Donnerstag, Mai 13, 2010

Herbsttag

Nebel, Regen und 8°C – das musste ich gestern den Passagieren kurz vor der Landung in New York Kennedy verkaufen. Keine leichte Aufgabe. Leichter war der Auftrag, das Flugzeug auf den Boden zu bringen. Ein schwacher Wind von vorne, Sicht von fast drei Kilometern und – (ich brauche längere Gedankenstriche!) – einen kolosalen «Chlapf» beim Aufsetzen. Warum weich, wenn es auch hart geht?
Als wir vor dem Hotel standen realisierte ich erst, warum ich eigentlich so verdammt müde war. Die Uhr zeigte erst 14 Uhr Lokalzeit – das der Vorteil des frühen Fluges, der mit einem unmenschlich frühem Aufstehen in der Schweiz verdient werden muss.

Es regnete noch immer.

Eine halbe Stunde später rannte ich zu Jacky Kennedy oder dem Reservoir im Central Park, das nach der ehemaligen First Lady benannt wird. Durch die Pfützen, über die Dreckwege und auf den frisch gemähten Rasenflächen, machte ich Tempo, damit sich auf der Haut keine Frostbeulen bildeten. Scheisse – war das kalt!
Acht Kilometer später dann das Aus. Ich brach meine Runde ab und bestieg ein Taxi. Für zehn Dollar ruinierte ich dem Fahrer den Hintersitz, sparte aber 20 Minuten Asphaltjogging. Kein schlechter Tausch, vor allem bei Temperaturen um den Gefrierpunkt und leichtem Nieselregen.

Es war noch immer hell.

In einem dunklen Pub fand ich Trost, andere auch. Es war an diesem späten Nachmittag zum Bersten voll. Waschbrettbäuche rannten über einen Rasen (wie ich vor Stundenfrist), es regnete (wie bei mir) und ab und zu gab es harte Landungen (auch schon erlebt am heutigen Tag). Engländer spielten gegen Spanier und ich tat gut daran, die in den blauen Shirts zu unterstützen. Ein Burger und ein paar Bier später verliess ich die Spelunke. Das Spiel war noch nicht zu Ende, die Pub-Besucher glaubten noch immer an ein Wunder.

Wenige Minute später lag ich unter der warmen Daunendecke. Draussen war es noch hell und es regnete noch immer. Egal, ich schlief ein. Irgendwo auf der Welt war schliesslich jetzt auch Zeit dafür.

Gute Nacht!

PS: Dass der Schreiberling absolut kein Fussball-Fan ist, hat man sicherlich gemerkt. Man könnte fast sagen, dass mir dieses Spiel am Arsch (sollte ich da jetzt Sternchen setzen?) vorbei geht. Buchstäblich nicht am Arsch vorbei, geht mir die Tour de France. Ich kann stundenlang am TV sitzen und zuschauen, wie Radler den Berg hoch hechten. Ein kleiner Vorgeschmack auf die TdF gibt dieses Video:

Kommentare:

  1. Fussball? TdF? Was soll das? Im Herbst und im Winter spielt man Eishockey! Und da haben, während Du Dich unter Deiner Daunendecke verkrochen hast, die Schweizer an der WM die Kanadier mit 4:1 gedemütigt!!! Du weisst gar nicht was Du verpasst hast... ;-)

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  2. Ha! Da hast du recht. Leider interessierte sich in NY weder die Pubs noch die Sender für die WM..

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  3. Schade, jetzt habe ich dich um einen Tag verpasst, bin gestern nach New York geflogen, Wetter gut, Landung weich ;)

    Verfolge deinen Blog seit 2 Wochen und bin begeistert! Merci!

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  4. Guten Tag Herr nff !
    Gehört nicht zu dem aktuellen Eintrag - aber wissen Sie etwas über den Blog von bzw. über TROLLY DOLLY ? Ist sie untergetaucht ? Vielen Dank für allfällige
    News ;-)) URS

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  5. GOPF nff, ich fliege ja (auch freiwillig!) in etwa so oft nach JFK, wie du nach NRT oder LAX. Aber kannst du mir sagen, wie man "schwachen Wind von vorne" bekommt? Ich weiss nicht mehr, wann ich letztes Mal angeflogen bin, ohne irgendein 2xG3x...

    Aber auf die TdF freuen wir uns gemeinsam... GO LANCE! :-)

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