Sonntag, Juni 27, 2010

das crewfressende Hotel


Ich möchte mich bei meinen mitlesenden Kolleginnen und Kollegen für die tolle Zusammenarbeit in den vergangenen zwei Wochen bedanken. Nichts, aber auch gar nichts brachte den Flugbetrieb aus dem Tritt und Umstellungen waren so selten, dass meine Wenigkeit volle zwei Wochen im eigenen Heim bleiben konnte. Auch das ist Bereitschaftsdienst. Wer meint, dass ich in diesen 14 Tagen faul auf der Haut herumlag, liegt nur zum Teil richtig. Der Keller ist aufgeräumt, der Kleiderschrank auch. Neben dem Altglas, das wieder in den Kreislauf eingebracht wurde, habe ich auch den Garten in Schuss gebracht. Immer mit dem Telefon im Hosensatz, immer gefasst darauf, dass mich eine der charmanten Damen der Einsatzzentrale innert Stundenfrist an einen exotischen Ort verfrachtet.

So wie gestern. Mitten in der Nacht, also etwas nach sieben Uhr in der Früh, hörte ich eine fremde Frauenstimme in meinem linken Ohr. Der verschlafene Blick auf die andere Bettseite verriet mir, dass ich keine Dummheit beging. Da lag meine Frau und träumte von einem gemeinsamen Tag auf dem Balkon. «Bombay!» triumphierte die Stimme in meinem Ohr. «Sie fliegen heute nach Bombay – und zwar schon sehr bald.»
Der Hund wedelte freudig. So früh stand Herrchen in den letzten zwei Wochen nie auf den Beinen. Ich musste ihn enttäuschen. Statt Morgenspaziergang Kofferpacken, statt Eichhörnchen jagen eine kalte Dusche.

Eine gute Stunde später sass im Planungsraum und gähnte den Herrn Kapitän an. Mein Organismus war noch nicht im grünen Bereich, es fehlten noch mindestens vier Milchkaffees und das Studium der Morgenzeitung. Er deutete meine nonverbalen Zeichen richtig, riss den Flug an sich und bestellte genug Treibstoff für den Ausflug in den indischen Monsun. Acht Flugstunden und unzählige Gewitterzellen später, checkte ich im Hotel ein. Ich mag dieses Hotel nicht. Dieses Hotel hat eine ganz unsympathische Eigenschaft: es frisst Crewmitglieder! Jawohl, kaum angekommen, sieht man die Kolleginnen und Kollegen nicht mehr. Ich pendle zwischen Kaffeeshop, Restaurant, Pool, Fitness-Center und Lobby – niemand! Man(n) fragt sich tatsächlich, wer für das Verschwinden der zarten Geschöpfe verantwortlich ist. Keine Public-Viewing (schreibt man das so?) Area, die jungen Mitbürgerinnen und Mitbürger zum Plastiktrompetenspielen animiert; kein Bischoff, der Jungs bei sich versteckt und weit und breit kein Einkaufszentrum, dass bei lauter Musik überteuerte Textilien an die Frau bringt. Wer weiss, was die Kolleginnen und Kollegen so alles in den verwinkelten Räumen treiben. Es geht mich ja eigentlich nichts an ...

So sitze ich mutterseelenallein im Coffeeshop, beobachte die netten Leute, lese in meinen mitgebrachten Schriften und freue mich auf die letzten zehn Tage Bereitschaft. Ich hoffe, dass das Uhrwerk SWISS weiterhin reibungslos läuft und ich auf dem Balkon ausspannen kann. Der nächste fix geplante Flug ist am 13. Juli. Das reicht mir völlig, damit ist meine Fluglust genügend gestillt. Haltet durch Jungs und Mädels, werdet nicht krank!

Kommentare:

  1. Heißt das jetzt nicht "Mumbay" ? :-)

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  2. Wie werden denn die Standby Tage bezahlt? Etwa voll?

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