Freitag, Juli 01, 2011

Griechische Nacht – oder der schnelle Weg zum Langstreckenkapitän

Von den Einwohnern dieser Grossstadt merkt man nichts. Eine Million sollen es sein, weiss Wikipedia über Thessaloniki zu berichten. Es ist 2 Uhr in der Früh. Die elf Tonnen Kerosin sind im Tank verstaut, das Flugzeug steht einsam auf Position 14.
Als die Rücklichter des kleinen Renault hinter dem Gebäude verschwinden, sieht man keine Menschenseele mehr. Wir sind alleine.

Ich stehe einsam auf der Passagiertreppe und schliesse die Tür. Mein Copi liegt schon auf einer Isomatte beim Notausgang und die Mädels haben sich in eine Ecke im hinteren Teil des Flugzeugs verkrochen.
Nur der Maitre de Cabin schleicht noch herum. Er dreht das Licht aus und versucht auf einem Sitz zu dösen. Wir beide sind die Grossväter im Umzug und beneiden die Jugend um das schnelle Einschlafen.

Draussen summt die Hilfsturbine und versorgt uns mit Luft und Strom. Man könnte diese abstellen, doch der Jungkapitän entscheidet sich dagegen. Sechs schlafende Personen in einem stromlosen Flugzeug bei geschlossenen Türen? Finde ich keine gute Idee und investiere die fast 200 Kilogramm Fuel in die Sicherheit und den Comfort.

Zwei Stunden haben wir Zeit, uns zu erholen. Um 4 Uhr wir uns der griechische Mechaniker wecken, damit wir 0450 Uhr gegen Nordwesten starten können. Ich bin skeptisch gegenüber hellenischen Versprechen und stelle zur Sicherheit den Wecker meines iPhone. Das war doppelt unnötig: erstens erwies sich der Kollege als sehr zuverlässig und zweites tat ich kein Auge zu.

Wie habe ich die Nächte in Flugzeugen auf der Langstrecke gehasst und wie habe ich mich auf die Kurzstrecke gefreut, weil eben diese unendlichen Nächte der Vergangenheit angehören. Diesen Monat habe ich gleich zwei dieser Schlafrhythmusvernichter gefasst. Planungspech!

Plötzlich geht alles schnell. Die Fracht kommt, die Passagiere auch, der Tower wird geweckt und der Flughafen für uns hochgefahren. Wir sind die Einzigen und können quasi machen was wir wollen.
Schubhebel nach vorne und los geht‘s!

Zehn Minuten nach dem Start lauter müde Stimmen am Funk. Die Kollegen von Delhi, Mumbay und Bangkok sind auf der gleichen Strecke unterwegs und versuchen die Kräfte für die Landung zu bündeln. Es ist ein Kampf, der gewonnen werden muss. Die Piste 34 wartet, der Südanflug wird bald in Angriff genommen.

Mit knallroten Augen setze ich die A321 um 0610 Lokalzeit bei 550m ab. Die Landung sei wie meine Haare, pflegte ein Instruktor mir vor Jahren zu sagen: lang, aber gepflegt…

Beim Warten auf den Crewbus fühle ich mich wie ein alter Langstreckenkapitän. Ausgelaugt und voller Sehnsucht nach dem Bett. War das jetzt die Umschulung auf die Langstrecke? Das ging mir aber viel zu schnell!

Kommentare:

  1. ja, nächste Woche Dienstag werd ich meine Isomatte auch wieder ausrollen... Und gen Ende des Monagts nochmal, dann aber In Porto =)

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  2. Du hast hier einiges unter einen Hut gebracht.
    Hut ab!

    ...fehlen nur noch Anthony Quinn alias Zorba le Grec, Sirtaki, Uso und Weisse Rosen aus Thesalloniki...
    Ääh, die Weissen Rosen stammen wohl anderswo her.

    "Lang, aber gepflegt" die Landung, ha ha ha, lang wie die Haare dazumals.
    550 m "long landing" bei über 3 Kilometern Pistenlänge auf Piste 34 mit einem Airbus A 320.

    Geschenkt, und nochmals, Hut ab.;-)

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  3. klingt abendteuerlich - ich kenn das eher mit zelten unter dem flügel einer 1mot, aber a321?
    was hat es mit dem flugzeug-campen auf sich?

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  4. Ich hasse diesen Flug aus Passion! Musste einige male nach Thessa und immer diesen Nachtflug genommen.

    Um 4Uhr ist man endlich im Bett, um 7 wird man abgeholt und mss zum Kunden. Super.
    Immerhin kann man sich das Hotel sparen am abflug-tag. Gut essen, mit netten Griechinnen abtanzen und dann als Zombie in Richtung Flughafen aufbrechen. Und ich muss dann kein Flugi landen, sondern nur darauf achten eine Tüte griffbereit zu haben.
    Philippe

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  5. Kann in SKG den Dutyfree Empfehlen, auch Nachts offen und Oliven und Olivenöl sind unglaublich lecker.

    Konnte da auch nie schlafen...

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  6. Willkommen zurück in der Welt der Augenringe :-) und ja nicht vordrängeln, wir sind müder (wie du dich vielleicht noch erinnern kannst) ;-)

    G!

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  7. Und schon wieder ein zu kurz geratener Airbus, der vor mir aufsetzt. Wann reihst du dich endlich am Morgen korrekt hinter den Grossen ein...? Ach ja, klar, die Angst des Kurzstreckenkapitäns vor den Wirbelschleppen.

    M

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  8. @M:
    … wenn es in den Planungsvorgaben heisst, dass man 0352Z über AMIKI sein muss und 0352Z über AMIKI ist, dann nennt man das die hohe Kunst des Fliegens…

    Zuviel Nespresso kann die FMS-SPD-MGM-Ability einschränken :-)

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  9. ...ömhhhhh, dürfen wir auch noch was sagen zur Anflugsequenz oder wollt ihr das untereinander ausknobeln?

    TWR Mädel

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  10. was fehlt??? Richtiig der Jetlag... Man soll ja stehts die positiven Aspekte vor Augen haben. Beim nächsten Mal klappts vielleicht besser mit dem Schlafen, bei meiner Rotation wars zumindest der Captain der nach 5 Minuten lautstark gesägt hat. Das Geklopfe des Mechanikers konnte da nicht laut genug sein...

    Grüsse, Severin

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