Montag, Juli 26, 2010

Scarlet

Scarlet war nicht da. Der Pianist spielte hingebungsvoll und begleitete den Sänger diskret. Des Sängers rauchige Stimme füllte den Raum mit melancholischem Blues. Viele Plätze waren besetzt, der von Scarlet leider nicht.
«Lost in Translation» ist der Film, der den körperlichen und seelischen Zustand eines Japanreisenden am treffendsten beschreibt. Da bleibt einem in den schlaflosen Nächten oft nichts anderes übrig, als in einer Bar bei schummrigem Licht an einem Glas mit Eiswürfeln zu nippen.
Dazu eignet sich die Bar im Park Hyatt im 45. Stockwerk inmitten Tokios Geschäftsviertel Shinjuku ausgezeichnet. Kein Zufall also, dass Scarlet im Film ihre Nächte auf einem Stuhl am langen Tisch in genau dieser Bar verbrachte. Aber eben, Scarlet war leider nicht da.

Dafür sassen gute Freunde am Tisch. Freunde, die Tokio wie ihre Westentasche kennen und mich in Lokale entführten, die ich allein nie gefunden hätte. Chancen, die man sich nicht entgehen lassen sollte und eine Übernachtung mitten in Tokio rechtfertigen. Gerne hätte ich in Scarletts Hotelzimmer geschlafen, aber dafür reichen die Spesen nicht im Ansatz. Mein Raum in einem Zweistern-Hotel war etwa so gross, wie ein Koffer einer Hostess und kostete auch annähernd soviel. Der Toilettenring war geheizt aber leider so klein, dass ein unfallfreies Wasserlassen nur mit Yoga im sechsten Schwierigkeitsgrad möglich war. Ich will nicht klagen, viel Zeit habe ich in der Kammer nicht verbracht.

Zurück zu Tokio. Ich hatte weder iPhone noch Fotoapparat dabei, darum muss mit Worten beschrieben werden, was Bilder besser zeigen würden. Zu viele Fotos hätte ich eh nicht gemacht, schliesslich bin ich kein Japaner. Beschränken wir uns auf deren drei.

Das erste Bild hätte ich von der Temperaturanzeige in Ginza geschossen. Ungemütliche Werte von 39.6 Grad erschienen auf der Digitalanzeige. Gut wurde die Luftfeuchtigkeit nicht präsentiert – ich hätte noch mehr geschwitzt.
Das zweite Bild hätte der Damenmode gegolten. Fräulein Tokio trägt diesen Hochsommer lange schwarze Strümpfe, extrem kurze Röcke und dazu Wanderschuhe. Die Arme werden mit Handschuhen bedeckt, die über den Ellenbogen reichen. Ich kann mir gut vorstellen, wie würzig es am Abend unter diesen vielen Schichten müffelt ...
Und das dritte Bild? Ins Zentrum des dritten Bildes rücke ich die blonde Mechanikerin aus Narita. Nicht Scarlet, aber durchaus hübsch! Kompetent und speditiv hat die Blonde aus deutschen Landen unser Flugzeug abgefertigt und sich mit den Worten: «Ich muss jetzt noch zum Dicken» verabschiedet. Mit dem Dicken meinte sie nicht etwa mich, sondern den A380 der Lufti.

Ich werde mich dafür nächste Woche mit einem «Presento» dafür bedanken.

Donnerstag, Juli 15, 2010

Schnupperlehre

Eine Schnupperlehre ist eine gute Sache. Wie es der Name schon sagt, schnuppert der Berufsaspirant an seinen neuen Aufgaben und beurteilt dann, ob es ihm gefällt. Unverhofft bin ich heute in den Genuss einer solchen Schnupperlehre gekommen. Eine charmante Dame der Disposition warf mir nach einem kurzen «Guten Morgen» vier Nummernkombinationen an den Kopf, die sich ein Mann meines Alters unmöglich merken kann.
Freundlich, aber bestimmt, klärte mich die Frau auf, dass es sich bei den Nummern um Kurzstreckenflüge handle, und zwar deren vier, um genau zu sein.
Sie hätte sich in der Nummer oder gar in der Airline getäuscht, gab ich zurück und wollte den Hörer auf die Gabel legen.

«60 Minuten», war die kurze Antwort. Genau 60 Minuten hätte ich Zeit, mich und meine Flugunterlagen an den Flughafen zu bewegen. Ich parierte.

Mit einem leicht flauen Magen reihte ich mich in die Kolonne am Gubrist ein. Wenn ich von etwas keine Ahnung habe, dann von Kurzstreckenfliegerei. Ich kam mir vor wie ein Schnupper-Stift und genau so ungeschickt stellte ich mich auch an.
Im Briefing-Raum bekamen die vielen Computer endlich einen Sinn. Hier könne man den Flugplan ausdrucken, bestätigte mir ein junger Copilot. Ich versuchte es vergeblich. Ein anderer Nachwuchsflieger bot mir Hilfe an und schwupps hatte ich vier Flugpläne in der Hand. Viermal 1:20 Flugzeit macht etwas über fünf Stunden. Dazu gesellten sich Wartezeiten, Umsteigezeiten, Planungszeiten – aber zu meinem Erstauen keine Essenszeiten… Die totale Arbeitszeit wurde auf über zehn Stunden berechnet. Da wäre ich in Miami oder in New York oder fast in L.A. – aber nein, nach diesem langen Tag werde ich mich im Stau am Gubrist wiederfinden und zwar mit einem grossen Loch im Magen. So war das zumindest geplant.

Das erste Teilstück führte uns nach London. Damit der Schnupper-Stift nicht ganz aus der Fassung kommt, hiess die Flugnummer gleich wie der Flugzeugtyp. SWISS 332 kann sogar ich mir merken.
Über die Bodenzeit möchte ich mich nicht äussern. Das war ein einziges Ärgernis. Zwei SLOTS verpasst und mit einer Verspätung von fast einer Stunde in die Luft. Endlich!
Der ultraleichte Flieger hüpfte wie eine Feder von einer Windböe zur anderen und verhielt sich wie ein Teenager in der Pubertät. Dieses Flugzeug ist für Reisen gebaut und nicht für Hüpfer.

Wie in einer richtigen Schnupperlehre so üblich, hat sich die Übungsleitung für den Schnupper-Stift eine kleine Gemeinheit ausgedacht. Man will den Kerl doch richtig verarschen. Seitenwind von 30 Knoten. Böen, Windscherungen und Turbulenzen warteten auf meine Wenigkeit. Doch bevor der Höllenritt beginnen kann, trifft man wie in Heathrow üblich, die Vertreter der verschiedenen Allianzen im Biggin Holding. Dreissig Minuten dauerte das …
Völlig unerwartet landete eine dampfende Aluminiumfolie auf meinem Tischchen mit einem Gruss der Küche. Skeptisch hob ich die Folie und sah auf die rotbraune Pampe herunter. Was das sei, fragte ich meinen Kollegen. Das nenne man auf der Kurzstrecke Essen, seine knappe Antwort. Guten Appetit.
Mit reichlich E-Stoffen im Magen steuerte ich die 27L an und traf die Piste sanfter als erwartet.
Der Rest des Tages ist schnell erzählt. SLOT absitzen, warten, Passagiere zählen und so schnell wie möglich wieder abhauen.

Die Verspätung summierte sich auf Höhen, die der Flugnummer gleich kamen. Aus vier Legs wurden zwei. Es bleibt die Erkenntnis, dass sich weder Langstreckenflugzeuge noch Langstreckenbesatzungen für Kurzstreckeneinsätze eignen.

Jetzt sitzt der Schnupper-Stift dank des frühen Feierabends auf dem eigenen Balkon und stellt sich die Frage, ob er diese Lehrstelle wirklich antreten soll ...

Montag, Juli 12, 2010

Nachbrenner


ZWIEBELKUCHEN «SACHER-ECK»
aus dem Kochbuch des «Hotel Sacher» in Wien

Zutaten:
300 g Mehl, 150 g Butter, 80 g Topfen, 2 Eidotter, Prise Salz, 500 g weisse Zwiebeln, 150 g magerer Speck, 1 Bund Jungzwiebeln, ½ Lauchstange, Olivenöl

für den Überguss:
5 Eier, 250 ml Schlagobers, 80 g Bergkäse, Salz, Pfeffer aus der Mühle, Muskatnuss

Zubereitung:
Für den Teig Mehl mit Butter, Topfen, Dottern und einer Prise Salz vermengen und rasch zu einem glatten Teig verkneten. In Klarsichtfolie hüllen und 4 Stunden kalt rasten lassen.
Zwiebeln halbieren und in Scheiben schneiden. Olivenöl in Pfanne erhitzen und Zwiebeln (ohne Jungzwiebeln) darin unter ständigem Rühren hell anschwitzen, vom Feuer nehmen und auskühlen lassen.
Backrohr auf 200 ° C vorheizen, Kuchenform mit Butter ausstreichen. Teig auf einer bemehlten Oberfläche messerrückendick ausrollen und die Form dami auslegen, dass der Teil etwa 2 cm über den Rand steht. Zwiebeln darauf regelmässig verteilen.
Für den Überguss die Eier mit Obers verquirlen. Lauch, sowie Jungzwiebeln in Ringe schneiden und gemeinsam mit geriebenem Käse und gehacktem Speck einrühren. Masse mit Salz, Pfeffer und Muskatnuss würzen und über die Zwiebeln giessen. Im Rohr ca. 40 Minuten backen, 10 Minuten ruhen lassen und geniessen.


Schmeckt herrlich! Leider kann man aus dem Bereitschaftsdienst auch eine Simulator-Session fassen und so möchte ich mich bei meinem morgigen Mitstreiter und dem Instruktor bereits jetzt für die Furzerei entschuldigen! Vielleicht macht dies die Übung realitätsnaher, wenn es bei Feuer und Rauch etwas strenger riecht ...

Mittwoch, Juli 07, 2010

Rollo runter!

Wenn sich der Zeiger der Uhr langsam 15.15 Uhr nähert, dann ist im Hause nff Ausnahmezustand. Die Rollos sind unten, der Hund ausgepisst, Herrchen auch und auf Sf DRS Idée Suisse Kanal 2 begrüsst das Signet die Radsportbegeisterten mitten am Nachmittag.

Ich liebe die Tour de France!

Dagegen ist die theatralische Ballstreichelei inmitten der trötenden Zuschauer ein Streichelzoo. Was auf den Strassen in und um Frankreich an Spektakel geboten wird, davon träumen der blatte Sepp und Co. ein Leben lang. Und das gratis, kostenlos, zwangslos!

Es trifft sich gut, dass ich die letzten Tage Bereitschaft schiebe. Während die Nordatlantikflieger der 13-Uhr Welle über meinen Kopf schweben, bereite ich mich auf die Flachetappe vor. Gejoggt habe ich schon, gegessen auch. Jetzt wartet noch eine kleine Stärkung eines selbstgemachten Johannisbeer-Kuchens auf meine Fettreserven und bereit bin ich für die Flachetappe in der Champagne! Juhui!!

Fussball werde ich nicht schauen. Die Stunden nach 20.30 Uhr gehören zu den schönsten auf der Terrasse. Schweini möge es mir verzeihen. Trotzdem drücke ich heute Abend den "Schwaben" die Daumen, weil ich noch eine Rechnung mit ihnen offen habe. Vor langer Zeit, nämlich 1974, sass ich vor dem schwarzweiss Fernseher und vergötterte die Nummer 13 der Holländer. Neeskens war cool, hatte die gleiche Frisur wie Botteron vom FCZ und musste einfach gewinnen. Und wer schoss das erste Tor nach zwei Minuten? Richtig, "meine" Nummer 13! Da kamen der Breitner und dieser "alles Müller oder was" Gerd und beerdigten meine Hoffnungen und die der Orangen.

Ich weinte – ach was, ich tobte und schrie!

An Schlaf war nicht zu denken und so schrieb ich mit meiner achtjährigen Zitterschrift einen Brief an die Spitze des orangen Fussballverbands. Die Adresse stand unter der Nationalflagge im Panini-Album. Ich attestierte als Fussballsachverständiger (E2-Junior beim FC Schlieren) dem Schiedsrichter Unfähigkeit und hob Neeskens und das orange Team auf den Platz, den ihnen nach meiner Ansicht eigentlich zustand: Weltmeister!
Drei Wochen später fand ein grosses Paket den Weg an den Ackerweg in Schlieren, gefüllt mit Fanartikeln und einem Shirt mit der Nummer 14 ... Nicht Neeskens, aber immerhin Cruyff...

Ich werde immer ein Holland-Fan bleiben!

Holland wird Weltmeister – gewinnt für mich und Neeskens!

Samstag, Juli 03, 2010

12 Kilometer Genuss

Die Sicht war fantastisch, das Wetter auch. Temperaturen gegen 30 Grad und ein ganzer Nachmittag vor mir.
So gefällt selbst mir New York.
Doch das Beste steht mit am nächsten Morgen bevor. Was wäre NY ohne Central Park?
Losgerannt um 5 Uhr in der Früh, kam ich einmal mehr in den Genuss von zwölf Kilometern Hochgefühl.
Ohne ein Sonnenaufgang am Reservoir erlebt zu haben, hat man die Stadt nicht gesehen. Die Kamera blieb aus verständlichen Gründen während der Jogging-Runde im Hotel.

Beim folgenden Frühstück im Soho habe ich sie mitgenommen.









Donnerstag, Juli 01, 2010

Heute Morgen um 11.07 Uhr



Mein Dietikon - meine Schweiz - mein Balkon - mein Fuss!
Mein letzter STBY-Tag ....

Komm gut nach Hause Dide!

Ich düse morgen nach NY und wollte eigentlich mit dem abtauschen – doch der ist ja schon in NY....