von Tissy Bruns. Nehm Euch Zeit und lest die Zeilen genau. Gerade an einem heissen Montagmorgen!



Kommentare:

  1. Respekt vor der Geste des kühlen Getränks. Auch sonst teile ich die Meinung des Jungkapitäns voll und ganz. Tissy Bruns hingegen ist linker Mainstream, geschrieben für eine Tageszeitung die sich verkaufen muss. Platt, wenig überraschendes, keine neuen Gedanken. Ganz im Sinne der Berliner Leserinnen und aussen, und natürlich im Auftrag des Verlegers.

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  2. Hallo nff

    Wie wahr Deine Worte doch sind, aber warum ist das Ausgeben eines kühlen Getränks verboten? Den Abfall werden die Leute von der Ground Crew kaum liegen lassen und Bier wirst Du ja höchstwahrscheinlich auch keines ausgehändigt haben ;-)Wenn ich die Jungs hier draussen vor dem Fenster schuften sehe, bekomme ich direkt Mitleid...

    Gruss aus CDG wartend auf DL nach JFK.

    Damian

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