Donnerstag, April 08, 2010

Nichts ist notwendiger als das Überflüssige

«Aktualität ist nicht das was stattfindet, sondern das, worüber man reden kann», hat Peter Bichsel in einem Interview gesagt. Also reden wir darüber, schreiben wir darüber – über das iPad.
Ich war gestern nicht ganz unbelastet, als ich den 499 $ teuren Spiegel in den Händen hielt. Ganze zehn Stunden musste ich mich am gleichen Tag mit einem Vorgängermodell herumschlagen. PaceBlade (oder so ähnlich) heisst das Teil und dient bei uns an Bord als Bibliothek. Ein Herr aus Seattle hat freundlicherweise einen Berg Nullen und Einsen geliefert, damit das Gerät auch Informationen preisgibt. Diese hat ein helles Köpfchen aus unseren Reihen auf die Tafel geritzt und der Strom liefern die Generatoren von den Rolls-Royce Triebwerken. Am Ende der Handwerkerkette steht Airbus, die Steckdosen amerikanischer Norm an unmöglichster Stelle installiert.

Nur leider funktionierten zwei der drei Steckdosen gestern nicht.

Das bringt einen ehemaligen Flight-Engineer natürlich nicht aus der Ruhe. Ein Dreifachstecker (Radio-Shack, 0.97$ – nicht luftamtgeprüft) wurde an laufender Stelle montiert und die Kabel der Ladestation vorsichtig am Boden verteilt (auch nicht luftamtgeprüft). Es war zugegebenermassen mein Fehler, dass die Kabinencrew ungenügend instruiert wurde. Man hätte beim betreten des Cockpit die Serviceschuhe etwas anheben müssen, um die fragile Steckerkonstruktion nicht von der Stromquelle zu trennen. Leider geschah das bei jedem zweiten Besuch, was jeweils einen Absturz meiner Schiefertafel zur Folge hatte. Das wiederum war nicht so ein grosses Unglück, weil der Checkpilot dann mindestens 15 Minuten – Thanks Bill für die lange Aufstartzeit des Windows XP – keine Fragen stellen konnte. Nein, meine ersten Erfahrungen mit Computern ohne Tastatur sind nicht die besten.

Wenn man dann nach der Dusche (wunderbar!) und vor dem Lobster (unglaublich!) so ein iPad (uiiiii) in den Händen hält, imponiert nur schon die Batterielaufzeit. Angeblich zehn Stunden soll sie betragen: genug um mit defekten Steckdosen von Zürich nach New York zu fliegen. Dann dieser Spiegel! Hintergrundbeleuchtet und von fantastischer Qualität. Wer so ein Teil im Cockpit sein eigen nennt, kann sich vor Besuchen aus der Damenwelt nicht mehr wehren. Was das Teil sonst noch kann, habe ich noch nicht herausgefunden. Doch die oberen Qualitäten allein wären Gründe genug, jedes Swiss Cockpit mit zwei dieser Dinger auszustatten.
Ich muss sagen, dass mich der zwei Pfund Lobster aus Maine und der Weisswein aus spanischen Landen mehr imponierten, aber wer weiss, vielleicht …
Schliesslich ist nichts notwendiger als das Überflüssige!

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Der Schreiberling verabschiedet sich in die Ferien. Ich will Brest einmal von unten sehen, Austern essen, Chablis trinken, Krebse verspeisen, Baguette verschlingen, Croissants mit Butter beschmieren, lesen, laufen joggen, ausspannen und – nichts, aber auch gar nichts von Flugzeugen hören! Adieu!

Kommentare:

  1. In diesem Sine "Bonne vacances!" Ich freue mich schon jetzt darauf, bald wieder von dir zu lesen!

    Gruss
    Tomy

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  2. wow... wünschen euch dreien wunderschöne Ferien!!!
    bis bald mal bei uns im garten in spreiti.

    Gruss
    SM

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