Montag, Juni 14, 2010

2G

Es gibt viele Flüge, die zu lang sind, aber auch einige, die länger dauern dürften. Ach, habe ich gut geschlafen! Meine Nachbarin, eine charmante Schwedin, blond und hübsch, hat gesagt, dass ich schnarchte. Kein guter Beginn für einen Flirt, aber was soll‘s. Flirten wollten wir eh nicht. Wir kennen uns schon zu lange und arbeiten schon seit 1992 zusammen. Sie sitzt auf 2D, ich auf 2G und der Chef zu meiner Rechten auf 2K.

Zum Glück sind die Sitze in der ersten Klasse gross angeschrieben, denn merken kann ich mir die Positionen kaum. Viel zu wenig habe ich das Vergnügen, flach und begleitet von Sternekoch-Essen über den Wolken Richtung Yaoundé zu schweben.

Zu übermütig darf ich dennoch nicht werden. In knapp einer Stunde verschiebe ich meine Position um ein paar Meter nach vorne und nehme auf dem Copi-Sitz platz. Im gleichen Flugzeug, das wenig später zurück nach Zürich fliegt. Lange werde ich meine Position auf dem rechten Sitz im Cockpit aber nicht inne halten. Etwa drei Flugstunden vor Zürich lege ich mich zur Schwedin ins Bett – äh, nein, das muss heissen ins Bett der Schwedin. Wir wechseln die Aufgaben. Sie arbeitet, ich schlafe.

Notwendig wurde dieser Bettentausch, weil ein Copilot in der Hauptstadt Kameruns krank wurde und den Heimflug nicht antreten konnte. So wurden drei Piloten aus der Reserve aufgeboten, im Flugzeug gen‘ Süden geschickt, um in der gleichen Blechröhre und der gleichen Nacht zurückverfrachtet zu werden. Zusammen mit dem gesunden Kapitän werden wir drei Reservisten die A330 in die Schweiz pilotieren. «Full-Enlarged» nennt man so was in der Fachsprache und das bedeutet nichts anderes, als dass zwei komplette Pilotenbesatzungen den Heimflug durchführen. Ein Muss bei einer Arbeitszeit von über 17 Stunden.

Für mich ein Blitzbesuch in Afrika. Das wird einigen Fussballteams auch so gehen, doch das ist ein anderes Thema.

Kommentare:

  1. Auweia, NSI mit 3 Strichen und dann krank werden, nicht gerade ein Vergnügen....

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  2. Nur so aus Gwunder: Warum braucht es bei einem kranken Copiloten auch noch einen weiteren Captain als 3. Reserve für den Heimflug?

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  3. "2G"

    2 Gramm? Oder gravitätisch gesehen, Zweifache Gravitation?
    Muss wohl mit Erdanziehungskraft zu tun haben.
    So schwerelos ihr fligenden Piloten auch rüberkommen mögen: Anziehungskraft und Gravitations-Einheiten gehören wohl dazu, zum Pilotenberuf...

    Kompliment nff: ein unwiderstehlicher Blog.

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  4. @anonym 1:
    wie geschrieben, nicht alle mögen NSI nicht. Ich gehe nicht einmal ungern. Das Chaos in NSI ist mir lieber als die Scheinwelt in Shanghai.

    @anonym 2:
    kann von der Logik durchaus in Frage gestellt werden. Doch die Vorschriften sind hier restriktiv. Bei so langer Arbeitszeit geht es nur zu viert.

    @Richi:
    ... thanks

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