Mittwoch, November 25, 2009

Checklisten

Auf meinem Arbeitsgerät hat es Checklisten für alle Eventualitäten, Banalitäten und Absurditäten. Punkt für Punkt ist da geregelt, was zu tun, zu sagen und zu quittieren ist. Nicht selten gibt das im Cockpit Grund zum Schmunzeln. Meistens dann, wenn eine neue Checkliste eingeführt, oder uralte Abläufe abgeändert werden.

Jetzt muss man wissen, dass die meisten der Checklisten vom Hersteller aus Frankreich kommen. Ich habe viele schöne Tage in und um die Bäckereien Frankreichs verbracht und die Einwohner nie als pedantisch oder überaus kompliziert empfunden. Eher das Gegenteil war der Fall. Unkompliziert standen sie Schlange, kauften das lange Baguette beim Bäckermeister und klemmten das frische Broterzeugnis für den Heimweg unter die verschwitzten Achselhöhlen.

Thomas Wale (1701 -1796) beschreibt die Franzosen in der Gewohnheit als wechselhaft und in der Ehe als frei. Also doch! Die Deutschen seien in der Gewohnheit Nachahmer und in der Ehe Gebieter, meint der Gelehrte. Da die Briten und die Spanier auch im Airbus Konsortium mitmischen, dürfen ihre Merkmale laut Wale hier nicht fehlen. Beim Briten weiss der längst Verstorbene zu wissen, dass sie im Gemüt wandelbar und in der Ehe bescheidene Diener seien. Spanier sind angeblich in der Partnerschaft Tyrannen und im Geschäft wie Elefanten. Um mich zu schützen möchte ich noch einmal betonen, dass diese Aufzählung nicht von mir stammt, sondern vom oben genannten Gentleman. Für einmal habe ich diese Weisheiten nicht von Wikipedia, sondern vom absolut unentbehrlichen Sammelsurium aus Ben Schotts Feder. Ein Buch, das in jede Bibliothek gehört. Doch dazu ein anderes Mal.

Also, jetzt stelle man sich einmal vor, was passiert, wenn so verschiedene Charakteren zusammenkommen. Da braucht es Regeln, Vorschriften und eine Sprache, die alle verstehen. Das war die Geburtsstunde der Airbus Checklisten. Man kann mit Hilfe dieser weder ein Baguette kaufen, noch mit einer charmanten Spanierin flirten, dafür den Redefluss im Cockpit kanalisieren und standardisieren. Ich liebe das.

Doch leider gibt es in einem Flugzeug nicht für alles ein Rezept, das auf ein plastikverstärktes Papier passt. So gibt es meines Wissens keine Vorschrift, die das Zubereiten des Nespresso regelt. Ich weiss auch nichts über Vorschriften zum Gebrauch der Kleiderbügel. Warum auch? Sinn würde das kaum machen. Dafür hat es in den Toiletten kleine Schlitze, wo man die Rasierklingen verstauen kann, obwohl niemand mehr Rasierklingen benutzt und diese eh verboten sind. Apropos Toiletten, wie würde wohl eine Checkliste (und das zugehörende Wording!) bei partnerschaftlicher Benutzung des stillen Örtchen aussehen? Zum Akt käme es mit Bestimmtheit nie!

Habe ich sie gelangweilt? Macht nichts. Checklisten haben das so an sich.

Kommentare:

  1. Also gelangweilt fühle ich mich überhaupt nicht beim Lesen Ihrer Ergüsse. :)

    Im Gegenteil eher amüsiert und was den Herrn Schott angeht, das ist doch gleich mal ein Tipp so kurz vor Weihnachten.

    Vielen Dank von einer treuen Leserin

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  2. Dem kann ich nur beipflichten. Höchst illuster und kurzweilig geschrieben; das würde ich mir im Ausdruck von so manch anderem Individuum dieses Planeten auch mal wünschen.

    Wobei-selbst dahingehend habe ich das Gefühl, 98% der Population könnten bereits dem ersten Satz schon nicht mehr folgen. Dieses nicht als böswillige Unterstellung, sondern als offensichtlich trauriger Umstand gesellschaftlichen Wandels.

    Go ahead please.

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