Sonntag, Februar 28, 2010

Schneeflocken

Genoss ich letzte Woche in Japan noch Sonnenschein und Pflaumenblüten, betrachte ich heute am gleichen Ort etwas befremdet den Tanz der Schneeflocken. Glaubt man dem Übersetzungsprogramm vom Google, dann heisst Schnee auf Japanisch «Yuki», was wiederum auch «Glück» bedeutet und auch gleichzeitig dem Vornamen von Schätzungsweise 50 Prozent unserer japanischen Kolleginnen in der Kabine entspricht.
Zum Glück setzt sich das Glück vom Himmel nicht auf dem Boden fest. Ein Chaos wäre Tokio sicher.
Doch nicht der Schnee ist das grosse Thema hier in Tokio, vielmehr ist es der drohende Tsunami, der in diesen Minuten auf die Ostküste Japans auftreffen soll. Am Bildschirm werden ununterbrochen Warnungen publiziert und Bilder gesendet, die Arbeiter beim Hochziehen von Schutzwällen zeigt. Japan ist ein Land, das sich mit Erdbeben und seinen dramatischen Folgen auseinandersetzen muss und dementsprechend vorbereitet ist.

Ich bin es nicht.

Nicht, dass ich die Verhaltensregeln bei Erdbeben nicht kennen würde, aber wenn ich am Bildschirm Warnungen blinken sehe, die vor Wellen bis zu zwei Metern warnen, dann blicke ich bange Richtung Meer. Ich mag es auch ganz und gar nicht leiden, wenn eine Naturgewalt mitten in der Nacht an meinem Bett schüttelt und den Adrenalinspiegel in die Höhe schiessen lässt. Auch Spalten, die ihren Schlund öffnen und heisse Lava speien, kann ich nicht ausstehen.

Ich hasse Naturgewalten – ich mag Schnee.

Schnee bedeutet Stille, Frieden oder eben Glück. Selbst grosse Mengen Schnee sind in der Regel unproblematisch, vorausgesetzt man lässt sie in Ruhe.
Der Tanz der Schneeflocken vor dem Fenster geht weiter. Ich geniesse es, ich bin zufrieden, ich bin «Yuki»!

Montag, Februar 22, 2010

Sushi-Express

Dank schnellem Approach in Zürich (Danke!) bin ich schon zu Hause.

Hier noch ein kleiner Eindruck vom heutigen Sushi-Express.


Sonntag, Februar 21, 2010

Sonntag in Sawara

An diesem prächtigen Sonntag machte sich eine kleine Gruppe unter kundiger Führung auf den Weg nach Sawara im Distrikt Chiba.

Die kundige Führung war wirklich kundig!

Unser Kabinenchefs, der nach eigenen Angaben schon zum 270. Mal nach Tokio flog und fliessend Japanisch spricht, lotste die Gruppe durch die Tempelanlage nordöstlich von Narita. Praktisch, dass der oben erwähnte Führer seinen japanischen Bekannten einlud, der uns mit seinem Honda von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit chauffierte. Wir sahen nicht nur vieles, wir profitierten auch vom Hintergrundwissen unserer Guides.

Lassen wir die Bilder sprechen.



ein blühender Pflaumenbaum mitten im Februar


Hunde beim Sonntagsausflug im eigenen Kleinwagen


Händewaschen erwünscht, bevor man den Shrine betritt


Das Eingangstor zum Yasaka Shrine


Eine schöne und stolze Braut! Auf meine Frage, woher der gelinde gesagt
etwas spezielle Kopfschmuck herkomme, hatte der Fachmann eine
für mich ganz unerwartete Antwort bereit:

Japanische Frauen – so der Japaner, würden nach der Heirat
zur übertriebenen Eifersucht neigen. Als Zeichen dafür wachsen den jungen Bräuten
Hörner, die sie mit diesem grossen Kopfschmuck zu verdecken versuchen.

Darum verstehe ich nicht, warum sich so viele Gemüter in Europa ob
dem Kopftuch erhitzen. Muslimische Männer sind vermutlich
auch nicht besser als japanische...




an eine japanische Hochzeit kommt
man besser mit sauberen Socken


Der steile Weg zum Shrine der Seefahrer
und Piloten


Wir verneigten uns vor den Göttern,
damit sie uns auch weiterhin gut beschützen


... und zum Schluss der obligate Weg zum
Shrine der Flight Attendants

Morgen blickt die Nase dann wieder Richtung Westen. So
wunderschöne Landschaften wie unten abgebildet werden wir auf
unserem Heimweg überfliegen. Ich freue mich auf zu Hause, in Tokio bin ich ja wieder innert Wochenfrist...


Samstag, Februar 20, 2010

Mundgeruch

Seit kurzem wissen wir nun, warum Passagiere Tomatensaft so mögen. Die Lufthansa hat es untersuchen lassen und die Wissenschaft gab die Antwort. Scheinbar funktionieren die Geschmacksrezeptoren in der Höhe anders als in tiefen Lagen. Das zumindest behauptet eine deutsche Wissenschaftlerin, die sich ihr Geld als Aromachemikerin am Fraunhofer-Institut verdient.

Die Dame hat keine Ahnung!

Das sage ich nicht als Wissenschaftler, sondern als Praktiker. Haben sie schon einmal in einer Skihütte auf 3000 M. ü.M. beobachtet, dass jemand einen Tomatensaft bestellt? Wohl kaum.
Prosten sich die Gelifteten und Gebotoxten in St. Moritz am Pferderennen auf 1800 M. ü. M. mit überflüssiger Sugo zu? Natürlich nicht!
Wissenschaftler verlasst eure Labore und geht in die Berge! Betreibt Feld-, Hütten- und Skihaserlforschung! Der Schnee ist herrlich, die Sonne macht glücklich.

Dass Forscher wiederholt falsche Schlüsse aus Beobachtungen in Flugzeugen ziehen, ist nicht verwunderlich. Das Flugzeug ist ein irrationaler Raum, indem ununterbrochen seltsame Sachen passieren, noch seltsamere Personen eingesperrt sind und Verrückte arbeiten. Man braucht Erfahrung, diese Eindrücke zu deuten. Man braucht Wissen, das man in Hörsälen nicht vermittelt bekommt.

Wissenschaftler sollten sich vom Tomatenparadox verabschieden und sich praktischeren Dingen zuwenden. So zum Beispiel dem Mundgeruch. Nach spätestens sechs Stunden riecht es aus dem Rachen eines Passagiers wie aus einem Slum in Bombay. Ist es die trockenen Luft? Ist es das Essen? Ist es der Alkohol – oder ist es alles zusammen? Der Tomatensaft kann als Quelle der üblen Gerüche ausgeschlossen werden, schliesslich schmeckt und riecht er nach nichts. Es wäre uns Besatzungen sehr geholfen, wenn sich das Fraunhofer-Institut oder die Lufthansa dem Problem annehmen könnte. Obwohl ich glaube, dass die Kranich-Airline im Moment grössere Probleme hat.

Gut, wir haben natürlich Zahnbürsten für die minimale Mundhygiene an Bord, aber auch diese haben ihre Tücken. Die Borsten der Bürste haben die Stärke von Fahrradspeichen und die Zahnpaste mit dem Namen «Gum», hergestellt in Japan und abgepackt in China, riecht nach dem Notvorrat der Schweizer Armee.
Bereits fünf Minuten nach dem Reinigungsprozedere wachsen Haare auf der Zunge – zumindest fühlt sich das so an – und der Durst steigt ins Unermessliche. Unnötig zu betonen, dass neben dem blutenden Zahnfleisch und dem seltsamen Geschmack, auch der Schmutzbelag auf den Zähnen verbleibt. Statt nach indischem Slum, riecht der Atem jetzt nach chinesischer Seitengasse.

Ich bin verzweifelt! Wissenschaftler helft mir! Ihr erreicht mich wie immer in Tokio...

Dienstag, Februar 16, 2010

Strassenstriche in Tokio



Shibuya hat viele Striche auf der Strasse, die auch rege benutzt werden.
Ich war letztes Wochenende da und werde nächstes und übernächstes auch dort verbringen.
Gut, dass ich dazwischen einige Tage im Engadin ausspannen kann!

Freitag, Februar 12, 2010

Eingeschlafen

Ein gutes Buch, Musik im Ohr, ein bequemer Sitz und etwas Wasser, was braucht der schlaflose Narita-Besucher sonst zum glücklich sein?
Mein Rad läuft rund –, runder als letzte Woche in Yaoundé und viel ruhiger, als vor Monatsfrist in Hongkong. Hänge ich an den Destinationen wirklich nur noch in den Fitnesszentren herum? Man könnte es bei meinen Einträgen so deuten.

Mein Körper hat mir letzten Herbst eine Rechnung präsentiert, die ich fast nicht bezahlen konnte. Vierzehn Jahre Langstreckenfliegerei mit immer strenger werdenden Einsatzplänen, die mittlerweile wissenschaflich belegt aus Sicht der Gesundheit fragwürdig sind, gehen nicht spurlos am Körper vorbei. Doch ich scheine nicht der Einzige zu sein, der mit Schlaflosigkeit zu kämpfen hat. Das hoteleigene Fitness ist am Morgen um 4 Uhr rammelvoll.

Vier Uhr – in der Schweiz startet das Abendprogramm. Um sechs stehe ich unter der Dusche, um sieben fährt der Bus. Wenn es Tag wird in Narita, zieht es mich nach draussen. Zu schön ist Japan, zu interessant die Stadt Tokio.

Mein Hintern ist auf dem Sattel eingeschlafen, wenigstens er findet etwas Ruhe.

Donnerstag, Februar 11, 2010

Geschafft!

Die neue Nummer ist im Kasten, der Redaktionsschluss bald vorbei.
Sechs Beiträge geschrieben, redigiert, abgeändert, umgeschrieben, gegengelesen und schlussendlich als finale Version verschickt.
Es macht Spass und ist intensiv. Er weiss wovon ich schreibe, er hat die ganze Arbeit über Jahre auf einem sehr hohen Niveau fast alleine gemacht.

Jetzt habe ich wieder Luft, jetzt kann ich wieder etwas die Beine strecken.

Die Koffer sind gepackt und in einigen Minuten werde ich mein Heim Richtung Tokio verlassen. Ein Besuch in Atami steht auf dem Programm. Neben dem Besuch des MOA werde ich mit Sicherheit meinen Hintern in eine heisse Quelle halten.

An meine zwei treusten Leserinnen:
- SWISS 160 mag heute Abkürzungen
- nff hat sein OM C wieder einmal im Flugi verlegt...

Sayonara