Montag, August 02, 2010

Flug wieder verpasst!

Ach dieser 1. August! Nachdem mich die Knallerei am Vorabend nicht einschlafen liess, weckte mich der Hund um sechs Uhr in der Früh. Morgenstund hat Gold im Mund. Der Rest vom Morgen war dafür ruhig. Doch bereits in der ersten Minute nach dem Wechsel in den Nachmittag klingelte das Telefon. Miami brauche wegen einer Verspätung eventuell Verstärkung, meinte die Dame am anderen Ende der Leitung. Bereitmachen, aber warten!, lautete der Befehl.
Ich gehorchte. Der Koffer war noch für Japan gepackt. Vom tropischen Osten in den tropischen Westen brauchte es nur marginale Anpassungen im mobilen Kleiderschrank. Die langen Hosen wurden mit kurzen vertauscht, die Badehosen eingepackt.
Die A340 sei jetzt in der Luft, hiess es 30 Minuten später. Augenblicke danach dröhnte der Vierstrahler über meinen Liegestuhl. Da flog er nun, der LX64 und ich nahm zur Kenntnis, dass ich innerhalb 20 Stunden zum zweiten Mal ein Flugzeug verpasste.

Müdigkeit kam auf und ich schloss die Augen. Gerade eingenickt klingelte etwas in meinem Traum. Zuerst weit weg, dann immer näher. Es brauchte eine ungewöhnlich lange Zeitspanne bis ich merkte, dass mich jemand brauchte.
Sao Paulo heute Nacht! Was nach Notfall klang, entpuppte sich als Blindgänger. Take-Off in sechs Stunden - naja! Wann merken die Leute der Disposition endlich, dass ihre Kunden am Nachmittag ein Nickerchen machen, wenn ihnen ein Nachtflug droht.
Ans Schlafen war nicht mehr zu denken, so packte ich den Koffer neuerlich. Weg mit den tropischen Lumpen, es geht in den brasilianischen Winter! Faserpelz statt Badehose, solides Schuhwerk statt Flip-Flops.

So liege ich mitten in der Nacht im dunklen Crewbunk und versuche meine 196 cm im 190 cm langen Bett zu platzieren. Die Meteorologen melden für Sao Paulo Nieselregen und 13 Grad, in Miami wäre es kurz vor Mitternacht Ortszeit 29 Grad. Fast so warm wie unter der heimischen Bettdecke, wo ich jetzt liebend gerne wäre ....

Kommentare:

  1. Lieber nff

    Davon kann ein "normaler" Mensch nur träumen, zwei Flüge verpassen und dann trotzdem noch nach GRU reisen zu dürfen/müssen/wollen. Aber sei doch froh, in GRU weisst Du woran Du bist mit dem Wetter. Hier in der CH "seichts" ja auch den ganzen Tag und die Temperatur klingt nur noch in Fahrenheit nach Saunawetter...

    Gruss aus dem kalten (11° Celsius) Celerina


    Tobias

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  2. Nachtrag:

    Bevor mich skypointer,G! und wie die Piloten alle auch heissen ausseinander reissen:

    Auch Piloten sind normale Menschen, ich fand lediglich kein anderes Adjetiv...


    ;-)

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  3. Allegra!

    Als ich dann endlich in GRU gelandet bin, sah die Welt auch wieder besser aus. Definitiv genug haben ich und mein Körper aber von den Nachtflügen! Darum freue ich mich auch auf die Erholung nach der Rotation. Die Tage werde ich im Endagin verbringen. Ob es regnet und/oder kalt ist, das Tal ist und bleibt der beste Ort zum erholen. Davon träumen normale Piloten!

    GRUss aus GRU

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  4. Wem sein GRU, dem anderen sein NRT. Ungeplant, alarmmässig. Badehose eingepackt, Essstäbchen ebenfalls. Ein Monat voller Überraschungen, davon träumt der normale Pilot.

    M

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  5. Würde es denn Sinn machen, sich als Pilot in der Bereitschaft vier oder fünf Koffer für die entsprechenden Klimazonen mit dem entsprechenden Inhalt zu kaufen?

    Ich bin sowieso kein Freund des Kofferpackens und stelle mir die dauernde Umschichtung des Koffers als absoluten Horror vor.

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  6. Schön, dass du uns als "Kunden" der Dispo bezeichnest...DEN muss ich mir merken :-D

    @Tobias: "Normal" ist relativ...wenn ich mir meinen Schlafrhythmus anschaue, dann zweife ich manchmal daran (aber Spass machts trotzdem ;-))

    ...und darum sage ich - mit einem weiteren Nachtflug im Flugbuch - gute Nacht!

    G!

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