Samstag, Oktober 23, 2010

Funken

Das Funken und nicht der Funken ist mit dem Titel gemeint. In korrektem Deutsch heisst das wohl Radiosprechfunk. So trocken das auch klingt, in der Praxis ist zuweilen viel Spass damit verbunden. So zum Beispiel in Zürich. Charmante Frauen wechseln sich mit nicht ganz akzentfreien Österreichern ab. Sie alle klingen anders, wollen aber nur das Beste für uns Piloten. Sich mit ihnen anzulegen ist in der Regel nicht sonderlich schlau, sind sie uns doch nicht selten verbal überlegen. Nicht zu unterschätzen ist auch ihre Macht. Ein einziges Wort aus ihrem Mund kann den schönsten Take-Off zunichte machen. Nach dem Funken sprühen dann Funken von den heissen Bremsen. Wie ich gehört habe, soll es beim Funken sogar schon richtig gefunkt haben. Doch dies ist eher ein Thema für das Boulevard als für einen seriösen Blog wie diesen.

Das Funken ist ein wichtiger Teil des Pilotenlebens. Zwischen Zürich und Japan habe ich mehr Leute angesprochen, als der Giacobbo am Sonntagabend. Vielleicht war ich nicht immer so lustig wie er, dafür garantiert trockener. Meine Lieblinge sind die Russen. Sie machen keinen Hehl daraus, dass sie an einem Freitagabend besseres zu tun haben, als einem Copiloten den Weg zu weisen, den dieser schon längst im Computer einprogrammiert hat. Brummlig kommt die Stimme daher. So tief und verschlafen, als ob der Wodka nächstens zur Neige gehen würde. Ich funke gleich brummlig zurück. So entstehen richtige Männerfreundschaften.

Man glaubt es nicht, aber so überquert man Russland ganz bequem und ohne Stress. Mit ruhiger Stimme und grosser Gelassenheit. Doch heute war alles ganz anders. Die AUA überholte uns irgendwo über der Tundra was auch ganz OK war. Sie hatten den schnelleren Schlitten, da machten wir gerne Platz. AUA dankte es uns damit, dass sie noch etwas brummiger mit dem russischen Kontroller sprach. Jetzt waren wir schon drei Brummbären – zufriedene Brummbären!

Dann über "Suurchruut" (Surgut) plötzlich Unruhe. Die Lufthansa kam auf die Frequenz. Wir Brummbären erwachten aus der Lethargie und richteten uns im Sitz auf. Eine Frau – das ist grundsätzlich noch kein Problem. Es war aber keine gewöhnliche Frau, es war eine SUPER Frau. An der Stimme erkannte man, dass der Körper hinter der Stimme bis ins Letzte motiviert war. Die Stimme war hell und von schönem Klang. Wäre nur dieses SUPER nicht gewesen. Und wie sie es ausgesprochen hat. Dieser Anstieg in der Stimme beim Wort SUPER, als ob ihr der Tanzpartner bei der Linksdrehung auf das Hühnerauge gestanden wäre. Beim jedem Frequenzwechsel hat sie es betont. Der Satz: "Ich bin SUPER" alle fünf Minuten wiederholt ist äzend – auch aus dem Mund einer attraktiven Frau. Dabei wollte sie uns drei Brummbären nur zeigen, dass sie den dickeren und längeren hat. Der Österreicher und ich konnten damit umgehen, aber der Russe in seinem Haus mitten in der Tundra weniger.

Das SUPER-Girl überholte und wenige Minuten später. Als ob sie uns zeigen wollte, dass der dickere und längere auch schneller ist... Frauen! Am Zoll lachten aber der Österreicher und ich. Ein A380 spuckt viel länger Passagiere aus, als mit schneller Fliegen aufgeholt werden kann. In der Kürze liegt die Würze und das finde ich SUPER!

Kommentare:

  1. Länger und dicker heisst nicht zwangsläufig auch schöner...

    Danke für die Blumen ;-)
    TWR Mädel

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  2. achja das funken macht schon immer spaß, kenne es zwar nur aus der privatfliegerei, aber auch dort passieren regelmäßig amüsante dinge

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  3. Stimme ich zu:
    Länger und dicker kann auch ausnehmend hässlich sein...

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  4. In diesem Fall ist länger und dicker definitiv hässlich!!! Ein total unerotisches Teil dieser SUPER Flieger ;-)

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  5. Lieber NFF

    Deinen Blog finde ich SUPER, das hässliche Entlein welches als A380 durch die Welt fliegt nicht!
    "Motorengeräusche" sind viel zu leise, man darf sich zwischen ZRH und SIN an Kindern mit otitis media, Eltern mit scheinbar sehr lockeren Erziehungsmassstäben und dauernd lärmenden Kopfhörern des Sitznachbaren abärgern. In Zukunft nur noch mit Swiss via Bangkok und dann mit "kleinem" Singi nach SIN.

    Weiter so mit dem Blog und dass die Swiss nie einem A380 betreiben wird!!!;-)


    Lieben Gruss

    David

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  6. A380..... trau niemals einem Flieger der die Fahrwerk-Bogies verkehrt rum montiert hat. Und.... wer so gross ist, und sich nicht einmal traut, richtig Lärm zu machen, gehört eh eingesperrt, weil der erfüllt NIE die 3 Grundvoraussetzungen für ein erfolgreiches Air-Display:

    laut
    schnell
    tief
    gefährlich

    :-D

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