Mittwoch, August 31, 2011

Interkulturelle Kommunikation im Cockpit

Noch nicht lange her, habe ich an dieser Stelle über Kommunikationspannen berichtet. Solche Verständnisschwierigkeiten entstehen nicht nur zwischen Geschlechtern, sondern auch zwischen Kulturen.
Wie wichtig Kommunikation ist, wird an jedem Seminar erwähnt und dass wir nicht nicht kommunizieren können, hat Paul Watzlawick schon vor langer Zeit behauptet (was wir auch an jeden Seminar hören).

Doch was ist gute Kommunikation? Oder noch wichtiger: was ist gute Kommunikation zwischen verschiedenen Kulturen?
Ich habe DIE Lösung, doch dazu später.

In meinem Job gibt es zweierlei Kommunikation. Die offizielle (Flaps one) und die inoffizielle (schau mal die Blondine da draussen).
Während die inoffizielle im schlimmsten Fall zu Stunk führen kann, führte unkorrekte offizielle Kommunikation in der Vergangenheit schon zu Katastrophen. Mitlesende Flugverkehrsleiter wissen das ebenso, wie Pilotenkollegen aus aller Welt.

In der Aviatik wird ein grosser Teil der offiziellen Kommunikation auf Englisch geführt. Da nur ca. 340 Millionen Menschen auf der Erde anglophon sind, ist dies definitiv ein schlechter Approach.

Darum frage ich mich als Kapitän natürlich, wie ich diese Gefahrenquelle eliminieren kann? Die effizienteste und einfachste Lösung ist, die Checklisten anzupassen. Ich meine im Ernst, wer versteht schon diese Sätze?


Wir haben dermassen viele Kollegen aus dem Norden, dass hier Anpassungspotential erkennbar ist. Mein hochdeutscher Vorschlag für die erste Checkliste, die Kapitän und Kopilot am Anfang des Fluges machen:

Schon viel besser, oder?

Damit die Deutschen Freunde schnell die Dialekt erlernen, MUSS diese Checkliste auch in Mundsprachen vorhanden sein:



Berndeutschen Kollegen wird obige Checkliste nicht gerecht. Hier einige leichte Modifikationen:




Mein Projekt für einen verbesserten interkulturellen Austausch auf dem Flugdeck nimmt Formen an. Für weitere Vorschläge in Walliserdiiiiiitsch und anderen Dialekten bin ich dankbar.


Freitag, August 26, 2011

Small brother is watching you

Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Aviatik wohl eine der meist überwachten und kontrollierten Industrien ist.

Passagiere merken das täglich, Crews noch mehr.
Hätte sich jemand vor Jahren noch über den Sicherheitsbeamten aufgeregt, der dem Kapitän in London ein Fläschchen mit Brillenreiniger konfisziert, ärgert sich heute die ganze Crew über den Kapitän, dass er sich so einen Fehltritt in seiner Position leistet.

Wir wurden hart erzogen und leisten aus eigenem Interesse kaum Gegenwehr. Schade – eigentlich Schade!

Ist die Flugzeugtüre einmal zu, lebt es sich fast wie im Paradies. Man haltet sich selbstverständlich weiterhin an Vorschriften und Verfahren, aber interessanterweise machen diese ab diesem Zeitpunkt Sinn. Involvierte Personen sind vom Fach und sowohl Lob als auch Tadel kommen aus sachverständigem Mund. Zumindest galt dies bis in die jüngste Vergangenheit.

Diverse Informationssystem ermöglichen plötzlich einem viel grösseren Teil der Bevölkerung Einblick in die Operation von Flugzeugen.
Ein Flugzeug über dem eigenen Haus? Kein Problem, mit dem Smartfon orten und Gesellschaft, Flughöhe und Reiseziel in Sekundenbruchteilen bestimmen. Die Besatzungsliste ist noch nicht verfügbar, kommt aber bestimmt mit dem nächsten oder übernächsten update.

Ist mein Gotti schon in New York gelandet? Nichts einfacher als das! Die Seite mit dem live Funkverkehr aufstarten und dabeisein, wenn der Pilot den Standplatz sucht.

Wie geht es dem Flugzeug indem meine Tochter sitzt? Hurtig bei den entsprechenden Twitter-Seiten einloggen und den Alarm abonnieren, der in Realtime informiert, wenn irgend wo auf der Welt ein Flugzeug einen Notfall deklariert. Während die schwitzende Besatzung mühsam versucht auf HF ein Mayday abzugeben, kriegt Herr Small-Man einen SMS-Alarm auf sein Flachfon und kann in Foren mitdiskutieren, um welches Problem es sich wohl handelt und ob der Pilot das Flugzeug noch sicher landen kann. Via Live-ATC analysiert die Small-Man-Gemeinde den Stresslevel der Pilotenstimme und postet das Sekunden später im YouTube, unterlegt mit Bildern vergangener Katastrophen. Radio und Farbfernsehen haben die Twitter-Meldungen auch abonniert und bombardieren die involvierten Stellen mit Fragen, noch bevor diese über den Vorfall informiert sind.

Hat der Pilot nach erfolgreicher Landung die Bremsen gesetzt, ist er im Internet schon über mehrere Seiten verurteilt, blossgestellt oder im besten Falle zum Helden erklärt worden – selbst wenn es sich beim Vorfall um eine Bagatelle handelte.

Informationsfreiheit hat seine Grenzen, vor allem wenn die Informationen in Hände fallen, die mit diesen nicht umgehen können.
Die besprochene Internetseite kann kaum aus dem Netz verbannt werden, obwohl es vielleicht sinnvoller wäre, sensible Echtzeitdaten zu verschlüsseln, als dem Kapitän die Brillenputzflüssigkeit zu konfiszieren.

Ich habe fertig!




Mittwoch, August 24, 2011

Chocolate Route

Effizienz wird in der Fliegerei grossgeschrieben. Es wird gespart, optimiert, verbessert, wieder optimiert und noch einmal gespart. Ein ganz grosser Kostenfaktor in unserem Flugbetrieb ist der Treibstoff. Auch aus Umweltschutzgründen lohnt es sich, mit dem Rohstoff vorsichtig umzugehen.

Doch wie kann ein Pilot eigentlich sparen? Hier unterscheiden sich Auto und Airbus wenig. Je langsamer, je sparsamer.
Doch manchmal ist Vollgas dennoch angesagt, so auch gestern. Bereits bei ihrem ersten Flug am Morgen ist die arme HB-JLP in Brüssel hängengeblieben. Ein Gewitter verunmöglichte ihren Start zur vorgesehenen Zeit. Verspätung war die Folge und diese lastete auf der Operation wie eine Hypothek.

Dies spürten auch wir in Heathrow. Statt um 13 Uhr, rollte unsere Maschine erst vierzig Minuten später an den Standplatz 249. Das ist bis am Abend kaum aufzuholen, dachte ich im Stillen, habe dabei aber meinen innovativen Copiloten vergessen.

Eine gute Viertelstunde, nachdem die Fahrwerke im Schacht verstaut waren, murmelte der Copilot für mich unverständliche Sätze in das Mikrofon.

"Was hat Du gefragt?"
"Ich verlangte nach der Chocolate Route"

"Nach was?"
"Nach der Chocolate Route. Lass Dich überraschen!"

"Swiss 33D proceed direct BLM."

Hoppla, was für eine Abkürzung! Ein vorbildlicher Service der Anflugkontrolle in Zürich half uns noch zusätzlich. Stand der Verspätung nach dem London-Flug: 17 Minuten.

Am Boden brauchte es eine Aussprache mit dem Copiloten. Natürlich wollte ich wissen, was es mit der Schokolade-Route auf sich hat und er klärte mich auf. In einem der vielen Zentren der Luftverkehrsleitstellen in Europa gibt es einen Pausenraum, der regelmässig mit Schokolade gefüllt wird. Einer der Lieferanten sass auf dem Flug neben mir und das bescherte mir die ungewohnte Flugroute. Ob das immer klappe, fragte ich ihn. Leider nein, seine Antwort.
Einmal hätte die Lufthansa gefragt, ob es für sie auch so etwas wie eine Schokoladen-Route gäbe. Die Antwort des Kontrollers war ehrlich und brutal zugleich:
"Sorry, we don't like German chocolate…"

Zurück zu unserem Flug. Nächstes Teilstück: Flug nach Tegel. Ein Gewitter im Süden war für einmal hilfreich. Die Zelle stand so glücklich, dass wir statt des langen Anflugprozederes, direkt auf den Endanflug steuern durften und mussten. Der Copilot flog schnell, landete fein und wir parkierten um 19:06 am Standplatz Nummer 1.
Stand der Verspätung nach dem Zürich-Berlin-Flug: 1 Minute.

Dann das Rennen gegen die Zeit. Wenn in Zürich vor 21 Uhr gelandet werden kann, darf die Piste 14 benutzt werden. Nach 21 Uhr ist die Landung zwingend auf der 28. Plus 10 Minuten, plus 300kg Fuel. Da lohnt sich das Rasen!

Nach dem Start steht auf dem Bordcomputer, dass wir um 2106 Uhr landen werden. Mhhh… Eine Anfrage an Bremen Radar bringt Erleichterung. Wir dürfen abkürzen, und zwar gewaltig. Neue geplante Ankunftszeit 2103 Uhr. Den Kollegen bei Rhein Radar erkläre ich mein Dilemma. Sie koordinieren, telefonieren und ermöglichen einen Direktkurs Richtung Trasadingen. Neue geplante Ankunftszeit 2100 Uhr. Ui, das wird knapp! Eine kurze Nachfrage im Zürich bringt Entspannung: Wir werden die letzten auf der 14 sein. Mission accomplished! Viel Zeit und ungefähr 500kg Kerosin über den ganzen Tag gespart.
Stand der Verspätung beim Feierabend: -11 Minuten.

Wohin kann ich die Schokolade schicken?

Montag, August 22, 2011

Montagmorgen

Es ist heiss und der Schweiss läuft. Zeigt das Thermometer bei Meteo Schweiz 32°C, hat es draussen auf dem Flugfeld mindestens 45°C. Alle Schwitzen, ich am wenigsten. Die Kollegen der Fracht beladen Flugzeuge mich Sachen, die man gar nicht braucht und der freundliche Mann von BP lässt zehntausend Liter Kerosin in den Tank. Der Treibstoff fliesst, der Schweiss noch mehr.

Mit kalten Getränken ausgestattet mache ich die Runde. Ich weiss, dass ich das nicht dürfte, aber ich weiss auch, wie sehr es geschätzt wird. Eine kühles Wasser an richtiger Stelle bewirkt für das Ansehen meiner Firma mehr, als ein neues Logo – und ist ausserdem auch viel günstiger.

Die Fracht ist verstaut, der Treibstoff im Tank. Ich bereite mich im heruntergekühlten Cockpit auf den Flug vor und die Kollegen von der Bodenmannschaft beladen bereits die nächste Maschine.

Für mich sind sie die richtigen Helden der Luftfahrt. Ohne sie läuft gar nichts und ohne sie könnten die erstandenen Währungs-Schnäppchen nicht von A nach B transportiert werden. Sie schuften, schwitzen, ruinieren sich ihre Rücken und erhalten keine oder wenig Anerkennung.

Im Gegenteil, landauf und landab fordern Traumdeuter der Wirtschaft, dass wegen der Währungs-, Finanz- und Sonstwo-Krise die Gürtel enger geschnallt werden sollen. Allen Ernstes verlangen Manager, dass Arbeiter wegen der aktuellen Krise zwei und mehr Stunden pro Woche ohne Lohn zusätzlich arbeiten sollen. Interessanterweise bleibt die Empörung aus, warum wohl?

Wenn ich die Kollegen auf dem Vorfeld betrachte, wünsche ich ihnen nichts mehr als einen freien Nachmittag im Freibad. Doch ich weiss, sie schuften auch für mich. Hätten sie einen freien Nachmittag im Freibad, würden die Kosten pro angebotenen Sitzkilometer im Promillebereich steigen, das Flugticket nach Mallorca 0.50 $ teurer, der Sitzladefaktor sinken, der Yield auch, die Kennzahlen verschlechtert und das Loblied am Abend in der Börsenspezialsendung ausbleiben. Das Glück des Individuums erscheint auf der Kennzahlen-Skala nicht. Langfristig ein fataler Fehler.

Mehr zum Thema in einem Artikel von Tissy Bruns. Nehm Euch Zeit und lest die Zeilen genau. Gerade an einem heissen Montagmorgen!



Donnerstag, August 18, 2011

Kommunikationspannen

Kommunikation ist das A und O in Krisensituationen, so auch im Simulator. Wer sich nicht klar ausdrückt, kann leicht missverstanden werden.

Jungkapitän will nach Startabbruch die Piste verlassen:
"Wir gehen hier raus."

Copilot:
"Evakuation?"

Ich muss lernen, mich klarer auszudrücken…


Dazu passt ein Spruch eines Kabarettisten, den ich während der Anfahrt zur Simulator-Übung im Radio hörte. Er äussert sich über die Tatsache, dass Frauen und Männer oft das gleiche sagen, aber komplett etwas anderes meinen.

Mann steht am Tresen, trinkt lässig sein Bier und beobachtet die Frauenwelt. Da kommt eine sportliche Zwanzigerin in sein Blickfeld und er begutachtet sie von oben nach unten. Sein Blick bleibt auf ihrem Hinterteil hängen.

Frau bemerkt das und gleichzeitig sagen die beiden den gleichen Satz:

"Was für ein Arsch!"


Dienstag, August 16, 2011

Wochenloch – Halbjahresloch

Ungefähr einmal in der Woche schlägt es ein. Eine grosse Leere übermannt mich und ich weiss nicht recht, ob ich glücklich oder traurig sein soll. Es sind Momente, in denen ich nicht reden und nicht denken möchte. Die Spannung, die Unruhe, die Freude – alles auf einen Schlag weg. Dabei habe ich Minuten davor noch voller Energie gestrotzt, alles gegeben, mich voll konzentriert.
Ist die letzte Seite eines guten Buches gelesen, fühle ich mich, als ob ich mit einer Frau geschlafen hätte. Entspannt, schlaff, glücklich, leer.

Und dann – der Griff zum neuen Buch. Kann mich die Geschichte packen? Kann sie mich ablenken, zum Träumen verführen, vom Schlaf abhalten? Darum sind die ersten Seiten eines Buches so wichtig. Sie sollen Vielleser, Vielträumer und Geschichtenliebhaber abholen. Es ist die hohe Kunst des Verführend, wenn das letzte Buch in den ersten Sätzen des neuen vergessen wird. Das ist Literatur! Das ist Kunst!

Nun gibt es natürlich auch schlechte Werke von miserablen Schreibern. Die im letzten Beitrag vorgestellten Werke gehören definitiv NICHT in diese Kategorie. Ein Buch, oder genauer gesagt mehrere Bücher, die ich in den letzten Tagen in den Händen hielt, fallen aber leider in diese Sparte. Richtig, ich jammere wieder einmal über den anstehenden Check im Simulator.
Um an diesem halbjährlichen Happening zu genügen, kommt der sonst so arbeitsfaule Pilot nicht darum herum, die Flughandbücher wieder einmal hervorzunehmen.

Was habe ich oben geschrieben? Ein Buch soll den Leser auf den ersten Seiten packen, ihn in Träume verführen, vom Schlaf abhalten?!?
Die Flugbibel erfüllt diese Kriterien nur ungenügend. Erst auf Seite 33 beginnt das eigentliche Textbuch und diese Seite 33 präsentiert sich wie folgt:
Abkürzungen! Nichts als Abkürzungen!

Die Lust vergeht einem schon an diesem Punkt. Über 555 Seiten im ähnlichen Stil folgen. Leider Gottes beinhalten diese Schriftstücke Vorschriften und Abläufe, die ein Pilot in meiner Stellung wissen sollte. Unglücklicherweise ist das Buch weder flüssig geschrieben, noch verfügt es über einen spannenden Plot. Ab und zu schleichen sich jedoch Seiten ein, die ich bis ans Karriereende nie vergessen werde. Vorschriften, die selbst ich mir merken kann und will. So zum Beispiel diese:

Ich rede nur von Band 1. Band 2 und 3 sind noch schlimmer…

Ist die letzte Seite dieses Buches gelesen, fühle ich mich, als ob ich mit meiner Frau gestritten hätte. Gestresst, aggressiv, unglücklich, frustriert.

Dieses Halbjahresloch ist in meinem Beruf unumgänglich. Man gewöhnt sich nie daran, muss es aber ausstehen. Warum nur sind diese Bücher so langweilig, so trocken? Warum nur müssen sich zehntausende von Piloten weltweit mit der gleich öden Literatur herumschlagen? Vielleicht sollten sich die Leserratten, die Schreiberlinge und die Kreativen in der Airline-Branche zusammentun und die Wälzer neu verfassen, vertonen oder gar aufführen.
Wir Piloten sind in dieser Beziehung einfach zu konservativ. Was nicht in endlosen Schachtelsätzen und ohne Grafiken erklärt wird, kann nicht richtig sein. Auch Wichtiges bringt man selten auf den Punkt, sondern beschreibt es ganz unten am Kapitel in einer "Note".

Doch was rege ich mich auf. Laut einer Expertin brauchen wir Piloten gar keine speziellen Qualifikationen:


Nur noch 48 Stunden und dann ist mein Halbjahresloch überwunden. Ich kann mich dann wieder meinen Büchern widmen – glücklich sein – in Wochenlöcher fallen.

Richtige Flugschreiber

Was gibt es schöneres als auf dem Balkon zu liegen und ein Buch zu lesen?
Viel würde ich im Moment dafür geben, doch leider ruft die Pflicht. Mein erster Check im Simulator liegt an und wer mich kennt der weiss, dass mir das ziemlich "stinkt"…

So, zurück zu den richtigen Flugschreibern:

Unter den Kollegen der Kabine und Cockpit hat es einige mit unglaublich literarischem Talent. Richtiggehend verschlungen habe ich die Bücher von Sunil Mann.
Privatdetektiv Vijay Kumar führt mit Witz, Charme und Komik durch den lebendigen Kreis 4 in Zürich und löst dabei ganz nebenbei Kriminalfälle. Wenn ich die Anflüge morgen im Simulator nur halb so gut hinkriege wie er mit den Wörtern jongliert, dann kriege ich eine Qualifikation wie Claude Nicollier.

Als nächstes Buch empfehle ich den Blindlug nach Abu Dhabi von Dide Eppler. Wenn ich richtig gerechnet habe war Dide fünf Jahre als Pilot für die Ethihad tätig und erzählt im spannend geschriebenen und reich bebilderten Buch vom Leben als Expat in der Wüste. Wem es wie mir viel zu heiss ist in den Emiraten, dem empfehle ich dieses Buch wärmstens! Schon nach der zweiten Seite verspürt man Lust auf eine Shisha… Wenn ich auch nicht so gut schreibe wie Dide, verbindet mich doch einiges mit ihm: auch er scheint den Simulator nicht wirklich zu lieben…





Sonntag, August 14, 2011

Fremdgehen am Wochenende

"Edelweiss 246, do you read?"
Blödmann, gib mal Antwort

"Edelweiss 246, do you read?"
Penner!

"Edelweiss 246, do you read?"
Scheisse, das sind ja wir…
"Edelweiss 246, read you loud and clear…"

"I called you several times."

"äh, yes, äh, ägsgüsi – …"


-------

Fremdgehen ist mit Schwierigkeiten verbunden, das ist nicht nur in der Fliegerei so. Wenn man dann mal fremdgeht, dann sollte man auf keinen Fall die Namen durcheinander bringen – auch das ist nicht nur in der Fliegerei so!

Es gibt Tage, da "operieren" wir unter fremder Flugnummer und heissen auch dementsprechend. Das wiederum bringt jahrzehntelange Reflexe durcheinander und birgt allerhand Gefahren. Mit den Jahren bildet sich ein unsichtbarer Filter im pilotischen Ohr, der alle Informationen unterdrückt, die das Krokodilshirn als unwichtig taxiert. Männer sind in dieser Disziplin Meister und das ist – wenig überraschend – nicht nur in der Fliegerei so!
Wer sich erinnert, wie lange die Umprogrammierung von Swissair auf Swiss dauerte, weiss wovon ich rede. Als Jungkapitän wechsle ich mitten im Tag von der alten Helvetia zur jungen Bergblume. Das sind Seitensprünge, die für Verwirrung und Erklärungsnotstand sorgen.

Dieses Pilotendilemma wiederum bringt Flugverkehrsleiter regelmässig zur Weissglut. Denn fremdgehende Piloten melden sich nicht oder erst beim dritten Mal – und auch das ist wenig überraschend nicht nur in der Fliegerei so. An dieser Stelle möchte ich mich bei allen Lotsen entschuldigen (nicht fürs Fremdgehen, sondern… – ach sie wissen schon…) – ausser natürlich bei den spanischen. Doch das ist eine andere Geschichte.

Auch wenn es manchmal etwas kompliziert ist, mag ich das Fremdgehen. Die Passagiere sind anders, die Flughäfen auch. Beim Einsteigen ist man mit der Hälfte der Passagiere unfreiwillig per Du und nicht selten werden einem während dem Boarding Feriengeschichten erzählt. Junge Gäste sind cool, ältere von der Sonne verbrannt. Männergruppen wähnen sich im "Hangover Movie", während sich die Mädels messen, wer die grösste Sonnenbrille und das hässlichste Tattoo hat. Personen, die vor den Ferien umbedingt nebeneinander sitzen wollten, schmollen getrennt und andere wiederum wollen unbedingt nahe beieinander sein, im Notfall auf dem gleichen Sitz.

Ich gehe gerne fremd, wenn nur das Durcheinander mit den Namen nicht wäre!



Samstag, August 06, 2011

Selbstkritik, oder mein Lösungsvorschlag für die Eurokrise

Ich muss zugeben, dass wenn ich meine Blogeinträge der vergangenen Wochen lese, einiges an Witz und Tiefe vermisse. Gut, die Überschriften und Titel der Beiträge wirken wie Magnete auf potentielle Neuleser, aber das kann letztendlich nicht mein Ziel sein.
Inspiration für Titel dieser Art hole ich mir von meinem neuen Leitblatt, dem Blick. Tja, auf der Kurzstrecke kommt man kaum zum Lesen tiefschürfliger Literatur. Boulevard statt Feuilleton… Habe ich auf der Langstrecke noch ganze Romane verschlungen, erfreue ich mich heute an gut gelungenen Überschriften in grossen, roten Lettern.
"Einbrecher haben meine Möpse entführt", war ja wohl der Klassiker aller Headlines.

Doch nicht nur fehlende Ablenkung aus dem Hause Diogenes trägt zur Verwässerung der Einträge bei, sondern auch die schlichtweg nicht mehr vorhandene Langeweile. Langeweile ist DIE Inspirationsquelle für Geniales aller Art. Es ist kein Zufall, dass von Leuten, die ständig ihr Handy am Ohr halten und Stress für einen Lifestyle halten, selten etwas Gutes kommt.
Während der äusserst wertvollen Phasen der Langeweile öffnen sich einem neue Kanäle und Sichtweisen. Man entwickelt ein Gespür für das scheinbar Unwichtige und sieht plötzlich das vorher Unsichtbare. Und genau über dieses Unsichtbare ist es Wert zu schreiben, genau dieses Unsichtbare liefert den Stoff für Satire und Ironie.

Also wenn ich etwas vermisse auf der Kurzstrecke, ist es genau diese Langeweile. Planlos durch ein Quartier zu schlendern, aus Bequemlichkeit den ersten freien Platz in einem Coffeeshop besetzen und losschreiben. Es braucht wenig dazu, ein dampfender Latte und die Freude an Menschen reicht. Kurzstrecke ist anders. Ich agiere im Moment eher wie der Manager mit dem Ding im Ohr. Immer Kommunizieren, ob wichtig oder nicht – immer rechtfertigen, immer erklären. Reizen würde mich eine Untersuchung der Rapporte innerhalb der Firma, die von Unzulänglichkeiten berichten oder deutlicher Ausgedrückt: von Scheiss, der irgendwo auf der Welt passiert ist. Ich mache eine Wette, dass auf 95 Prozent aller Berichte steht, dass die Kommunikation zwischen allen Beteiligten ausgezeichnet war. Ich schreibe das übrigens auch immer. Vielleicht sollte ich am nächsten Rapport anfügen, dass mir schon lange nicht mehr langweilig war und mir die Inspiration fehlte…

Darum mein Tipp an alle finanzpolitischen Feuerlöscher: Macht Ferien, vergesst das Gelddrucken, -vernichten, -verteilen und -verwerten. Macht wieder einmal Ferien und langweilt Euch so gut es geht. Vielleicht kommt die Inspiration zurück, vielleicht hat sich die Finanzkrise von selber aufgelöst, oder vielleicht bezahlen wir danach wieder in Naturalien. Hauptsache die Satire und die Ironie bleiben uns erhalten!

Montag, August 01, 2011

100 Tage Kurzstreckenkapitän

Wie meine Frau mich unterstützt – oder meine Tipps an sie:


warum ich Teilzeit beantragt habe:

Ich liebe Passagieransagen!


Mein Arbeitgeber ist günstig, aber nicht billig…


"Über den Wolken…" ist es leider nicht immer so wie erwartet…

Meine Fremdsprachenkenntnisse haben sich merklich verbessert:

Das kann bei unseren FDRs nicht passieren (hidden cam show)

… ich freue mich auf die nächsten 100 Tage!









1. August