Unbequemer ist es, wenn Personen wie Piloten, die gewohnt sind alles zu kontrollieren, nicht aktiv ins Geschehen eingreifen können. Man(n) kennt das, wenn Frau einmal das Steuer am eigenen Wagen übernimmt – Piloten kennen das, wenn sie ihr Leben im Ausland einem Taxifahrer anvertrauen. Scheinbar zur gleichen Zeit haben sich zwei Copiloten auf zwei verschiedenen Kontinenten in die gleich lebensgefährliche Lage begeben. Während sich Kollege Skypointer ins indische Verkehrschaos stürzte, erkundete ich das Johannesburger Hinterland.
Unsere Ausflüge scheinen einiges gemeinsam zu haben: Frühe Tagwacht, Stau in der Stadt, Rasen über die Nebenstrasse, Tiere auf der Fahrbahn, Angstschweiss und viel Alkohol am Abend nach dem Ausflug. Dankbar bin ich aber, dass unsere Fahrt nur 5 Stunden dauerte, der Wagen in ausgezeichnetem Zustand war, tadellose Sicherheitsgurten hatte und der Fahrer durch die Anwesenheit von zwei Sicherheitsbeamten aus dem Land der Reduitfestungen in seinen Rasergelüsten zurückgebunden wurde.
In Pilanesberg angekommen legten wir die Gurten ab und konzentrierten uns auf das Leben hinter den Autoscheiben. Schon nach zehn Minuten fuhren wir über ein stinkendes Häufchen, das angeblich den Löwen zuzuordnen war. Mangels Robidog darf die Tierkacke hier in Afrika noch getrost und ungestraft liegen gelassen werden.
Unser Hunger nach Wildtieren wurde bald gestillt. Impalas, Springbocks, Giraffen, Flusspferde (heissen die fern vom Nil auch Nilpferde?) und Wildsauen kreuzten unseren Weg. Elefanten soll es auch gehabt haben, aber die hat meine Wenigkeit angeblich verpennt. Die Löwen haben wir nicht mehr gesehen, dafür haben sich zwei Tiger in unserem Wagen verirrt – aber das ist eine andere Geschichte.

Als wir vom staubigen Land genug hatten und der Magen knurrte, stand plötzlich dieser unsympathische Zeitgenosse vor uns. Brav machte unser Fahrer Platz, denn keiner von uns verspürte Lust, sich mit dem Einheimischen um den Vortritt zu streiten. Die Fotoapparate wurden gezückt und der Moment verewigt.

Schutzengel haben dafür gesorgt, dass wir am Abend wie die Löwen unser 500g T-Bone Steak «medium-rare» geniessen konnten. Zurück bleibt die Erinnerung an einen schönen Ausflug und die Hoffnung, dass sich mir heute Nacht im Luftraum über Afrika nicht wieder ein Springbock* in den Weg stellt.


* die «South African Airlines» benutzt das Rufzeichen «Springbock» im Funkverkehr.
