Sonntag, Juli 31, 2011

Splitternackt im Paradies

Die guten alten Zeiten! Wie oft höre ich diesen Satz und wie oft – Schande über mich – benutze ich ihn selber.
Verbunden mit diesem Satz ist auch immer ein Blick zurück. Man verwendet die Phrase leichtsinnig und träumt von vergangenen Zeiten, obwohl man damals mindestens so laut über die Gegenwart geflucht hat wie heute.
Ergo, die guten alten Zeiten sind heute und jetzt!

Darum schreibe ich nicht über die wöchigen Aufenthalte auf den Malediven und den "Zehntäger" Rio, sondern über die Highlights auf der Kurzstrecke der Gegenwart. Und die gibt es – glauben sie mir, die gibt es wirklich!

Gestern durfte ich so einen Flug antreten und ich war entsprechend nervös. Analog der fast mehrwöchigen Einsätze, die ich oben beschrieben habe, war das Packen des Koffers DAS Problem. Nicht WAS ich mitnehmen, sondern OB ich überhaupt etwas einpacken soll, war die grosse Frage.

Tja, so ein Spiltduty ist eine Knacknuss für sich. Insider kennen diese Ausdruck, andere Leser nicht. Darum eine kurze Erklärung. Splitduty ist ein Relikt aus alten Tagen. Besatzungen werden bei sehr kurzen Aufenthalten (unter acht Stunden) an fernen Orten in ein Hotel verfrachtet und legen sich dort ein paar Stunden aufs Ohr. Da es für eine richtige Nachtruhe zu kurz ist, läuft die Arbeitszeit weiter. Darum beinhaltet so ein Splitduty-Einsatz in der Regel nur zwei Teilstrecken. Konkret Zürich-Amsterdam und zurück.
Dies ist darum ein Relikt aus alter Zeit, weil wir heute im Flugzeug auf Campingmatten und unter dünnen Decken unsere Nächte um die Ohren schlagen (Thessaloniki und Porto).

Zwei Arbeitstage und nur gute zwei Stunden Flugzeit. Logisch ist der Splitduty DER Liebling von Kurzstreckenbesatzungen!

Nun zurück zum Kofferpacken.
Normalerweise reicht ein Uniformhemd auch im Hochsommer für 4 Teilstrecken und 11 Stunden Arbeitszeit. Ein Hemd brauchst darum heute nicht!.
Für die Socken gilt das gleiche.
Unterhosen wechsle ich aus Prinzip jeden Morgen, darum gehören die ins Gepäck.
Ein Pyjama für fünf Stunden? No way!
Zahnbürste: ein Muss!
Zahnpasta: hat's hoffentlich im Hotel.
Duschgel: dito.
Hautcreme: zu umständlich.
Koffer: wozu?

Mit leichtem Gepäck trete ich um 19:30 Uhr meinen Dienst an. Meine Kollegen machen es mir gleich.

…ein paar Stunden später:
Nach einer splitternackten Nacht im Paradies begrüsse ich die Passagiere in Amsterdam. Die Haut gleicht einem Schleifpapier (das nächste Mal Hautcreme mitnehmen) und der Atem riecht wie der meines Hundes am Morgen in der Früh (Merke: im Hotel hat es keine Gratiszahnpasta). Was will ich in Rio oder auf den Malediven, wenn es den "Split" Amsterdam gibt?
Die guten alten Zeiten sind heute und jetzt! Ich geniesse sie in vollen Zügen :-)

Kommentare:

  1. Danke das du die Details ersparst ;-)

    PS: Ich nehme an, der Suchmaschninenmagnet funktioniert... :-D

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  2. Passt doch zum 1. August – Staub aufwirbeln und nichts sagen :-)

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  3. Wie gewohnt unterhaltsamer Beitrag, und der 1. August Kommentar ist absolut treffend.

    Habe gestern Dein Buch bestellt, darf man fragen wie viel der Herr nff von den 19.90 bekommen wird?

    Gr. aus GR

    Luis

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  4. Beim ursprünglichen Name dieses Blogs war ja auch ein Artikel zu dem Thema mehr als fällig ;)

    Zum Glück haben wir bei der deutschen Charterflotte keine geplanten Split Duties mehr und dürfen eh nur noch maximal einen pro Monat machen. Diese Art der Dienst zermürbt einen doch recht schnell, vor allem im Dauerwechsel von Ruhezeit tagsüber und Split-Duty über Nacht.

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