Sonntag, September 26, 2010

f****** cold

Von den asiatischen U-Bahnen ist man es sich gewöhnt, auch in Restaurants herrschen dort frostige Temperaturen. Doch in Schweizer Flugzeugen wird in der Regel für eine kuschelige Atmosphäre gesorgt. 24 Grad sind üblich, 30 Grad möglich.
Jetzt ist aber bei uns die Heizung ausgefallen und wir sitzen mit unseren dünnen Uniformhemden schlottern im Cockpit und erfreuen uns ab Temperaturwerten von 16 Grad. Ich kommen mir vor wie in einem Biwak in einer Nordwand – einfach ohne Biwaksack… Das Einzige, das mich jetzt vom Bergsteiger im Himalaya unterscheidet, ist die Nespresso-Maschine, die im Viertelstundentakt warmen Trost spendet. Seit zehn Stunden ist die Heizung im Cockpit bereits defekt. Der Chef und ich haben uns Decken um alle möglichen und unmöglichen Körperteile geschlungen und der sonst verhasste PaceBlade spendet etwas Wärme auf den Oberschenkeln. Ich fühle mich wie Lindberg bei seiner Atlantiküberquerung, einfach ohne pelzgefüttertes Lederkombi. Das Approach-Briefing in Zürich beginnt mit dem Satz: «Let‘s do a deep frozen Flight-Director Approach for RWY 34 ...»

Gesundheit!

Kommentare:

  1. Ich leide mit, aber wenigstens gabs eine Ausrede, wenn die Landung daneben ging (was sicher nicht der Fall war...). Siehst du, noch ein Vorteil der Kurzstreckenfliegerei: bei kurzen Legs kann's nie so kalt werden ;-)

    G!

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  2. Zählt denn eine funktionierende Heizung nicht zum Minimum Equipment?
    Vor allem, rechtfertigt so eine Notlage nicht einen Steep descent um in wärmere Luftschichten zu kommen? Ich meine, was sollen den die Paxe denken wenn die Crew blau wie die Schlümpfe hinter der Scheibe sitzen? Das sieht man doch wenn man durch den Rüssel läuft....

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  3. Also... McGyver wäre über eine Treppe elegant ins Untergeschoss hinabgestiegen, wäre anmutig durch die eine oder andere Tür geschritten und hätte dann mit seinem Leatherman das offenbar kaputte CKPT Trim Air Valve mit einem anderen getauscht - im laufenden Betrieb, wohlgemerkt.
    So etwas ähnliches (nicht das mit McGyver, sondern das kalte cockpit) habe ich unlängst von der großen deutschen Schwester inbound HKG gehört - allerdings bei noch weniger Celsius. ***Brrr...****
    Ansonsten: Herzlichen Dank für den Blog, lieber "Fliegender"; ich bin schon seit Jahren ein begeisterter, wenn auch stiller Leser!
    Viele "Grüße eines Sitzenden"!
    C.

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  4. Aus eigener Erfahrung hilft in solchen Fällen folgendes Vorgehen:
    1. Sich vor dem Kapitän PFC der Jacke bemächtigen
    2. Min. 3 Wolldecken aus der Kabine bestellen
    3. Kopfhörer anziehen gegen kalte Ohren
    und last but not least:
    4. Kräftig über die Airbus Ingscheniöre Fluchen (erhöht die Durchblutung und wärmt Herz und Seele)
    ;-)

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  5. Puh, in ihrer Haut möchte ich nicht stecken. Hat sie dann wenigstens irgendwann wieder funktioniert oder hat sich die Hälfte der Crew eine Bronchitis eingefangen? Gesundheit...

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