Sonntag, August 14, 2011

Fremdgehen am Wochenende

"Edelweiss 246, do you read?"
Blödmann, gib mal Antwort

"Edelweiss 246, do you read?"
Penner!

"Edelweiss 246, do you read?"
Scheisse, das sind ja wir…
"Edelweiss 246, read you loud and clear…"

"I called you several times."

"äh, yes, äh, ägsgüsi – …"


-------

Fremdgehen ist mit Schwierigkeiten verbunden, das ist nicht nur in der Fliegerei so. Wenn man dann mal fremdgeht, dann sollte man auf keinen Fall die Namen durcheinander bringen – auch das ist nicht nur in der Fliegerei so!

Es gibt Tage, da "operieren" wir unter fremder Flugnummer und heissen auch dementsprechend. Das wiederum bringt jahrzehntelange Reflexe durcheinander und birgt allerhand Gefahren. Mit den Jahren bildet sich ein unsichtbarer Filter im pilotischen Ohr, der alle Informationen unterdrückt, die das Krokodilshirn als unwichtig taxiert. Männer sind in dieser Disziplin Meister und das ist – wenig überraschend – nicht nur in der Fliegerei so!
Wer sich erinnert, wie lange die Umprogrammierung von Swissair auf Swiss dauerte, weiss wovon ich rede. Als Jungkapitän wechsle ich mitten im Tag von der alten Helvetia zur jungen Bergblume. Das sind Seitensprünge, die für Verwirrung und Erklärungsnotstand sorgen.

Dieses Pilotendilemma wiederum bringt Flugverkehrsleiter regelmässig zur Weissglut. Denn fremdgehende Piloten melden sich nicht oder erst beim dritten Mal – und auch das ist wenig überraschend nicht nur in der Fliegerei so. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Lotsen entschuldigen (nicht fürs Fremdgehen, sondern… – ach sie wissen schon…) – ausser natürlich bei den spanischen. Doch das ist eine andere Geschichte.

Auch wenn es manchmal etwas kompliziert ist, mag ich das Fremdgehen. Die Passagiere sind anders, die Flughäfen auch. Beim Einsteigen ist man mit der Hälfte der Passagiere unfreiwillig per Du und nicht selten werden einem während dem Boarding Feriengeschichten erzählt. Junge Gäste sind cool, ältere von der Sonne verbrannt. Männergruppen wähnen sich im "Hangover Movie", während sich die Mädels messen, wer die grösste Sonnenbrille und das hässlichste Tattoo hat. Personen, die vor den Ferien umbedingt nebeneinander sitzen wollten, schmollen getrennt und andere wiederum wollen unbedingt nahe beieinander sein, im Notfall auf dem gleichen Sitz.

Ich gehe gerne fremd, wenn nur das Durcheinander mit den Namen nicht wäre!



1 Kommentar:

  1. Editieren
    *lol* der ist gut. In 3 Monaten, ja da gehe auch ich fremd. Und bereue es jetzt schon.
    Aber wie du ja weisst, ist dies wohl nicht immer unsere eigene Entscheidung, in den seltensten Fällen lässt es sich auch so präzise terminieren...

    In dem Sinne guten Flug und vielen Dank für die stets lustigen Lektüren und wunderbaren Destinationen!

    Grüsse
    swizz

    AntwortenLöschen