Montag, Dezember 06, 2010

EAT, SLEEP, LAND

Rückenwind, in Zürich herrscht immer Rückenwind.
Langsam hebt sich die Nase des A340 gegen den Himmel und das Flugzeug hechelt nach Höhe. Höhe bedeutet Leben in der Fliegerei und nie wird einem das deutlicher vor Augen geführt, als bei einem Start mit Rückenwind und 94.7 Tonnen Kerosin im Bauch.
Die Nase zeigt nach Osten, wir wollen nach Westen. Als ob uns die Elemente zeigen wollten, dass wir auf dem falschen Weg sind, blasen sie und tief über das Appenzell und später über deutsche Hügel.

Wir haben ein Ziel, aber noch keine Richtung.

Ich mache mich im Schlafgemach klein und versuche wertvolle Zeit totzuschlagen. Nürnberg verschwindet unter uns in den Wolken, der Magen knurrt.

EAT

Es ist Nachmittag um halb drei, die Küchenmannschaft ein paar Schritte neben meinem Kopf lässt die Öfen dampfen. Edle Kost aus Engadiner Küche wird serviert. Edel? Aufgewärmt! Auf mich wartet etwas Besseres. Frisch geschroteter Hafer, eine Nacht eingelegt, verfeinert mit Vanille Joghurt aus einer Zürcher Oberländer Molkerei und als Zugabe ein Löffel Haselnussmuss mit Liebe daruntergemischt. Es schmeckt – und wie.
Müde werde ich dabei nicht.
Dann halt Pläne schmieden.
In San Francisco werde ich Alcatraz besuchen. Eine Strafanstalt, die keinen Besucher unbeeindruckt lässt. Tausende von freien Leuten wollen zwei Stunden lang wissen, wie die Unfreien über Jahre oder gar Jahrzehnte gelebt haben. Doch sind wir Freien denn frei? Jean-Jaques Rousseau hat darauf eine Antwort.

«Die Freiheit des Menschen liegt nicht darin, dass er tun kann, was er will, sondern, dass er nicht tun muss, was er nicht will.»

Ein Satz, der mich im Moment mehr beschäftigt als mir lieb ist. Soll ich das tun, was ich nicht will? Will ich es oder will ich es nicht? WAS WILL ICH?

SLEEP

Der Film «one week» von Joshua Jackson flimmert auf meinem iPad. Der Hauptdarsteller Ben bricht nach einer Krebsdiagnose aus seinem geordneten Leben aus. Für eine Woche nur, für die wichtigste in seinem Leben. Ben sattelt seine «Norton Commando 850» und fährt gegen Westen.

Er hat kein Ziel, dafür eine Richtung.

Ich schlafe ein.

LAND

Acht Stunden sitze ich im Cockpit. Vier davon mit einem Jungsporn. Er schäumt fast über von Energie und erklärt mir ununterbrochen Dinge, die ich längstens weiss. War ich auch so?

Zwanzig Stunden nachdem ich im eigenen Bett erwacht bin, landet der Chef den Airbus in San Francisco. Das Wetter ist lausig, meine Verfassung auch. Ich bin müde, will einfach nur schlafen.

Morgen ist ein neuer Tag, ich muss noch ein paar Fragen beantworten, ein Ziel definieren oder wenigstens eine Richtung finden. Ist EAT, SLEEP, LAND wirklich das Leben, das ich will?

Kommentare:

  1. Eine sehr essentielle Frage-wer weiß schon wirklich, was er will-und vorallem, wann ist es genug mit dem, was man gerade tut. Alles hat ja so seine Zeit. Dinge die einst oberste Priorität hatten, finden sich irgendwann an 3. oder 4. Stelle wieder. Das Leben ist doch voller Ungewissheit und möglicher Alternativen; nur sterben muss man irgendwann.

    AntwortenLöschen
  2. Ich habe mich schon des öfteren gefragt weshalb ihr so um Mittag rum Richtung Osten startet und dann etwa über uns hier in St. Gallen nach links abdreht. Am besten sehe ich das jeweils im Sommer, wenn ich gemütlich in der Badi Dreilinden auf dem Rücken liege, während andere arbeiten.
    Nun weiss ich wieso: Weil er zu schwer ist kriegt ihr ihn nur langsam hoch ... den Jet meine ich natürlich!

    AntwortenLöschen
  3. Moin,
    darf ich mal fragen was eigentlich der weg zum Kapitän macht, war der nicht in der Vorbereitung?
    Gruß Sebastian

    AntwortenLöschen
  4. Die Frage erübrigt sich bald. Dann heisst es SCHLING(die "Nahrung in der heissen Alufolie runter), GUCK (die Zeitung mit den Bildern an, zu mehr reichts zwischen den Legs nicht), schowiederLAND (zum 18. Mal in 6 Tagen) :-)

    G!

    AntwortenLöschen