Sonntag, November 15, 2009

jingle bells

Ein Flachbildschirm, zwei Betten, ein Durcheinander und durchschwitzte Sportwäsche am Boden – so kann man mein Hotelzimmer hier in New York in wenigen Worten beschreiben. Die dicken Vorhänge sind gezogen und halten das Licht so gut ab, wie es mit den Plastikdingern halt geht.

Bald lösche ich die Leselampe, schalte den Computer aus und hoffe, dass ich vor dem langen Flug die Augen noch ein bisschen schliessen kann. Müde wäre ich – müde vom Joggen im Central Park, müde von Spaziergang in Soho und müde vom Kampf gegen die Massen. Draussen wimmelt es an diesem Sonntag von Leuten. In der Regel halten sie in beiden Händen grosse Plastiktaschen, die nicht selten den Schriftzug von «Macy‘s» tragen. Dieses grossen Warenhaus liegt gleich um die Ecke des Hotels und scheint Shoppingwillige anzuziehen, wie der Speck die Maden.

Die deutsche Sprache ist gut vertreten, der Schweizer Dialekt auch. Französische Brocken schnappe ich auf und italienische Flüche erklingen. Holländer beweisen ihre Sparsamkeit und Dänen ihren Charme. Es wird eingekauft, als ob es Morgen verboten würde. Die paar einheimischen New Yorker agieren als Zuschauer. Sie, die erst nach Thanksgiving ihre Weihnachtseinkäufe erledigen, wundern sich ab dem offensichtlichen Mangel an Gütern im fernen Europa.

Doch es hat auch ein paar normale Touristen in der Stadt. Als ich heute auf meinem Heimweg an einem Sexkino vorbei kam, verliessen zwei jugendliche Besucher das Lichtspieltheater. Beide hatten die Hemdkragen hochgeschlagen und schauten verlegen nach links und rechts. Über der Schulter baumelte bei einem ein Rucksack der Schweizerischen Bundesbahnen, was ihn zweifelsfrei als Landsmann identifizierte. Ein Gruss meinerseits im schönsten Züridütsch veränderte seine Gesichtsfarbe schlagartig, die fortan röter als das SBB Logo leuchtete. Das war gemein, ich weiss.

So, Schluss mit dem Texten. Ich sollte schlafen, die Kraft brauche ich noch heute Nacht. Es ist nicht nur der Flug, der viel abverlangt, es ist auch das Beladen des Busses. Denn auch unsere Mädels werden viel eingekauft haben, das steht fest. Koffer mit dreissig Kilogramm und mehr warten auf meine Oberarme und werden die Rückenmuskulatur stärken. Viel Schlaues weiss ich nicht mehr zu berichten. Darum beende ich den Text mit einem Zitat (Danke Mäse!), das so gut in die vorweihnachtliche Zeit passt:

Heutzutage kaufen viele Leute mit dem Geld,
das sie nicht haben, Sachen,
die sie nicht brauchen,
um damit Leuten zu imponieren,
die sie nicht mögen...
Ernst Bloch, dt. Philosoph, 1885-1977

Kommentare:

  1. Genau so ist es !
    Das ist einer meiner Lieblingssprüche :-)
    Noch einer gefällig ?

    Der Reichste
    ist nicht der, der das meiste besitzt,
    sondern der,
    der am wenigsten braucht. (Verfasser unbekannt)

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  2. Gerne geschehen...
    Mäse

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  3. die kleinen Freuden des Lebens... es wird wohl ein echtes Hochgefühl gewesen sein denn SBBler mit einem breiten Grüezi zu enttarnen...

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