Freitag, Dezember 30, 2011

Der längste Skilift der Welt

Ich habe schlecht geschlafen. Das Zimmer war überheizt, dafür ruhig, sauber und luxuriös. Wider erwarten erwache ich 30 Minuten vor dem "Crew-Call". Was eigentlich nicht erwähnenswert wäre, wäre der Weckruf nicht um viertel vor vier (vvv) in der Früh.
Die Dusche war schnell erledigt. In der Zwischenzeit lud ich vom Swiss-Server die vollständigen Planungsunterlagen herunter, damit ich mir nach der Pflege meines Körpers ein Bild des Arbeitstages machen konnte.

Schneeregen in Zürich, dito in Moskau. Das heisst enteisen, das heisst Delay. Früher als geplant verlasse ich meine Bleibe mit der Nummer 1622 und besteige den Lift. Dieser hält nicht im Erdgeschoss, sondern bereits im 11. Stockwerk. Mit grossen Augen schaut mich eine Kollegin an, als wäre ich Blocher persönlich. Sie gehört nicht in meine Besatzung, Verzeihung – ich gehöre nicht in ihre Besatzung.
Die junge Dame nimmt Abstand und behandelt mich wie ein Hustender während der SARS-Zeit in Hongkong.

Ich breche das Eis:
"Und, wohin geht es?"
"Nach Genf", die kurze Antwort ihrerseits.
"Ich auch!", meine Antwort, obwohl ich wusste, wie sehr ich sie damit zu dieser Uhrzeit verwirrte.
"Ist MEIN Kapitän krank?"
"Nein, ich fliege ein halbe Stunde nach Dir ab…"
Ihre Welt war wieder in Ordnung!

Man begrüsste den Morgen mit dünnem Kaffee und trockenem Gebäck. Zwei übervolle Flugzeuge innerhalb so kurzer Zeit ans gleiche Ort hat man sonst nur beim Ausflug von Flüchtlingen aus Krisengebieten. Ich unterhalte mich mit dem Kollegen Kapitän und fachsimple (Auto, Frauen, Apple,...) ein wenig. Man sieht sich!

Schon auf dem Weg zum Flughafen zeigt sich, wie gross Moskau ist und wie viele Moskauer in die Ferien wollen. Stau und zwar so, wie es nur in Russland stauen kann. Wer ein geländegängiges Fahrzeug sein Eigen nennt, weicht auf die Wiese aus, wer keines hat, zwängt sich in eine der fünf Kolonnen der dreispurigen Strasse.

Moskau erwacht. Wer kann bleibt in den Federn.

Es dauert eine gefühlte Ewigkeit. Wir werden am Bus abgeholt. Elegant führt uns eine lokale Angestellte durch ein Gewirr von Gängen, Türen und Sicherheitsposten an dem Chaos vorbei. In der Halle ist es schwarz-braun. Schwarz voller Leute und braun voller Kartonschachteln. Ganze 20 Minuten vor dem geplanten Abflug sind wir am Flugzeug. Der andere "Genfer" ist auch noch da, sucht noch nach Fracht und Passagieren.

einmal Menü 1 mit Suppe…

Es geht zügig, die Russen können und wollen heute Morgen. Pushback und de-icing, Ansagen und Rollen. Der Copi fliegt und er fliegt schnell. Er kämpft sich durch den Schneesturm und den Gegenwind, umschifft Turbulenzzonen elegant und reinigt sein Schuhwerk vom Kaugummi, den er sich auf russischem Gebiet aufgelesen hat. Es schüttelt im Anflug, der Wind kommt aus 334° mit 165 Knoten auf 28000 Fuss.
Mit 220 Sachen im 9 Meilen Final. Der Alte links staunt, der Junge rechts rudert. Flaps, Gear, Speedbrakes – alles wird dem Wind entgegengestemmt. Wir sind auf 1200 ft über Grund stabilisiert. Eine feine Landung, leichter Reverse, beim "D" raus.
Um 1039 Uhr werden die Motoren abgestellt. Die 56 Business (!) und 1xx Economy entsteigen dem A321 Richtung Verbier, Zermatt oder Crans.
"Etoiles cinq!" (Stärneföifi) – das könnte noch reichen. Der Crewbus steht bereit, die Passagiere sind draussen, wir fertig. Um 1058 Uhr besteigen wir den A320 nach Zürich. Geschafft, Feierabend!

"Unser" A321 startet wenige Minuten später wieder mit Destination und Spezialflugnummer nach Moskau. So geht es jetzt ein paar Tage weiter. Was ein Schweizer Kreuz am Heck hat und verfügbar ist, wird nach UUDD geschickt. Ich wieder am 1.1.12 um 0700 Uhr. Es hätte noch Plätze frei :-)

Doch Morgen will ich zuerst Oslo sehen. Vermutlich sind die ersten Gipsbeine an Bord… 

Donnerstag, Dezember 29, 2011

Die Russen kommen!


Als ich vor 25 in den Tessiner Bergen lag, vergraben und getarnt, war dieser Aufruf der Startschuss für militärische Aktivitäten. Mit geschwärzten Köpfen und geladenen Waffen warteten wir aufmunizioniert wie Rambo im gleichnamigen Film auf die Roten aus dem Osten. Heute sind sie Willkommen in den Bergen wie kaum ein anderes Volk auf Erden. Sie bringen Wodka, Rubel, Schnee (…) und Glamour in die Wintersportorte und bescheren uns viele unplanmässigen Flüge, die bis zum Bersten voll sind.

Heute ist es wieder soweit, wir nehmen Stellung für die grosse Offensive der Gäste aus Moskau. Noch vor 25 Jahren hiess Stellung beziehen ein Jagdkampf-Biwack ausheben und Sprengfallen basteln. Heute heisst das bequem in der Business-Klasse Väterchen Frost entgegenfliegen, damit man am Folgetag mitten in der Nacht bereit ist, die Gäste Richtung Engadin und Zermatt zu bringen.

Snegurotschka ich komme und das nicht nur einmal diese Woche.




Montag, Dezember 26, 2011

Kritische Gedanken zum Jahresende


Das Jahr 2011 war sicherlich ein wichtiges in meiner Karriere. Die Beförderung zum Flugkapitän und die langen Verhandlungen für einen neuen Gesamtarbeitsvertrag standen auf dem Programm. Beides wurde erfolgreich abgeschlossen, bei beiden muss man dran bleiben. Als Kapitän kann ich mir keine Pause leisten. Neue Verfahren müssen sitzen und Wissen muss abrufbereit sein. Nicht dass ich das als Copilot diesen Anspruch nicht gehabt hätte, aber jetzt bin ich die «last line of defense».

Auch bei den Arbeitsbedingungen müssen wir Piloten am Ball bleiben. Während die Amerikaner mit den neuen Maximaldienstzeiten Weitsicht und Verantwortung gezeigt haben, laufen die Europäer genau in die andere Richtung und nehmen unnötiges Risiko in Kauf. Unnötig zu sagen, dass dies für die Manager der Fluggesellschaften ein Steilpass ist, die Dienstzeiten zu verlängern und Toleranzen auszunutzen.

Das bekommen natürlich auch wir zu spüren, obwohl wir weniger lange arbeiten dürfen, als vom Gesetzgeber erlaubt. Dass Müdigkeit gefährlich ist, realisieren wir Menschen leider viel zu wenig. Das ist ganz ähnlich wie beim Alkohol. Nur gibt es beim Alkohol Toleranzgrenzen, Vorschriften, Kontrollen und Sanktionen. Und bei der Müdigkeit? Wir haben zwar den Passus, dass wir nicht fliegen dürfen, wenn wir nicht 100 % fit sind, doch dies ist fast unmöglich zu kontrollieren und einzuhalten. Klar gibt es Flugdienstvorschriften. Bei deren Studium stehen einem die Haare zu Berge. So darf eine Kurzstreckenbesatzung 12 Stunden am Stück arbeiten und vier Starts und Landungen machen (in der Swiss 11.5 Stunden). Klingt nicht nach viel, ist es aber. Von Mittagspause redet man nicht, die ist so auch inexistent. Geladen wird ein Crewessen, das während des Flugs eingenommen wird.  
So ein Vierleger ist, falls nicht gerade der Joachim wütet, streng, aber machbar. Erschwerend kommt aber dazu, dass die Bodenzeiten mit Hilfe von Kostensenkungsprogrammen derart minimiert wurden, dass es für Störungen keinen Platz hat. Wenn wie gestern in Belgrad 202 Passagiere ausgeladen und 71 wieder eingeladen werden müssen, während dem Boarding nicht getankt werden darf und für den ganzen Wechsel nur 40 Minuten geplant werden, dann erkennt man den ganzen Wahnsinn des Systems.

Die Folge davon ist Stress, sofern man das zulässt. Ich lasse es nicht zu.

Kennen sie Pierre-Cédric Bonin und David Robert? Das sind die beiden Kopiloten des Air France Flugs 447, der im Südatlantik abgestürzt ist. Über ihnen entlädt sich ein Gewitter von Schuldzuweisungen und Vorwürfen. Die Fachwelt fragt sich, warum zwei Piloten so ungeschickt handeln konnten und in derart schockierender Art und Weise falsch reagiert haben? Vielleicht liegt die Antwort auch in der Müdigkeit. Ein absolut lesenswertes Protokoll der Vorgänge findet sich auf dieser Seite: What really happens on flight AF447.

David Robert, der erfahrenere der Beiden, kam um 2 Uhr Morgens ins Cockpit, um den Kapitän abzulösen. Vermutlich hat er davor ungefähr vier Stunden im Ruheraum verbracht, der sich eingequetscht zwischen vorderer Küche und Cockpit befindet. Der Schlaf wird gestört von den Aktivitäten in der Küche der 1. Klasse (dauert in der Regel so 2 bis 2.5 Stunden), den Turbulenzen auf dem Südatlantik (hat es immer) und dem Betätigen der Cockpittüre. Als David geweckt wurde, war er mit grösster Wahrscheinlichkeit im Tiefschlaf. Ich mag mich noch gut an diese Übergaben erinnern. Man erhebt sich wie in Trance aus dem Crewbunk, macht sich einen Kaffee und setzt sich auf den Kapitänsstuhl. Ich war eine Viertelstunde weder ansprechbar noch einsatzfähig. Diese Viertelstunde ist David nicht geblieben, da war er schon tot. Pierre-Cédric sass auf dem Kopilotensitz, den er schon ungefähr vier Stunden anwärmte. Auch an diesen Zustand kann ich mich noch gut erinnern. Die Augen werden schwerer und schwerer und man weiss, dass man dem Kollegen noch ein paar Minuten geben muss, bevor man ein kurzes Nickerchen machen kann. Es ist Morgen um zwei Uhr und es ist langweilig. Das Licht ist zu schlecht um etwas zu lesen, das Wetter zu mies um anderes zu erledigen.
Aus fachlicher Sicht dünken mich die Reaktionen und die gezeigten Schwächen der beiden Kollegen unverständlich. Doch wenn ich mich an meinen Fitnesszustand erinnere, den ich jeweils zu dieser Uhrzeit an dieser Stelle hatte (ich bin ein Tag später am Absturzort vorbeigeflogen), dann verstummt meine Kritik augenblicklich.

Liebe Leserinnen und Leser, wir Piloten müssen auch im 2012 unsere Verantwortung ernst nehmen und für unsere Arbeitsbedingungen kämpfen. Es kann und darf nicht sein, dass wir aus kommerziellem Druck oder wegen nicht funktionierenden Planungsbedingungen uns und die Passagiere in Gefahr bringen.
Ich wünsche mir ein unfallfreies 2012 und hoffe, dass Politiker, Manager und Verantwortliche endlich auf die Fachkräfte aus der Arbeits- und Schlafmedizin hören.

Neulich habe ich in Rom die Air China gesehen, die für ihren Flug nach Peking ausgecheckt hat. Zwei Copiloten und zwei Kapitäne verliessen das Hotel. Es gibt europäische Airlines, die das mit einem Kapitän und einem Copiloten fliegen…

regalo di Natale, Божићни поклон, cadeau de Noël

Kurz vor Feierabend in Zürich

Der 25. Dezember ist der Tag der Geschenke. Auch ich bekam Geschenke: Einen Vierleger, einen super Service der ATC in Zürich und mehr als 500 Passagiere, die zwischen Hamburg, Zürich und Belgrad pendeln wollten.

Nur wer so alt ist wie ich und soviel Flugstunden auf dem Buckel hat weiss, dass wir FRÜHER am 25. Dezember nie geflogen sind. Schade, dass man solche besatzungsfreundlichen Traditionen einfach aufgab. Doch wäre ich gestern nicht geflogen, hätte ich die unerwarteten Geschenke nicht erhalten und mir wäre einiges durch die Lappen gegangen.

Das erste Geschenk erhielt ich gleich am Morgen. Um 05:30 Uhr war der Gubrist nicht nur leer, er war verwaist. Nicht ein einziges Auto kroch mit mir durch den Tunnel, der das Limmattal und das Furttal trennt. Es kam mir vor, als wäre der Tunnel geschlossen, als herrsche Fahrverbot. Natürlich hatte dies Folgen für meine Tagesplanung. Ganze zehn Minuten vor der geplanten ON BLOCK Zeit stellte ich – und hier haben wir schon das zweite Geschenk – mein Gefährt auf einem freien Parkplatz im dritten Stockwerk des P6 ab.

Da ich am Vortag zu faul war, meine Uniform am Flughafen zu lassen und mich in Zivil auf die Strasse zu begeben, sparte ich schon wieder fünf Minuten wertvolle Zeit. Ich nahm die Treppe vom Unter- zum Erdgeschoss und stellte mit Freude fest, dass die Engel des Service-Centers einen Korb frische Gipfeli und Kaffee offerierten. Kein Ersatz für den verpassten Weihnachts-Brunch, aber eine nette Geste, die von Herzen kam. Noch nicht sechs Uhr am Morgen und ich wusste schon nicht mehr wohin mit all den Präsenten.

Hundert Passagiere wollten mit uns an diesem speziellen Tag nach Hamburg, unter anderem auch eine Familie mit zwei Buben. Die Buben freuten sich auf das Fliegen und stiegen dementsprechend früh ins Flugzeug ein. Mit grossen Augen näherten sie sich dem brandneuen A320 und mit noch grösseren Augen schauten sie auf den Kapitän, der Dimensionen des Samichlaus hatte. Ich begrüsste die jungen Gäste und erkundigte mich, ob sie mit der Bescherung zufrieden seinen. Ein taktischer Fehler, wie sich Sekundenbruchteile später herausstellte. 98 Passagiere mussten sich fünf Minuten gedulden, bis die Beiden von ihrer Eisenbahn, dem Fotoapparat, der Rennbahn, der Playstation, den ferngesteuerten Autos, des Modellbaukastens, den Lego-Steinen, den Nastüchern, der Bücher, der kleinen und grossen Geldbeträge und anderen sinnvollen und -losen Geschenken erzählten. Doch das kann man verkraften am 25. Dezember. Ich habe die Verspätung von fünf Minuten auf meine Kappe abgebucht.

Das Enteisen verlief alkoholisch flüssig wie immer, der Abflug auch und der Anflug sowieso. Pünktlich landeten wir in Hamburg bei weihnachtlichem Wetter (das heisst an der Hansestadt Nieselregen und starker Wind…). Jetzt warteten 150 Seelen auf uns, die gegen Süden wollten. Wie ich später erfahren habe, zog es die meisten in die verschneiten Berge zum Skilaufen. Kein schlechter Entscheid bei diesem Wetter und diesen Schneeverhältnissen. So auch eine Mutter mit ihren vier Kindern im Alter zwischen 8 und NULL.
Preboarding heisst das im Fachjargon, wenn man Bedürftige und Alleinerziehende zuerst aufs Flugzeug lässt, damit die sich ungestört einrichten können. So geschah das auch mit dieser jungen Mutter. Nur war die aus verständlichen Gründen derart langsam (ein Kind wollte zurück, das andere rannte voraus, das Dritte weinte und das vierte machte sich vor Freude oder Angst in die Windeln), dass sie die anderen Passagiere trotz Zeitvorsprung einholten. Sie traf zwar als Erste ein, doch die restlichen Gäste machten hinter ihrem Rücken schon heftig Druck. Gestresst und genervt nahm sie das Kind mit dem Alter NULL, rannte zu mir herüber, sagte kurz: "Halten sie mal!?!", und versuchte ihre drei anderen wieder einzufangen.
So stand der Kapitän mit einem (zufriedenen!) Baby auf dem Arm, das leicht nach Herrentoilette roch, und begrüsste die einsteigenden Passagiere, die leicht irritiert (Männer) und extrem erfreut (Frauen) den Kapitän mit dem ungewohnten Uniformaccessoire begutachteten. Ich muss sagen, das sollte ich öfters machen. Die weiblichen Begrüssungen sind sind von ganz anderer Intensität und Wärme…

Wir brachten die 150 Leute zu früh nach Zürich, genossen einen Kaffee im Terminal B und freuten uns auf 202 Gäste nach Belgrad.
Das Freuen ist erst gemeint, Passagiere in den Balkan gehören in der Tat zum angenehmsten was es gibt. Geschenke gab es auf diesem Flug keine mehr. Die Serben feiern nach dem julianischen Kalender, haben also noch ein paar Tage Zeit, um dem Herrn Kapitän Geschenke zu machen. Am 1.1.12 darf ich das auf dem Flug nach Moskau und zurück mit den "Julianern" nachholen. Dann bin ich wieder um 05:00 Uhr im Gubrist. Ob es an diesem Neujahrsmorgen um diese Zeit von den besoffenen Autofahrern Geschenke gibt? Ich hoffe doch schwer!


Samstag, Dezember 24, 2011

ein etwas anderer 24. Dezember

 Morgenstund hat…

 Noch zu dunkel für Zeitungslektüre…

 aaaaaahhhhh…

 oooooooohhhhh…

 Valencia am Morgen…

die Altstadt…

 Marseille…

 Schnee & Stein…

 Swiss 8 to ORD (der ist immer noch in der Luft)…

 Occassion…

 ein knackiger Hintern. In ZRH wurde auf der 28 angeflogen 
und auf der 28, 32 & 34 gestartet. Grossartige
Leistung der Kollegen im Turm, DEP & ARR!

 Ziiiiiiiiiiiiieieeeeeeeeeeehhhhhhh!

 Venedig mit garstigem Wetter

 Tja, ob es wohl Espresso auf dem Marktplatz gibt?

Die dritte Landung an diesem Tag…

Freitag, Dezember 23, 2011

Relax and hold

Also ATC-Controller haben schon Nerven. Es wissen doch alle, dass es auf der Kurzstrecke um Minuten, wenn nicht Sekunden geht!
Da kommt man aus Skandinavien kommend mit 330 Knoten angedüst und hat 150 Passagiere geladen, die auf die Langstrecke wollen und da sagt die Frau Controllerin locker:

Relax and hold 
(oder hiess das Rilax and hold?)

Hat die Frau Nerven!
Auf Flightlevel 140 ging es einmal, zweimal und dreimal herum, und ich soll rilaxen (oder hiess das relaxen)?
Das Eis bildete sich zentimeterdick auf der Scheibe und das Flug wurde schwerer und schwerer. Abgasluft wärmte die Flügel und auch die Motoren.

Der Copi schien dies nicht zu beunruhigen und war D 5.4 der ILS noch auf FL147 mit 220 Knoten. 

Etwas freundlicher war das Wetter heute Freitag über den Alpen. Der Controller eher nicht:


Trottel hold!
(oder hiess das Gipol and hold?)




Anyway, morgen kann ich wieder üben. Haltet mich fern von diesen Warteräumen, 

ICH BIN RILAXT GENUG!


Donnerstag, Dezember 22, 2011

Das italienische Paradoxon

Fiumicino 14:45 Uhr, die Crew trifft im Hotel ein. Alle sind wir müde, alle sind wir um 4 Uhr oder so aufgestanden. Das Wetter ist schön, der Wind stark. Irgendwann muss etwas gegessen werden, doch wo und wann?

Unsere südlichen Nachbarn essen erst spät. Spät heisst, so gegen 20 Uhr. Unsereins, fünf Crewmitglieder zum Hang zu senilen Bettflucht, möchten früher speisen. Denn Morgen läutet der Wecker wieder um 04:25 Uhr, denn Morgen möchten unzählige Passagiere mit viel Handgepäck (Weihnachtsgeschenke) gegen Norden fliegen. Eine fast unlösbare Aufgabe.

Um dies zu lösen, braucht es einen Helden, einen Supermario. Zum Glück gibt es eine gleichnamige Bar, wo Mario den Kaffee zubereitet, der seinesgleichen sucht. Assistiert von der charmanten Valentina, eine fast unschlagbare Kombination.
Wir haben uns mit der Crew um 6 Uhr verabredet, ohne nur eine Idee zu haben, wo wir speisen sollen.

Doch was machen wir uns Sorgen, was um 6 Uhr ist, wenn draussen die Sonne scheint und Supermario einen so guten Espresso serviert!?!

Es ist bald Weihnachten und Mario spendiert einen Grappa. Er mag A320 Comandantes und schwärmt von den Alitalia-Kollegen, die hie und da in seiner Bar einen Espresso geniessen. Mario stellt uns Christoph vor der – ach oh Wunder – eine Fischrestaurant im Hafen führt. Wann er denn das Ristorante öffne?, erkundigen wir uns scheu. Nicht vor 20 Uhr!, seine kurze Antwort. Einen Grappa später ist er bereits bei 19:30 Uhr und nach einem weiteren drücken wir ihn auf 19 Uhr. Gebucht für fünf Personen.

Christoph verspricht uns ein unvergessliches Mahl und Supermario verkauft uns zwei Panettone für unter den Weihnachtsbaum bzw. an den Weihnachtsbauch.

Gebucht für cinque persone! So läuft das in Italien :-)



Montag, Dezember 19, 2011

Vierleger

Epilog

Lange ist es her, seit der Flug «Screw 69» mit Kapitän Gonfler und Copilot JoBo nach New York abhob. JoBo ist in der Zwischenzeit zum Jungkapitän auf den kleinen Airbussen aufgestiegen und Kapitän Gonfler trat dreimal seinen vermeidlichen Letztflug an. Gonfler kam wegen Pilotenmangels, hohem Dollar-Kurs, tiefem Dollar-Kurs, Vulkanaktivitäten und anderen Störfaktoren in der christlichen Luftfahrt, immer wieder zu seinem gehassten Arbeitgeber zurück und fliegt zur Zeit bis zum staatlich erlaubten Maximalalter von 85 Jahren die Vierstrahler über den Atlantik. Sein jüngster Spross, gezeugt auf der legendären Rotation nach New York, krabbelt im Moment in der Spielgruppe «Schmetterling» im Kreis herum und wird bei der Pensionierung von Kapitän Gonfler im Idealfall die Matura absolviert haben. Da ist man auf einen kleinen Zustupf angewiesen, zumal die Gattinnen eins und zwei zünftig Alimente und Unterstützungen einfordern. Doch lassen wir die Vergangenheit ruhen, blicken wir in die Gegenwart und begleiten Jungkapitän JoBo auf einer seiner zahlreichen Rotationen. Es ist der vierte Tag von deren sechs in diesem Arbeitsblock. Abflug 06:50 Uhr nach Pristina, danach noch einen Hüpfer nach Nizza. Feierabend – vorausgesetzt es läuft alles wie geplant – ist um 16:00 Uhr. Fasten your seatbelts!


Wake up call
Ausgerechnet Louis Armstrong und ausgerechnet dieser Song! Den Musikredaktor des staatlichen Programms Nummer 1 sollte man fristlos entlassen. «What a wonderful world» und das um 04:15 Uhr. JoBo schälte sich aus dem Duvet und lief schlaftrunken zur Toilette. Eine Laune der Natur sorgte dafür, dass er nicht wusste, wie er sich erleichtern sollte. Sitzend ging mühsam, stehend schon gar nicht. Sein kleiner Freund schien der einzige zu sein, der um diese Zeit voll im Saft war. Mit etwas Morgengymnastik wurde auch dieses Problem umschifft und zwar im wahrsten Sinne des Wortes.
Eine kurze Dusche, ein noch kürzeres Frühstück und einen dreifachen Espresso. Nach dieser Morgenzeremonie war das Blut wieder da, wo es sein sollte. JoBo verliess seine Wohnung um Punkt 05:00 Uhr. Am staatlichen Radio mit der Nummer 1 liefen die Frühnachrichten. Die News waren gar nicht so neu. In Frankreich wurde der Staatspräsident Vater, in Italien bestritt der ehemalige Staatspräsident, dass er Vater wurde und in der Schweiz möchte ein Vater aus Herrliberg, dass alle Schweizer seine Partei wählen und seine Zeitung lesen, die ihm offiziell gar nicht gehört. JoBo legte seinen Pilotenkoffer auf den Rücksitz, startete seinen günstig geleasten Audi Q3 und bog Minuten später auf die Nordumfahrung ein. Es war 05:12 Uhr und der erste Stau an diesem noch jungen Tag am Gubrist war verhältnismässig kurz. Er lag gut in der Zeit.

Kevin, so hiessen neuerdings alle jungen Kopiloten, war schon drei Monate ausgecheckt und fühlte sich sehr sicher auf der A320. Er wohnte in einer WG in Glattbrugg zusammen mit drei Kopiloten und einem Flight-Attendant. Etwas eng war es schon, in der 6-Zimmerwohnung aus den 50er-Jahren, aber erstens waren selten alle zusammen zu Hause, zweitens konnte so eine Stange Geld gespart werden und drittens ging immer irgendeine Party ab. Um 05:50 Uhr sollte er am Flughafen sein. Den Wecker stellte er auf 05:20 Uhr. Das reichte locker. Ein Frühstück brauchte sein Magen um diese Zeit nicht, rasiert hatte er sich bereits am Vorabend, die Uniform lag auf einem Berg ungewaschener Wäsche griffbereit und das Badezimmer war um diese Zeit selten bis nie besetzt. Als JoBo den Gubrist hinter sich liess, träumte Kevin von Sachen, die eben diese gemeinen Unzulänglichkeiten zur Folge haben, die einem Mann den Toilettengang zur fast unlösbaren Aufgabe machen. Doch das war Zukunftsmusik, der Wecker klingelte erst vier Minuten später.

Jennifer, so hiessen neuerdings alle weiblichen Flight-Attendants, hatte Reservedienst. Dieser startete um 5 Uhr am Morgen und Jennifer musste innerhalb einer Stunde am Flughafen sein. Da Jennifer auf ein gepflegtes Äusseres Wert legte und nie ohne ihr Müsli das Haus verliess, reichte die Stunde Vorlaufzeit hinten und vorne nicht. Um für alles gewappnet zu sein, stellte Jennifer ihren Wecker auf 04:30 Uhr. Jennifer stammte aus Deutschland – dem ehemaligen Osten, um genau zu sein. Mit der Unterscheidung zwischen Ost und West konnte Jennifer nie viel Anfangen. Sie steckte in der Kinderkrippe, als die Selbstschussanlagen zwischen der DDR und der BRD abgebaut wurden. Ihre Betreuerin sprach fortan von Kita statt von Krippe und das Sandmännchen mit der roten Zipfelmütze wurde durch eine knöcherige Puppe Namens Barbie ausgetauscht. Jennifers Welt blieb auch fortan in Ordnung. Sie legte das Abitur im Martin-Andersen-Nexø-Gymnasium in Dresden mit Note 1,2 ab und studierte Germanistik an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena. Mit dem Masterabschluss in der Tasche suchte sie vergeblich einen Doktorvater. Nach fünf mager bezahlten Praktika in Verlagen und Redaktionen, verabschiedete sie sich von ihrem Traumberuf und heuerte im südlichen Nachbarland als Flugbegleiterin an.
Das Wangenrouge war schon aufgetragen und der Lippenstift am richtigen Ort, als sich die Türe zum Badezimmer öffnete und Kevin mit einer Erektion unter seiner Pyjamahose vor ihr stand. «Na, spielst Du die Schlüsselszene von Thomas Mann’s „Lotte in Weimar“?»
Das Telefon klingelte. «Pristina und danach Nizza. Reporting Time 05:50 Uhr.»

Gian-Andri hatte mit Graubünden nichts am Hut. Er hasste die Berge und er hasste seine Eltern für seinen Taufnamen. Beide Elternteile waren waschechte Zürcher und wohnten nie weiter als zehn Tramminuten vom Hauptbahnhof Zürich entfernt. Aufgewachsen im Kreis 6 in Universitätsnähe, zog es die Eltern nach Auflösung der Drogenszene am Letten in den hippen Kreis 5. Nach der Verkehrsberuhigung der Westtangente kauften Gian-Andris Eltern ein Haus im Kreis 3 und stellten acht Familien mit Migrationshintergrund auf die Strasse. Gian-Andri war in der SP Kreis 3 aktiv und hasste alles berglerische, insbesonders das kleine Dorf Vals, dessen Therme es den Eltern so angetan hatte und weswegen er diesen doofen Vornamen trug. Aus Überzeugung und schlechtem Gewissen engagierte er sich ehrenamtlich in der Ausländerintergration. Also engagieren ist vielleicht übertrieben, er führte die Buchhaltung der sozialen Organisation. Genau genommen führte nicht er die Buchhaltung, sondern sein Vater, der ein Treuhandbüro an bester Lage besass. Gian-Andri bewohnte die Mansardenwohnung im elterlichen Haus. Exakt die Wohnung, in der vor Jahresfrist die Familie Kastrioti mit ihren zwei Kindern hauste.
Gian-Andri knüpfte das frischgestärkte Uniformhemd zu, prüfte die Krawatte und brachte die Rangabzeichen an, die ihn als Maître de Cabine auszeichneten. Gut gelaunt nahm er den neu eingebauten Lift in die Tiefgarage, bestieg den Audi Q7 und düste etwas zu schnell Richtung Flughafen los. Eine Radarmessanlage auf der Hardbrücke registrierte um 05:11 Uhr einen schwarzen Geländewagen der Marke Audi mit übersetzter Geschwindigkeit. Das gestochen scharfe Bild wurde unverzüglich über die Glasfaserleitung des EKZ an das Statthalteramt Zürich übermittelt, wo ein modernes Gerät die Bussenbescheinigung ausdruckte, verpackte, frankierte und in den Postausgang legte. Am nächsten Tag würde Gian-Andris Vater das Couvert öffnen, die Busse von 480 Franken inklusive Bearbeitungsgebühr als verkraftbar taxieren und den Einzahlungsschein an seine Sekretärin übergeben. Diese wird den Lehrbuben Jetmir Kastrioti anweisen, den Betrag zehn Tage nach der gesetzlichen Frist zu überweisen. Staatliche Rechnungen bezahlte man prinzipiell nie fristgerecht!

Sara ohne h war enttäuscht, sie verstand ihren Arbeitgeber nicht. Sie, die erst neulich den Kurs für Langstreckeneinsätze hinter sich brachte, wurde für einen Kurzstreckenflug aufgeboten. Ach was hiess hier für einen Kurzstreckenflug, es waren deren vier! Was für eine Vergeudung von Arbeitskraft! Sara ohne h war jetzt ein Langstrecken-Flight-Attendant mit bereits 11 Monaten Berufserfahrung. Sollen doch die Jungen dieses Sackhüpfen mitmachen. Sara ohne h war für Höheres berufen, mindestens Langstrecken-Business-Class, wenn nicht First.
Widerwillig stellte sie am Vorabend den Wecker auf 05:00 Uhr ein. Für Kurzstreckeneinsätze muss man sich schliesslich nicht so ins Zeug legen. Sara ohne h, Jahrgang 1990, würde an diesem Tag noch eines Besseren belehrt.

Check-In
Kurz vor halb sechs öffnete sich die Schranke zum Parkhaus P6. JoBo wollte gerade losfahren, als ihm ein grosser schwarzer Q7 den Weg abschnitt. «Was für ein alter Idiot!», dachte JoBo im Stillen und folgte dem grossen Bruder mit seinem Q3 in den 3. Stock. Der dicke, fette Q7 parkierte elegant in der ersten Parklücke und JoBo bog einmal nach rechts. Hier hatte es keinen freien Platz, und das um 05:30 Uhr. Er versuchte es im 4., dann im 8. (Stockwerk 5 bis 7 waren wegen Bauarbeiten gesperrt). Auch die 8 erwies sich als Fehler, so probierte er es im 9. und später im 10.. In diesem Moment meldete sein Handy eine eingehende SMS. «Wer wohl um diese Zeit eine Kurznachricht schreibt?», dachte JoBo und griff nach dem neusten Android-Handy, für dessen Einrichtung er sich extra eine Woche unbezahlten Urlaub nahm. «Parking overflow at ZRH Airport, employees should park at P40, thank you for your understanding and have a nice day.» «Have a nice day – Arschlöcher!» JoBo machte eine saubere Analyse nach dem SPORDEC Muster, das er in der Ausbildung zum Flugkapitän gelernt hatte:

S für situation catch:
Da wo ich jetzt bin hat es keinen Platz.
P für prelimery action:
Kein Platz also raus!
O für options:
Option 1, ins P40; Option 2 Krank melden.
R für rating:
Option 2 gibt Ärger und viel Verspätung; Option 1 gibt im Idealfall, falls der Copi schon alles bereit hat, keine Verspätung und keinen Ärger. Also Option 1.
D für decision:
Ich, hochwohllöblicher Flugkapitän entscheide, dass ich jetzt ins P40 fahre, obwohl ich nicht weiss, wo das P40 ist…
E für execution:
VOLLGAS!
C für controlling:
Mache ich später

Mit Vollgas pilotierte JoBo seinen Q3 im Rondell nach unten. Die zwei elektrohydraulisch betätigten Lamellenkupplungen schwappten im Ölbad hin und her, die elektromechanische Lenkung mit geschwindigkeitsabhängiger Servounterstützung war am Anschlag und die Zweikreisbremsanlage mit diagonaler Aufteilung, ESP, hydraulischem Bremsassistenten, Scheibenbremse vorn innenbelüftet, hinten massiv, sorgten dafür, dass der Spengler in der Audi-Vertretung keine zusätzliche Arbeit hatte. (Anmerkung: so ein Quatsch steht tatsächlich im Audi-Prospekt…) Im 3. Stockwerk wollte ein Wagen in das Rondell einbiegen, bremste aber glücklicherweise rechtzeitig. JoBo verliess das P6 um 05:42 Uhr. Es folgten ihm zehn Wagen der Bewachungsfirma «Security Help Intervention Trust», kurz SHIT. Im 3. Stock wären jetzt zehn Parkplätze frei. Ein automatisch generiertes SMS informierte die Angestellten umgehend über die freien Kapazitäten. JoBo hatte keine Zeit die eingehende Kurzmeldung zu lesen. Er düste um den Flughafen herum auf der Suche nach dem P40. Nach der dritten Umrundung des gesamten Areals bemerkte er das FREI-Zeichen im P6, nahm die Auffahrt dank ESP unfallfrei und um 05:56 Uhr öffnete sich die Barriere zum zweiten Mal an diesem Morgen für den gestressten Jungkapitän. Plötzlich klingelte sein Android-Ding. Am Draht war eine freundliche Dame der Crew Disposition. «Verschlafen Herr Bohnenblust?» «Nein, VERPARKIERT!», die etwas gereizte Antwort, «ich bin in fünf Minuten im Briefing.»

Kevin bereitete alle Papiere vor, informierte die Crew Disposition wegen des fehlenden Kapitäns, bestellte eine Treibstoffmenge, die ihm mit seiner Erfahrung als völlig ausreichend dünkte und begrüsste die Kabinencrew im Namen des Kapitäns. Einmal der Chef sein, Vierstreifer spielen und die Direktiven durchzugeben, von dem träumte Kevin schon lange. Als er das Briefing mit den Worten «ich lege Wert auf eine gute Kommunikation, die Cockpittüre ist für Euch immer offen …» begann, brach schallendes Gelächter aus. Dieser ewig gleiche Spruch, schon tausend Mal gehört, selten Ernst gemeint und ausgelatscht wie der Teppich im «Park-Inn» in Heathrow. Und der Kleine kopierte das! Herrlich!
Jennifer konnte ihre Schnauze nicht halten. Die Crew wurde über die morgendliche Badezimmerbegegnung ausführlich ins Bild gesetzt. Kevins Autorität schmelzte wie der Schnee an der Sonne. Als die dummen Sprüche nicht enden wollten, verliess der junge Kopilot den Briefingraum gereizt und wurde sogleich von der Planungsstelle ausgerufen. Der Kapitän käme direkt auf das Flugzeug, wurde ihm mitgeteilt, er solle doch schon alles vorbereiten.

Während dessen nahm das Briefing der Kabinencrew seinen Lauf. Aufgaben wurden verteilt und mit mehr oder weniger Murren angenommen. Sara ohne h betonte mehrmals, dass sie eigentlich eine Langstrecken-Hostess sei, bereits 11 Monate Erfahrung hätte und die Airline dankbar sein könne, dass sie ihre unglaublichen Fähigkeiten ausnahmsweise der Kurzstreckenflotte zur Verfügung stelle. Gian-Andri und Jennifer verdrehten die Augen und teilten den weiblichen Jungspund mit ihrem grossem Selbstvertrauen in der hinteren Küche ein, wo sie den ganzen Tag alleine wirken und sich bemitleiden konnte. Es wurde Zeit, der Bus zum Flugzeug musste in drei Minuten bestiegen werden. Vorbei an der langen Warteschlange vor dem Kaffeeautomaten in den Lift, ein Stockwerk nach unten, sich durchleuchten lassen und ab in die Dunkelheit.



Preflight Duty
Die letzte Frachttüre wurde geschlossen und es fehlten noch zehn Passagiere plus der Herr Flugkapitän. Kevin war cool, wie es sich für einen Kopiloten gehörte. Er bereitete das Flugzeug vor, überprüfte die von ihm bestellte Treibstoffmenge (Minimum plus 15 Minuten Wartezeit) und flirtete mit der Koordinatorin in ihrer leuchtgelben Weste. In der Zwischenzeit spurtete der Kapitän schweissgebadet die Fahrgastbrücke hoch und fand sich inmitten der anstehenden Passagiere wieder. «He Mann, häsch verpennt?», fragte ihn ein kräftiger Passagier auf dem Weg in seine Heimat. «Wenn es Nebel hat heute, voll Risiko Mann!», grölte ein anderer, der offensichtlich nicht zum ersten Mal nach Pristina flog. JoBo mochte die Passagiere in den Kosovo. Herzlich sind sie, unkompliziert und gewohnt, mit Unvorhergesehenem umzugehen. Der Jungkapitän stürzte ins Cockpit, begrüsste Kevin und küsste Jennifer links und rechts auf die Wange. Der Maître war in der Kabine beschäftigt und versuchte in Pappkartons verpackte Weihnachtsgeschenke zu verstauen. Ihn konnte er später noch begrüssen, jetzt hatte die Arbeit Priorität. JoBo traf fast der Schlag, als er die Wettervorhersagen konsultierte und danach die bestellte Treibstoffmenge des Kopiloten sah.
«Sag mal spinnst du Kevin? Mindestens drei Tonnen mehr müssten in die Tanks. In Pristina hat es Nebel!»
«Easy Mann, ich war schon einmal da und es läuft im Fall super da! Übrigens haben wir eine Startzeit zugewiesen bekommen. In 8 Minuten müssen wir in der Luft sein.»
JoBo machte sein zweites SPORDEC an diesem Morgen.

Der Flug
Sieben Minuten später heulten die Triebwerke auf und Sara ohne h hielt sich ängstlich an ihrem Sitz fest. Ganz alleine sass sie in diesem für sie viel zu kleinen A319 in der hintersten Küche und wusste noch nicht einmal, wer der Herr über das Flugzeug war – wer heute als Kapitän agierte. Einer der verschlafen hat, bestimmte jetzt über ihr Leben. Das Flugzeug neigte sich leicht nach links und es folgte sogleich eine Gegenbewegung nach rechts. Das Flugzeughinterteil schwankte nach auf und ab. Es schüttelte und rüttelte, es knirschte und klopfte. Sara ohne h erbrach über dem Limmattal ihr Frühstück in eine Papiertüte und verschwand sogleich in der hinteren Toilette. Die ersten Passagiere drückten auf den Klingelknopf und Gian-Andri versuchte die junge Hostess über das interne Telefon zu erreichen. Sara ohne h sass derweilen auf der hoffentlich desinfizierten Toilette und heulte sich die Mascara von den Wimpern.

Auf Sitz 17A sass Herr Kastrioti, daneben seine Frau. Herr Kastrioti war seiner Umgebung und seinem Arbeitgeber als umgänglich und stets freundlich bekannt. Herr Kastrioti erhielt im Februar letzten Jahres den Schweizerpass, seine Tochter Kaltrina besuchte das mathematisch-naturwissenschaftliche Gymnasium in der Enge und der Sohn Jetmir machte eine kaufmännische Lehre in einem Treuhandbüro. Herr Kastrioti war nicht nachtragend, aber er schwor sich, dem Maître de Cabine diesen Flug zur Hölle zu machen. Schliesslich bewohnte dieses Muttersöhnchen ausgerechnet jene Wohnung, aus der Familie Kastrioti vor nicht langer Zeit buchstäblich hinausgeworfen wurde. Herr Kastrioti klingelte ein erstes Mal Sturm.

Jennifer verwöhnte die Gäste in ihrer gewohnt erfrischenden Art. Auch sie mochte die Flüge in den Kosovo. Wenn die Gäste nur immer so unkompliziert und nett wären wie die Kosovaren! Auf Sitz 3A erkannte sie ein bekanntes Gesicht, wusste aber nicht wo sie es unterbringen sollte. Nach dem zweiten Kaffeeservice dann die Erlösung. Es war Beqë Cufaj, ein bekannter Schriftsteller, der in Stuttgart lebte. Über seinen Roman «Der Glanz der Fremde» hatte sie noch 2006 eine Semesterarbeit geschrieben. Eine interessante Diskussion über Literatur sollte den Rest des Flugs für Jennifer verkürzen. Die Arbeit litt etwas darunter, aber Gian-Andri konnte ja den Verkauf erledigen.

Herr Kastrioti liess sich zweimal Kaffee nachschenken und stupste Gian-Andri jedes Mal so hinterhältig an, dass ein kleiner Rest des Kaffees auf dem ehemals weissen und gestärkten Hemd landete. Frau Kastrioti verlor keine Silbe darüber, ärgerte sich aber masslos über ihren Gatten. Sie war es, die nach den Ferien die Flecken auf dem Hemd auswaschen musste. Gian-Andri wusste das nicht, Herr Kastrioti auch nicht, aber Frau Kastrioti war die gute Fee, die Gian-Andri in seiner Abwesenheit und auf Geheiss seiner Eltern die Wohnung in Schuss hielt und die Wäsche bügelte.
Mit kleinen Gemeinheiten hielt Herr Kastrioti Gian-Andri auf Trab, das Gemeinste hatte er sich aber für den Schluss aufgehoben. Gut 20 Minuten vor der Landung schob Gian-Andri den Wagen mit den Duty-Free Artikeln durch den schmalen Gang. In der Reihe 17 angekommen, hob Herr Kastrioti lässig seine Hand. Seine Frau hätte Geburtstag und er möchte ihr ein Foulard aus edler Manufaktur kaufen. Ob er denn das Geld für das 400 Schweizerfranken teure Geschenk auch hätte?, erkundigte sich Gian-Andri von oben herab. Das sei kein Problem, erwiderte Herr Kastrioti, und liess sich das erste der acht Foulards zeigen. So ging das weiter und der Boden kam bedrohlich näher. Sechs der acht Foulards waren ausgepackt und lagen unordentlich über dem Verkaufswagen verteilt. Er hätte sich umentschieden, meinte Herr Kastrioti weltmännisch und verzichtete auf einen Kauf. Gian-Andri trampelte fluchend in die hintere Küche und versuchte mit ungeschickter Hand, die teuren Seidefoulards wieder in die widerspenstigen Verpackungen zu bringen. Ausser Spesen nichts gewesen und nur noch zehn Minuten bis zur Landung!

Derweil dampfte es im Cockpit. JoBo beugte sich über die neusten Wettermeldungen und versuchte eine legale Variante zu finden, damit sie nach Pristina weiterfliegen konnten. Nur 300 Meter Sicht herrschen, Flug «Screw 45PX» bräuchte deren 350. Der Ausweichplatz Skopje war knapp offen, zeigte aber eine Tendenz zur Verschlechterung. Da half nur noch SPORDEC! Zum dritten mal an diesem noch jungen Morgen! Er grübelte, studierte, plante um, bestellte Wetter und fluchte leise vor sich hin. Warum nur hat er sich in eine solche Situation drängen lassen? In der Zwischenzeit kam Pristina näher und Kevin der Kopilot ergriff das Wort. «Ich bin letzthin mit einem grossen, dicken Kapitän geflogen. Der ruft vor der Landung mit dem Satellitentelefon jeweils den Tower an und erkundigt sich aus erster Hand über die neuste Wettersituation. Unkonventionell, aber genial und legal!»
Der Kapitän liess sich überreden und tätigte den Anruf. Gut gelaunt berichtete der Herr im Tower von viel besseren Sichtwerten und entschuldigte sich für die unzuverlässige Wettermeldung an anderer Stelle.

Fünfzehn Minuten später landete Flug 45PX auf der Piste 17 in Pristina. Sara ohne h kotzte die zweite Tüte voll, Gian-Andri versuchte auf dem Notsitz die Foulards zu falten, Jennifer entschloss sich ihre Dissertation in der Schweiz zu schreiben, Herr Kastrioti lachte sich ins Fäustchen, JoBo wischte sich den Schweiss von der Stirn und Kevin verkündete laut und vielleicht etwas unüberlegt: «Siehst du JoBo, alles voll easy hier in Pristina!»

Das erste von vier Teilstücken war geschafft!

Am Boden in Pristina
Die charmante Dame, in den Farben der k.u.k. Fluggesellschaft, näherte sich JoBo’s Fluggerät und dirigierte die Bodencrew so geschickt herum, dass die unproduktive Zeit auf kosovarischem Grund auf ein Minimum reduziert wurde. JoBo teilte die gewünschte Treibstoffmenge mit, testete den Treibstoff zusammen mit dem Tanker auf Wasserrückstände, gab das OK für das Passagierboarding und verteilte da und dort Schokolade. Kleine Geschenke halfen auch im Kosovo die Prozesse etwas zu beschleunigen.
Die charmante Dame in den Farben der k.u.k. Fluggesellschaft informierte den Kapitän über die Passagierzahlen und beklagte sich über die miserable Startzeit, die Brüssel dem Rückflug zugewiesen hatte. Gleichzeitig blinzelte sie mit dem rechten Auge und verkündete mit Schalk, dass diese Slots hier im Kosovo nichts bedeuteten. JoBo durfte starten, sobald er bereit war. Brüssel hin oder her.

Während JoBo die Fäden in der Hand hielt, las Kevin das nationale Boulevardblatt. Las ist übertrieben, er betrachtete die farbigen Bilder, wobei er nicht über die Seite 1 hinaus kam. Rechts unten lächelte eine Sarah mit h aus Bolterdingen BE nackt in die Kamera, verdeckte die Brustwarzen ungeschickt mit den Armen und gestand, dass sie von einem Schwinger mit dicken Oberarmen träume.

Jennifer brachte nichts aus der Ruhe. Sie wärmte sich ein Essen auf, das so aussah, so schmeckte und so verpackt war wie Katzennahrung. Gian-Andri breitete total 2400 Franken bemalte Seide auf dem schmutzigen Boden aus und versuchte diese entsetzlichen Dinger zurück in die Verpackung zu bringen. Foulards sind wie Zahnpaste, einmal draussen bringt man sie nicht wieder rein!

Sara ohne h zog sich in der hinteren Toilette die Wimpern nach und legte ein paar Kotzsäcke neben ihrem Sitz zurecht. In ein paar Minuten würde die erste Langstreckenwelle Zürich verlassen. New York, Delhi, Afrika – wie im Gottes Namen konnte die Airline nur auf ihre Dienste verzichten?

Die charmante Dame in den Farben der k.u.k. Fluggesellschaft klopfte an die Cockpittüre.
Ready?

Ready!

138 Erwachsene und 25 Babys stürmten das Flugzeug und brachten allerlei Mitbringsel mit, die irgendwie und irgendwo Platz fanden. Türen zu, Motoren starten und Anweisungen von Brüssel missachten. Los geht’s!

Über dem Allgäu
JoBo musste mal. Er stand auf, übergab Kevin die Kontrolle über das Flugzeug und verabschiedete sich aus dem Cockpit. Die Toilette war gerade besetzt und dies bot Gelegenheit für einen kurzen Schwatz mit Jennifer. JoBo erfuhr alles über ihr Leben. Das Studium war ein Thema, die WG auch. JoBo erfuhr über die Vorzüge Deutscher Männer und über sexuelle Belästigungen in der WG um 05:20 Uhr am Morgen. Er durfte sich Jennifers Meinungen über Schweizer anhören, kam aber nicht zu Wort um sich allenfalls zu verteidigen. Dass Max Frisch in der Deutschen Literatur völlig überbewertet wurde, vernahm er ebenso, wie Horrorgeschichten über die Deutschfeindlichkeit der Schweizer, insbesonders die der Kapitäne dieser Airline. JoBo musste pissen, konnte aber nicht. Die Toilette war besetzt, eines der Babys musste gewickelt werden und das brauchte schliesslich seine Zeit. Derweil schnatterte Jennifer wacker weiter. Themen wie Eurokrise und die Ehe von Boris Becker kamen ebenso zu Sprache, wie ein Käsebrett, das eine Kollegin einer anderen Airline zu Weihnachten geschenkt bekam. Dass eine Prominente, dessen Namen JoBo nicht kannte, sich die Brüste machen liess, interessierte Jennifer mehr als die überstrapazierte Blase des Herrn Flugkapitän.
«Ratsch», die Toilettentüre ging auf. JoBo drehte sich um und hörte ein weiteres «Ratsch». Das nächste Baby! Besetzt – occuppy – Scheisse! Noch 15 Minuten bis zur Landung. SPORDEC!  Ein kurzes Telefonat zu Sara ohne h brachte Klärung. Auch auf den hinteren Toiletten wurden Babys gewickelt. JoBo überlegte sich ernsthaft eine Ansage zu machen und zu informieren, dass Schweizer Beamte keinen Zoll auf kosovarische Baby-Kacke erheben. Er unterliess es. Noch zehn Minuten bis zur Landung. Natürlich dachte der Kevin nicht daran, Passagiere und Crew zu informieren, dass die Räder in Bälde Schweizer Boden berühren würden. Noch acht Minuten bis zur Landung. Kosovarische Babys schienen sensible Hintern zu haben.

Landung!
JoBo musste zurück ins Cockpit. Pisse hin oder her. Kurz ein Briefing zum Anflug, eine hurtige Information der Gäste und eine unmissverständliche Anweisung an den Kopiloten, um Himmelsgottswillen weich zu landen.
Mit zunehmender Blasenfüllung hatte sich JoBo’s Blasenentleermuskel den veränderten Druckverhältnissen angepasst. Als der Blasenentleermuskel an der Kapazitätsgrenze angelangt war, kam es zu einem steilen Druckanstieg im Blaseninnern und über die Dehnungsrezeptoren in der Blasenwand zur Auslösung des Miktionsreflexes. Kurz: JoBo pisste «Outer Marker inbound» in die frisch gebügelten Uniformhosen.
Kevin landete butterweich, was das Unglück auch nicht mehr rückgängig machen konnte. Noch vor der Kreuzung mit der Piste 28 goss sich JoBo absichtlich einen halben Becher kalten Kaffee in den Schritt. Damit hatte er eine Erklärung für die nassen Hosen, konnte ohne Verdacht zu erwecken ein Reinigungsteam bestellen und der starke Kaffeegeschmack sorgte dafür, dass es nicht nach dem roch, was tatsächlich auf der Uniformhose und im Kapitänsstuhl deponiert wurde.

Das zweite von vier Teilstücken war geschafft!

Im Operation Center
JoBo hatte es aus verständlichen Gründen eilig ins Operation Center, kurz OPS, zu kommen. Seine Hosen waren nass, rochen wie ein Altersheim am Morgen und fühlten sich an wie der Duschvorhang im Hotel in Genf, der stets an der Haut klebt, wenn man das Nass über seinen Körper laufen liess. Duschen, das wäre die Lösung! JoBo hatte noch ein zweites paar Hosen im Schrank, Mit frischem Hemd, frischer Hose und ausnahmsweise ohne Unterwäsche, würde er sich wieder wie ein Mensch fühlen.
Man verabredete sich dreissig Minuten später nach der Sicherheitskontrolle «Schengen». Der nächste Flug nach Nizza verliess Zürich erst in gut einer Stunde.

Sara ohne h setzte sich an den ersten freien Computer, bediente mit der linken Hand ihr Handy und loggte mit der rechten bei Facebook ein. Auf dem Handy hatte es 36 neue «WhatsUp» Nachrichten und im Facebook 64 neue Statusmeldungen. Das alles war schnell beantwortet. Was sollte sie bloss mit dem Rest der halben Stunde anstellen?

Gian-Andri druckte die neusten Informationen zum Flug nach Nizza aus und schrieb einen Rapport zum Thema unordentlich gefaltete Foulards.

Jennifer traf im OPS auf einen Kollegen aus Deutschland und verzog sich mit einem Latte-Macchiato in eine Ecke.

Kevin organisierte die neusten Wetterkarten und plauderte mit einem Kollegen aus der Fliegerschule. Dabei erzählte er unter dem Deckmantel der Geheimhaltung vom Kapitän, der sich beim «Outer Marker» in die Hosen machte und versuchte mit altem Kaffee die Misere zu vertuschen. Sofort wurde diese Neuigkeit getwittert und von einem anderen Kollegen als Blogeintrag verewigt. Dieser Blogger war mit einem anderen Blogger verlinkt und dieser wiederum erschien auf der Sozialmedia Seite der firmeneigenen Homepage. Via RSS-Feed wurde der neue Eintrag an alle Stabsstellen, Aussenposten und an die Führungsetage gesendet. So wusste der Stationsmanager in Nizza noch bevor JoBo eine Stunde später Vollgas gab, dass ein Cockpitsitznässer in Bälde an der Côte landen würde. Was für herrliche Neuigkeiten!

Wieder in der Luft
Mit trockenen Hosen kehrte JoBo’s Selbstwertgefühl wieder zurück und er genoss den ersten Flug seines Lebens ohne Unterwäsche. Mit charmanter Stimme erklärte er den Passagieren jeden Berggipfel, jedes Tal und jede Berghütte. Zugehört hat niemand, ausser vielleicht Sara ohne h, die in der hinteren Küche ihren dritten Sack verstaute und mit Tonic ohne Gin den Mund spülte. Die Destination kam näher und Kevin führte das Flugzeug gekonnt Richtung Nizza.

Gian-Andri versuchte die arroganten Gäste von der Côte zu beruhigen und wünschte ihnen einen schönen Tag, obwohl er sie insgeheim verfluchte. «Letters to the President» und Beschwerdebriefe auf Servietten geschrieben, stapelten sich in der vorderen Küche.

Jennifer erlitt fast das gleiche Schicksal wie JoBo auf dem Pristina Flug. Der Latte drückte auf den Hosenbund und die Blase verlangte nach Erleichterung. Statt wie ein Depp aus Höflichkeit vor verschlossener Tür zu warten und die eigenen Hosen zu nässen, nahm sie ihr Schicksal selber in die Hand und öffnete mir deutscher Gründlichkeit die verriegelte Tür mit Hilfe des firmeneigenen Kugelschreibers. Auf der Toilette sitzend schaute eine verängstigte Dame hinter einer «Paris Match» hervor und leistete der unmissverständlichen Aufforderung, das Klo S O F O R T zu verlassen, widerspruchslos Folge.
«Cabin Crew, landing in ten minutes.» Als diese Nachricht von JoBo verkündet wurde, lass Jennifer bereits wieder das «Gala» auf dem Jumpseat. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben; wer zu spät pisst, der wechselt die Hosen.

Saubere Landung von Kevin – einmal mehr. JoBo rollte flüssig, aber dennoch mit dem notwendigen Feingefühl an die Parkposition und verabschiedete die Gäste.

Sara ohne h startete ihr Handy und checkte die letzten Nachrichten. Nur 17 SMS in 50 Minuten, ob ich wohl unbeliebt bin? Der Absender hinter SMS 14 wusste zu berichten, dass ein Kapitän auf einem Flug das Wasser nicht halten konnte. Sara ohne h schmunzelte und postete diese Nachricht sofort auf ihrer Facebook-Seite. Die Schwester von Sara ohne h war die Freundin der Tochter des Chefpiloten. Deren Mutter war im Facebook die Freundin ihrer eigenen Tochter nur um zu überprüfen, was der Nachwuchs im Internet so treibt. Acht Minuten später klingelte das Festnetztelefon im Chefpilotenbüro und die Chefpilotengattin wollte wissen, wann der Herr Gemahl denn am Abend nach Hause käme und ob er schon gehört hätte, dass… .

Das dritte von vier Teilstücken war geschafft!

Nizza
JoBo verschwand in der Toilette um sich neuerlich und diesmal «proceduregetreu» zu erleichtern. Er schloss die Tür, putzte die Toilettenbrille, liess die Hosen runter und setzte sich genüsslich auf das leicht klebrige Klo. In der Zwischenzeit betrat der Stationsmanager die Bühne und erkundigte sich schmunzelnd nach dem Herrn Kapitän. Als Kevin ihm erläuterte, dass dieser gerade das Klo in Anspruch nahm, konnte der Stationschef das Lachen nicht mehr zurückhalten.
JoBo hörte Stimmen, konnte das Gesprochene aber nicht verstehen. Er schüttelte ihn vorsichtig und nahm ein Papier zu Hilfe um gut zu trocknen. Die Gefahr von Restwasser auf der Hose war ohne Unterwäsche um Faktoren grösser. Lieber zweimal als einmal schütteln, lieber beim Papier nicht sparen. Als alles zu seiner Zufriedenheit erledigt war, zog er die Hosen hoch und schloss den Hosenstall so energisch, wie er es sich von zu Hause gewohnt war. Ein Fehler, wie Sekundenbruchteile später im ganzen Flugzeug hörbar war. Ein lauter Schrei drang durch die dünne Türe. Lader und Tanker ausserhalb des Airbus sahen sich an und über die Tower-Frequenz kam die Anfrage, ob Polizei, Feuerwehr oder Ambulanz – beziehungsweise alle zusammen mit Blaulicht ans Flugzeug kommen sollten?
«Ca va mon Commandant?», fragte der Stationsleiter vorsichtig. Ein «Ratsch» kündigte die Öffnung der Toilettentüre an. Stationsleiter, Gian-Andri und Jennifer schauten gespannt auf die sich öffnende Tür. Schmerzverzehrt und tränenüberströmt gab JoBo Entwarnung und bestellte einen Beutel mit Eis. Die Passagiere für den Rückflug warteten bereits in der Fahrgastbrücke und man einigte sich durch Blickkontakt, kein Wort mehr über den Vorfall zu verlieren. Nur Sara ohne h hatte von allem nichts mitbekommen. Ihr waren die Kotzsäcke ausgegangen und sie suchte in der ganzen hinteren Küche nach Ersatz.

Rückflug
Typische Nizza-Passagiere machten der Besatzung das Leben schwer. Ein gewisser Herr Kastrioti, Grossonkel des Kastrioti, der auf dem Pristina-Flug auf Reihe 17 sass, wollte sich von Gian-Andri die Foulards zeigen lassen. Der eben «Nicht-Bündner» liess sich nicht auf das Spielchen ein und beschenkte Herrn Kastrioti, Grossonkel von Herrn Kastrioti, grosszügig mit einer Stange Marlboro rot.
Der Flug verlief ruhig und in Zürich gab es dank einer charmanten Flugverkehrsleiterin keine Verspätung. Sie selber auch Bloggerin und gut verlinkt in Pilotenkreisen, wünschte JoBo vor dem Wechsel auf die Tower-Frequenz einen trockenen Anflug. Wer sonst noch auf der Frequenz war und noch nichts von der Geschichte wusste, erfuhr es spätestens vom Crewbus-Fahrer.

Die Landung verlief problemlos, es lief wie am Schnürchen.

Das letzte von vier Teilstücken war geschafft!

Man verabschiedete sich höflich voneinander und wünschte sich schöne Festtage. Draussen wurde es dunkel. Im der WG von Jennifer und Kevin war bereits eine Afterworks Party am Laufen und Sara ohne h liess am Geldautomaten einige hundert Dollar heraus. Man wusste ja nie, schliesslich würde eine Fachkraft wie sie dringend auf der Langstrecke gebraucht.

Sara ohne h hatte am nächsten Tag einen Doppel-London, Jennifer lag mit Kater im Bett und Kevin konnte seine Morgenlatte für einmal selber Gassi führen. Gian-Andri hatte ein Gespräch mit seinem Platoon-Charlie-Leader wegen der defekten Foulards (Papa wird den Schaden später begleichen) und für JoBo begann eine lange Serie von Konsultationen beim Urologen.

Ein ganz normaler Kurzstreckeneinsatz geht zu Ende.

Abspann
Alles erfunden! Personen, Plätze, Gespräche, Biografien, Gäste, Destinationen – alles erfunden! Diese Geschickte wurde mit Fieberanfällen und unter Einfluss von Similisan, Hustensirup, Halswehtabletten, ACC 600 akut und sonstigen Denkhemmern geschrieben. Man(n) verzeihe mir… 

Freitag, Dezember 16, 2011

sick

… ich mag nicht schreiben, ich bin krank. Als Leseersatz verweise ich auf einen absolut lesenswerten SPIEGEL-Artikel aus dem Jahr 1979 über den Stress im Cockpit…

Gibt's heutzutage Pfeiffentabak in Tunis?

Samstag, Dezember 10, 2011

P6

Über einen Flug gibt es viel zu berichten. Flugvorbereitung, Start, Landung, Essen, Turbulenzen, Passagiere, Ansagen, Schnee und was weiss ich noch alles. Seit vielen Jahren tippe ich Buchstaben auf diese Seite und habe schon einige Facetten der Fliegerei beleuchtet. Doch über das Wichtigste habe ich noch nie geschrieben, über

P6

Ohne P6 startet kein Flugzeug, ohne P6 kann die Ehefrau ihren geliebten Gatten nach dem Flug nicht in die Arme nehmen, ohne P6 findet die Fracht ihren Bestimmungsort nicht und ohne P6 gibt's weder Thailand-, noch USA-Ferien.

P6 ist das Parkhaus, wo die Besatzungen am Flughafen Zürich ihr Auto abstellen. Früher war alles noch in Butter im P6. Bodeneben ging es rein und im zweiten raus. Der dritte Stock war stets durch die Frühflieger besetzt und im vierten fanden sich die ersten Porsches der Langstreckenkapitäne. Beliebt waren die seitwärts benutzbaren Parkplätze beim Rondell, weil da der ältere Herr mit Bauch zivilisiert und ohne Blechschaden dem fahrbaren Untersatz entsteigen konnte. Wer einen neuen Wagen hatte parkierte aus Angst vor Kratzern im in der Regel leeren 10. und die Jungen mit dem noch intakten Denkzentrum mussten die Autos dort abstellen, wo es noch Platz hatte. Ihnen stand noch kein der Seniörität (das Rechtschreibeprogramm wollte hier Senilität draus machen, was ich eigentlich noch recht gelungen finde) entsprechendes Stockwerk zur Verfügung, schliesslich konnten sie sich die Etagennummer die paar Tage noch merken.

Dann kam das Grounding.

Das Parkhaus war plötzlich leer und selbst im vierten hatte es keine Porsches mehr. Wer noch einen Job hatte konnte sich das Auto kaum mehr leisten und so wurde aus einem ehemaligen Personalparkhaus ein Autoabstellplatz für jedermann. Ein paar Verwegene kamen weiterhin mit dem Wagen und sahen sich einem heillosen Durcheinander ausgesetzt. Plötzlich standen im 3. Stock Wagen, die da gar nicht hingehörten! Frühflieger mussten sich einen neuen Platz suchen – und noch viel schlimmer: sie mussten das Auto nach dem Dienst im ganzen Parkhaus wieder suchen. Auch der 10. war kein Garant mehr für einen freien Platz. Nichts war mehr wie früher. Die Gäste parkierten kreuz und quer und brauchten nicht selten zwei Parkplätze statt dem ihnen zustehenden einen. Geschmunzelt habe ich einmal über einen Zettel, den ein verärgerter Mitbürger einem Schlechtparkierer an die Windschutzscheibe heftete:

Wenn Du so vögelst wie du parkierst, kriegst du nie einen rein.

Zu allem Elend verkaufte der Flughafen Zürich das Parkhaus einer Investorengruppe und leaste es subito wieder zurück. Ob dieses sale-and-lease-back der Grund dafür war bleibt mir verborgen, aber urplötzlich war alles wieder anders. Der 4. war jetzt der Eingang zum Autohaus und die Lifte fuhren halbautomatisch. Halbautomatisch darum, weil man von den einzelnen Parkebenen mit dem Fahrstuhl nur noch zum Ausgang fahren konnte und nicht zwischen den Stockwerken pendeln. Dies war darum unpraktisch, weil wegen dem Wegfallen der eingespielten Strukturen der eigenen Wagen irgendwo parkiert war und man(n) wegen der langsam einsetzenden Zersetzung des Hirns nach dem Flug nicht mehr wusste, wo sich dieser befindet…

Vom 0 ins 1, dann wieder ins 0 und ins 2. Im 2 ist er auch nicht, darum wieder ins 0 und einen Stock höher ins 3. Auch 3 ist Fehlanzeige, darum wieder ins 0 und danach ins 4. Auch im Porsche-Stock steht kein roter Prius darum wieder ins 0 und hoch ins 5. Hier hat es einen Prius, aber einen blauen… Wieder runter ins 0 und dann … war ich schon im 3? Ich glaube schon, darum die 7 drücken, denn im 6 ist er selten. Auch im 7 nichts, also runter ins 0. Wieder hoch ins … oder soll ich in die 8? Ein Kollege steigt zu und drückt die 3. Er verabschiedet sich und ich fahre wieder in die 0. Wo wollte ich jetzt hin? In die 6, die 7 oder die 8? Ich glaube die 7. Nein hier ist er nicht, darum wieder in die 0. Eine Kollegin steigt zu und drückt die 9. Sie verabschiedet sich und die Lifttüre schliesst schneller, als mir lieb ist. Ich erspähe meinen Wagen in der hinteren Ecke. Doch leider ist es schon zu spät, das Ziel des Fahrstuhls heisst 0. Wieder hoch in die 9 und Adieu miteinander.

Morgen ist Sonntag und ich habe spät. Wehe es hat um 11 Uhr keinen Platz für mich im 3!


Freitag, Dezember 09, 2011

Winter OPS

Kapitän mit Winterkopfschutzhaube

Schneefall, weisse Pisten und das alles ohne Schümli-Pflümli...

Wie im Winterprospekt präsentierte sich heute der Flughafen Arlanda in Stockholm. Der Wind blies von der Seite und das wie diese Woche so üblich nicht zu knapp. Jungkapitän NFF wusste das Ganze innerhalb der gesetzlichen Vorschriften abzuhandeln, zumindest fast alles... 
Nicht ganz dem Uniformreglement folgend wurde der Hut durch obere Kappe ersetzt, doch das wird mir mein Chef sicherlich verzeihen. Wäre ich dem Reglement gefolgt, würde die Kappe jetzt über die schwedische Tundra rollen und meine Stirnhöhlen wären mit Sicherheit bis zum nächsten Jahr verstopft. 

Doch eines nach dem anderen. 

Schnee, diese Kristalle, die uns in Feststimmung bringen und Touristiker in den Bergen erfreuen, machen der Fliegerei das Leben ganz schön schwer. Was gar nicht geht, ist Schnee auf den Flügeln, was vielleicht geht, ist Schnee auf der Piste. Je nach dem, wie hoch dieser liegt und wie er beschaffen ist, kommen andere Seitenwindlimiten zur Anwendung. Das kann man sich leicht vorstellen, wenn das Profil eines Flugzeugreifens betrachtet.

Flugzeuge fahren auch im Winter mit Sommerreifen
Berühren die Reifen mit 250 Stundenkilometern den Boden und ist dieser bedeckt mit Plotsch, Schnee oder gar Eis, ist nicht mehr viel Grip da. Der Seitenwind drückt gegen das Flugzeug und will es von der Piste blasen. Komplizierte Tabellen geben dem Piloten Auskunft, wann, mit wie viel Wind und welcher Pistenbeschaffenheit man noch starten oder landen darf.

Soweit zum Schnee auf der Piste. Doch was ist mit dem Schnee auf den Flügeln?


Enteiserfahrzeuge
Die Helden des Flughafenwinters heissen "Enteiser". Die Kollegen der Bodencrew sitzen auf ihren Plattformen, sprühen uns je nach Witterungsbedingung eine mehr oder weniger heisse Alkohollösung auf die Tragflächen und sorgen dafür, dass der Flug nicht bereits am Pistenende im Graben endet. Ohne sie gäbe es keine Luftfahrt im Winter, ohne sie würden die Flugzeuge am Boden bleiben oder nach dem Start unfreiwillig auf den Boden zurückkommen – Helden der Luftfahrt eben!

Jetzt klingt das alles ganz einfach, ist es aber nicht. Samstagsautoputzer wissen, etwas so grosses wie ein Flugzeug abzuspritzen braucht Zeit – Zeit, die wir eigentlich gar nicht haben. 35 Minuten sind in Stockholm geplant, um die Passagiere auszuladen, die Gepäckscontainer auszutauschen, die Kabine zu reinigen, das Flugzeug zu betanken, die Passagiere wieder einzuladen (may I change my seat…?, do you have a newspaper…?, any change for a vegetarian meal...? ) den Aussen-Check zu machen und eben das Flugzeug abzuspritzen.

Verspätung machen liegt nicht drin. In Zürich wollen die Gäste ihre Flüge mit Dide und G! in die weite, weite Welt antreten. Heute ging das Unterfangen den Umstanden entsprechend gut auf: nur 9 Minuten Verspätung.

Und weil es so gut geklappt hat, versuche ich es morgen gleich noch einmal – und zwar wieder mit Winterkopfschutzhaube!

Die Wettervorhersagen versprechen wieder Pulver gut und Wind, der den Flieger zum Tanzen bringt…

TAF LONG TAF ESSA 091130Z 0912/1012 17015G27KT 9999 -RA BKN015 TEMPO 0912/0921
3000 SHRA BKN008 BKN020CB TEMPO 0921/1009 2500 RASN
BKN007 BECMG 1002/1005 24015G25KT=

Petrus, jetzt reichts!

Mittwoch, Dezember 07, 2011

Spinnst Du Petrus?


Das war nicht lustig, wirklich nicht!

Einen sonnigen Gruss aus Rom (Sonne, 18°C) und ein ganz grosses Lob an die ATC ZRH. Hammer Job habt ihr heute geleistet!

Dienstag, Dezember 06, 2011

sehen, was selbst Piloten nicht sehen…

Ruesch-Productions
Andy Rüesch, einer der wohl begnadetsten Aviatikfilmer, hat wieder einmal ein Meisterwerk abgegeben. "Zurich Departure" heisst sein neuer Film und ist über die oben verlinkte Bildunterschrift abspielbar.

Wer schon immer wissen wollte wie ein Pilotenflugtraining auf der A330 vonstattengeht (neue deutsche Rechtschreibung…), der wird auf der Seite genauso fündig wie diejenigen, die ein Flug in einer A320 von ZRH nach MAD im Cockpit miterleben möchten. 

Ein Genuss! 

Danke Andy.

Sonntag, Dezember 04, 2011

Gedanken zum Advent


Heute ist also zweiter Advent. Grund genug, sich etwas in sich zu kehren und den Gedanken freien Lauf zu lassen.

Draussen rüttelt der Wind an den Fensterläden und lässt die Kollegen die ILS28 heruntertanzen. Ein guter Tag um frei zu haben, ein guter Tag um über das Leben zu sinnieren.

In grossen Schritten kommt die Weihnachtszeit näher. Auf der Zufahrtsstrasse zum nahen Shopping-Center in Spreitenbach stauen sich die Wagen täglich, immer mehr auch Sonntags. Wurden die einkaufswütigen Zeitgenossen vor Jahresfrist noch belächelt und von den "Nicht-Schenkern" mit Kopfschütteln bestraft, sind sie heute die wahren Helden. Wer heute noch in der Schweiz konsumiert und Fränkli statt Euros unter die Leute bringt, dem gebührt eine Medaille.

Ich applaudiere stumm und betrachte die Wagenkolonne von Waldrand aus. Die Baumwipfel neigen sich bedrohlich nach Osten und hie und da knackt es im Gebälk. Die Winterstürme sind da, der Herbst ist definitiv zu Ende.

Mittlerweile sind wir auch bei diesem Text im fünften Abschnitt angelangt. Ich muss mit der Sinnlichkeit aufhören und endlich bissig werden. Was denken bloss die Leser von mir?

Doch aufgepasst, es geht weihnachtlich weiter. Seit Jahren haben wir mit den Geschenkwahnsinn zu Weihnachten aufgehört. Meine Frau und ich erfreuen uns an den zahlreichen Festessen, machen aber in der Adventszeit bewusst einen grossen Bogen um Einkaufszentren und Konsumtempel. Wenn nicht gerade zufällig Apple etwas auf den Markt bringt, brauche ich definitiv keine neuen Spielsachen.

Es brauchte einige Jahre, bis sich das in unserem Familienumfeld eingespielt hat. Immer wieder gab es Querschläger, die trotzdem etwas einpackten und uns so ein schlechtes Gewissen bereiteten. Doch das hat sich wie bereits geschrieben eingespielt – bis zum 23. November dieses Jahres.

Kaum bin ich Kapitän, beschenkt mich meine Firma ungefragt mit kaum zu übertreffender Grosszügigkeit. Nichts habe ich erwartet, alles habe ich bekommen. Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft, meint der Volksmund richtig. Doch grosse Geschenke verunsichern eher. Dass nur ich als Kapitän davon profitiere und andere, die sich täglich den Hintern für das Wohl der Passagiere aufreissen und alles geben mit leeren Händen dastehen, stimmt mich traurig.
Habe ich das wirklich verdient? Bin ich so viel besser als andere? Kann ich es verantworten, dass meine Kollegen leer ausgehen? Kann ich noch ruhig schlafen?

Gerade letztere Fragen kann ich mit einem grossen NEIN beantworten, darum spende ich das grosszügige Geschenk meiner Firma. Interessierte können sich gerne bei mir melden. Ich werde das originalverpackt und völlig kostenlos abgeben. Zu verschenken sind:

1 Vierleger am 24. Dezember, T/O um 07:05 Uhr
1 Vierleger am 25. Dezember, T/O um 07:25 Uhr
1 Moskau Dreiecksflug am 1.1.12, T/O um 07:00 Uhr