Samstag, Februar 20, 2010

Mundgeruch

Seit kurzem wissen wir nun, warum Passagiere Tomatensaft so mögen. Die Lufthansa hat es untersuchen lassen und die Wissenschaft gab die Antwort. Scheinbar funktionieren die Geschmacksrezeptoren in der Höhe anders als in tiefen Lagen. Das zumindest behauptet eine deutsche Wissenschaftlerin, die sich ihr Geld als Aromachemikerin am Fraunhofer-Institut verdient.

Die Dame hat keine Ahnung!

Das sage ich nicht als Wissenschaftler, sondern als Praktiker. Haben sie schon einmal in einer Skihütte auf 3000 M. ü.M. beobachtet, dass jemand einen Tomatensaft bestellt? Wohl kaum.
Prosten sich die Gelifteten und Gebotoxten in St. Moritz am Pferderennen auf 1800 M. ü. M. mit überflüssiger Sugo zu? Natürlich nicht!
Wissenschaftler verlasst eure Labore und geht in die Berge! Betreibt Feld-, Hütten- und Skihaserlforschung! Der Schnee ist herrlich, die Sonne macht glücklich.

Dass Forscher wiederholt falsche Schlüsse aus Beobachtungen in Flugzeugen ziehen, ist nicht verwunderlich. Das Flugzeug ist ein irrationaler Raum, indem ununterbrochen seltsame Sachen passieren, noch seltsamere Personen eingesperrt sind und Verrückte arbeiten. Man braucht Erfahrung, diese Eindrücke zu deuten. Man braucht Wissen, das man in Hörsälen nicht vermittelt bekommt.

Wissenschaftler sollten sich vom Tomatenparadox verabschieden und sich praktischeren Dingen zuwenden. So zum Beispiel dem Mundgeruch. Nach spätestens sechs Stunden riecht es aus dem Rachen eines Passagiers wie aus einem Slum in Bombay. Ist es die trockenen Luft? Ist es das Essen? Ist es der Alkohol – oder ist es alles zusammen? Der Tomatensaft kann als Quelle der üblen Gerüche ausgeschlossen werden, schliesslich schmeckt und riecht er nach nichts. Es wäre uns Besatzungen sehr geholfen, wenn sich das Fraunhofer-Institut oder die Lufthansa dem Problem annehmen könnte. Obwohl ich glaube, dass die Kranich-Airline im Moment grössere Probleme hat.

Gut, wir haben natürlich Zahnbürsten für die minimale Mundhygiene an Bord, aber auch diese haben ihre Tücken. Die Borsten der Bürste haben die Stärke von Fahrradspeichen und die Zahnpaste mit dem Namen «Gum», hergestellt in Japan und abgepackt in China, riecht nach dem Notvorrat der Schweizer Armee.
Bereits fünf Minuten nach dem Reinigungsprozedere wachsen Haare auf der Zunge – zumindest fühlt sich das so an – und der Durst steigt ins Unermessliche. Unnötig zu betonen, dass neben dem blutenden Zahnfleisch und dem seltsamen Geschmack, auch der Schmutzbelag auf den Zähnen verbleibt. Statt nach indischem Slum, riecht der Atem jetzt nach chinesischer Seitengasse.

Ich bin verzweifelt! Wissenschaftler helft mir! Ihr erreicht mich wie immer in Tokio...

Kommentare:

  1. Genau das wollte ich das streifenhörnchen mal fragen. Unzählige FAs, die ich gefargt haben, konnten mir die Tomatensaftfrage nie beatworten. Nie sehe ich jemand Tomatensaft bestellen, ausser in Lounges und m Flieger. Wirklich äusserst rätselhaft.

    Wie trainieren eigentliche FAs ihre Nasen, um nicht jedesmal zusammenzuzucken wenn sie im abstand von 3cm die rachengerüche ertragen müssen?

    Gruss
    Philippe (der immer seine eigene Zahnbürste&elmex dabei hat)

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  2. Weisst du NFF, nicht überall wo wissenschaftlich draufsteht, ist auch wissenschaftlich drin.... Von daher geht nichts über den gesunden Menschenverstand!

    Gruss, Tomy

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  3. Noch eine Parallele zwischen dem Flieger und den Skiferien:

    In der vollgepackten Gondelbahn am Morgen danach stinkt es nach Mundgeruch, Schweiss, indischem Slum und Chinesischer Kanalisation zugleich...

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  4. deshalb verteilen wir bei Swiss die Hottowels gleich zu beginn des letzten Services, aufmerksamen Passagieren ist eventuell aufgefallen, dass diese leicht nach Parfum riechen. Der Geruch ist im Galley derart stark, dass er den F/A's die Riechzellen veräzt, Probleme mit Mundgeruch erübrigen sich so für den Rest des Fluges...

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  5. Also ich trink im Flieger keinen Tomatensaft. Kaffeeflecken auf dem weißen T-Shirt durch die Schaukelei bei Turbulenzen reichen schon aus, damit die Leute einen blöd angaffen. Tomatensaftflecken müssen's nicht sein ;-)
    Zur Zahnpflege habe ich Kaugummi dabei - zuckerfrei, mit Minzgeschmack.

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  6. Als "nur Pax" kann ich einfach nur meine Intension niederschreiben:
    Der Tomatensaft representiert für mich einfach nur den "offiziellen" Beginn des Urlaubs. Nach all dem Eingangsstress, Planung, Kofferpacken, zum Airport kommen ohne Stau, einchecken und einen genehmen Sitz bekommen, die Erkenntnis, daß ich den Take Off wieder mal überlebt habe, ist der erste Service für mich einfach rituell der Punkt zu sagen: ENDLICH URLAUB!
    Ich möchte nicht mehr drauf verzichten.

    "Tweety"

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  7. Die Frage mit dem Tomatensaft, stelle ich mir auch mehr als vier Mal im Jahr. Wenn ich wieder geschäftlich oder private im Flugzeug unterwegs bin. Das Mundgeruch-Problem, lässt sich zum Glück nicht auf Kurz- bis Mittelstrecken umwälzen.

    Ich trinke übrigens immer Coca Cola - The Coke Side of Life!

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