Mittwoch, November 03, 2010

Trommelwirbel



Irgend jemand trommelt immer in Afrika. Diese Kraft, dieser Lärm, dieser Rhythmus – das alles wirkt ansteckend und belebend. Doch muss das unbedingt in den frühen Morgenstunden geschehen? Muss das Spektakel ausgerechnet dann über die Bühne gehen, wenn ich ausgestreckt im Bett liege und Träumen nachhänge, die ich an dieser Stelle gar nicht erläutern möchte?
Ändern kann ich es kaum. Schlaftrunken taste ich mich im dunklen Zimmer zur Toilette und suche nach dem Lichtschalter. Draussen trommelt es noch immer und etwas, was mit vergangenen Träumen zu tun haben könnte, behindert mich während einer Tätigkeit, die man nach dem Schlafen als erstes so macht.

Guten Morgen Kamerun!

Draussen regnet es. Ich blicke auf eine rot gefärbte Landschaft die aussieht, wie ein schlecht gewarteter Tennisplatz am Ende der Saison. Beim Tennisplatz endet der Sand spätestens in der Duschkabine, hier liegt er überall. Die Trommler trommeln, die Fahrer hupen, die Handwerker im Zimmer über mir hämmern. Jetzt fehlen nur noch die bunten Plastiktrompeten und die Afrika-Symphonie wäre perfekt.

Bonjour Yaoundée!

Der Frühstücksraum ist gut besetzt, das Buffet üppig beladen. Als Freund frischer Backwaren bin ich genau richtig. Hier sind die Brote nach französischem Rezept hergestellt und nicht nach chemischen Formeln wie bei uns. Die Eierspeise lasse ich beiseite, ich möchte heute Nacht noch nach Hause fliegen.
Die Angestellten kennen mich. Ich war gestern Morgen schon da und gestern Abend auch. Unüblich für Besatzungsmitglieder, dass sie am Abend im Hotel essen. Das gehört sich irgendwie nicht, warum weiss kein Mensch. Grund genug, die ungeschriebenen Gesetze einmal zu brechen. Ich kann es gleich vorwegnehmen, das Essen mundete ausgezeichnet, wenn es auch soviel kostete, wie ein Angestellter hier im Monat verdient. Sympathisch auch, wie sich die Leute um mich kümmerten. Der Kellner präsentierte die Speisen in den Kochtöpfen und eine einzelne Kakerlake verkroch sich unter dem Behälter mit dem Rindfleischragout. Wer jeden Abend hier isst kann nicht irren und so entschied ich mich für eben dieses Ragout. Eine ausgezeichnete Wahl übrigens.

Zurück zum Frühstück. Der Saal ist voll, Geschäftsleute stärken sich vor dem hektischen Arbeitstag. Wie überall in Afrika, sind chinesische Gesichter zahlreich vertreten. Diese Volksgruppe liebt ihre Handys noch mehr als unsere jungen Flugbegleiterinnen ihre Kommunikationsgeräte. Mit dem Unterschied allerdings, dass die Telefone in einer Lautstärke klingeln, die eigentlich für Förster im Kettensägeeinsatz entwickelt wurden. Und es ist nicht einfach ein Klingeln, es ist die Lieblingsmelodie des Besitzers. Dann schon lieber Trommelwirbel!

Zeit Adieu zu sagen. Wenn diese Zeilen im Blog erscheinen, bin ich schon wieder zu Hause. Das Internet hatte gerade Pause hier in Kamerun, ich konnte den Artikel erst nach der Heimkehr ins Netz stellen. Das Hotelmanagement entschuldigte sich gestern schriftlich über den temporären Zusammenbruch des World Wide Web und versprach Abhilfe. Moment, jetzt verstehe ich den Trommelwirbel! Sie haben das Ersatzsystem aufgeschaltet, alte und vergessene Kommunikationskanäle aktiviert! Sympathisch!

Flexibilität hilft in diesem Land, Geduld auch – oder wie heisst es hier in Kamerun:
«Vous avez les montres, nous avons le temps!»

Kommentare:

  1. interessant das es bei euch auch so ist mit den hotels, zumindest am anfang kann ich aber verstehen das mann "was sehen wil" ;)
    beste grüsse

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  2. Ein Hotelaufenthalt ohne Internetanschluss ist fast wie ein zeitlich unbefristeter Strafaufenthalt in der Hölle...

    Dann lieber die eine oder andere Cucaracha!

    Wieder sehr schön getrommelt, NFF!

    M

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