Dienstag, August 25, 2009

schlaf, Copi schlaf


Schlaf, Copi, schlaf.
Der Captain hüt' die Schaf,
die Cockpittür wird zugeknallt,
im Galley wird ganz laut gelallt.
Schlaf, Copi, schlaf.

Schlaf, Copi, schlaf,
jetzt schnarcht auch der Chef ganz brav
der Autopilot ist das Lämmerlein,
der ATHR das Schäferlein.
Schlaf, Copi, schlaf.

Schlaf, Copi, schlaf.
diese FDRs sind eine Straf
der Crewbunk der ist unbequem
und laut wie Mozarts Requiem
Schlaf, Copi schlaf.

Schlaf, Copi, schlaf.
auch wenn du bist jetzt schlaff
musst du machen die Landung
Punktgenau und mit viel Schwung
Brav, Copi brav.

Eine Woche meiner langen Ferien sind jetzt um. Jeden Abend ging ich knapp nach dem Eindunkeln ins Bett und schlief zehn Stunden durch. Dazu gesellte sich über die Mittagszeit eine Siesta von mindestens 90 Minuten. Und wissen sie was? Ich bin immer noch müde.

Mein Körper braucht die Ruhe. Er schreit förmlich nach Schlaf und lässt mich das auch spüren. An Anlässen nicke ich ein und nicht mal ein Spielfilm am Fernsehen kann ich geniessen, ohne dass meine Augen sich schliessen und der Kopf zur Seite kippt. Normal finde ich das nicht.

Auch die Luftfahrtsicherheitsbehörde der Europäischen Union, die EASA, findet das nicht normal und hat eine Wissenschaftliche Studie in Auftrag gegeben. Diese so genannte «Moebius-Studie» hat sich kritisch mit den geltenden Flugdienstvorschriften auseinandergesetzt. Die Wissenschaftler haben 18 Punkte kritisiert, die sicherheitsrelevant sind und zur Übermüdung der Flugbesatzungen führen. Natürlich kritisierten die Airlines die Ergebnisse der Studie. Der Ball liegt jetzt bei der Politik.

Selbstverständlich dürfen die Pilotenverbände zu diesem Thema nicht schweigen. Unter dem Titel «Flying drunk … or too tired to care?» veröffentlichte die IFALPA im Oktober 2007 einen lesenswerten Artikel zum Thema Müdigkeit. Im Text wird darauf hingewiesen, dass die Reaktionszeit bei Wachperioden von grösser 16 Stunden ähnlich der nach starkem Alkoholkonsum sei. Laut einem Artikel im TIME Magazin entspricht eine Wachperiode von zwanzig Stunden 0.8 Promille Alkohol im Blut. Nicht von ungefähr raten uns mitfliegende Polizisten immer wieder, dass wir nach Nachtflügen besser nicht mit dem Auto nach Hause fahren sollen.

Vor nicht langer Zeit habe ich einen Piloten interviewt, der 1994 mit etwas über 12‘500 Flugstunden pensioniert wurde. Kolleginnen und Kollegen, die heute in die Linienfliegerei eintreten, werden voraussichtlich mit 25‘000 Flugstunden in den Ruhestand geschickt – also mit genau dem Doppelten.

Unsere Körper rebellieren bereits dagegen, unser Geist noch nicht. Das müssen wir ändern!

Freitag, August 21, 2009

mein Flug mit Griess-Air

Würden ausgewählte Handwerksbetriebe eine Airline führen, dann blieben die Sitze wegen des zu erwartenden Chaos mit Bestimmtheit leer. Trotzdem buchte ich einen Sitz auf der renommierten Griess-Air, die gemäss eigener Internetseite behauptet, dass sich der Kunde um nichts mehr zu kümmern braucht. Der Name Griess-Air ist übrigens erfunden und Ähnlichkeiten mit existierenden Firmen sind nicht beabsichtigt.

«Guten Tag, leider sind alle unsere Speziallisten im Moment besetzt. Bitte haben sie einen Moment Geduld.» Für 25 Rappen die Minute singt mir Michael Jackson einen Thriller vor. Nach 75 Rappen hört das Kreischen auf. Immerhin – hätte ich den Song im iTunes Store gekauft, er wäre doppelt so teuer gekommen. Draussen schneit es, wir schreiben den 3. März.
«Grüezi, wie kann ich ihnen helfen?»
«Ich würde gerne einen Flug nach New York buchen»
«Wann soll die Reise dann stattfinden?»
«So bald als möglich.»
«Reisen sie allein?»
«Nein, meine Frau und der Hund begleiten mich.»
«Oh, das wird kompliziert.»
«Warum?»
«Für Männer ist eine andere Abteilung zuständig als für Frauen. Hundetransporte haben wir ausgelagert.»
«Mir ist eigentlich Wurst, wie sie ihre Firma organisieren. Geht es oder geht es nicht.»
«Ich schicke einen Berater vor Ort. Wann passt es ihnen?»
«Nächsten Dienstag.»
«Dienstag ist gut. Er kommt zwischen 7.30 Uhr und 12.30 Uhr.»
«Geht es nicht ein bisschen genauer?»
«Was stellen sie sich vor? Wir haben noch andere Kunden!»

So sass ich am folgenden Dienstag erwartungsvoll in der Küche und wartete auf den Kundenberater. Er kam um 14 Uhr, mass mich, meine Frau und den Hund aus und versprach, sich bald wieder zu melden. Drei Wochen später traf der Kostenvoranschlag ein. Der Fachmann riet mir aufgrund meiner Grösse in der Businessklasse zu reisen und meine Frau als Verwöhnprogramm in der First zu buchen. Es sei zwar etwas teurer, dafür luxuriöser. Den Hund würde er vom hinteren ins vordere Compartement upgraden, und das ganz ohne Zusatzkosten. Wir akzeptierten das Angebot und freuten uns den Flug.

Am Reisetag klebten wir wie kleine Kinder an der Scheibe des Flughafens und schauten, wie breitschultrige Männer unser erstaunlich kleines Flugzeug mit Hund und Koffern beluden. Minuten später liefen wir die Passagierbrücke hinunter und nahmen Platz. So geräumig war die Businessklasse auch nicht, doch «who cares», schliesslich ging es endlich los.

Man schrieb Mitte Mai, als wir Richtung Startpiste rollten. Ich fragte den Piloten noch, ob wir mit dieser kleinen Klapperkiste denn wirklich nach Übersee kämmen? Er bejahte und wir stiegen langsam gegen den Himmel. Schon über Basel begann der Propeller zu stottern. Das Benzin sei ihm ausgegangen, sagte der schwitzende Flugzeugführer. Er hätte die Tankkapazität der Cessna 152 scheinbar doch überschätzt.

Am gleichen Abend hörte ich wieder Michael Jackson zu, der damals übrigens noch lebte. Drei Minuten später war klar, dass ich den Song gescheiter bei iTunes gekauft hätte – es wäre billiger gewesen. Neuer Termin: Ein Tag im Juni, irgendwann zwischen 7.30 Uhr und 12.30 Uhr.

Im Juni ein weiterer Versuch. Die Maschine war grösser und der Sitzabstand auch. Alles klappte prima bis über der Stadt Paris. Sie hätten ein Flugzeug ohne Druckkabine erwischt, entschuldigte sich die Hostess. Dass wir neuerlich nach Zürich zurückkehren müssen sei sicherlich auch in unserem Sinn. Der Hund stehe noch auf dem Vorfeld – jemand vergass ihn einzuladen.

Aerosmith krähten mir «Crying» ins rechte Ohr und ich wartete neuerlich vier Minuten am Telefon. Wir seinen schwierige Kunden, informierte mich die Telefonfee, aber sie versuche alles menschenmögliche, dass wir einen neuen Termin ohne übliche Wartefrist bekämen. Schliesslich stehen die Sommerferien vor der Tür und man sei mit Personal eher knapp bestückt. Ich wiederholte, dass mich die Organisation ihrer Firma nicht interessiere. Das überhörte sie höflich. Nächster Termin: Ein Tag im September zwischen 7.30 Uhr und 12.30 Uhr. Dass wir im September in den Ferien seinen, nahm sie mit einem Stöhnen zur Kenntnis. Definitiver Termin: Ein Tag im Oktober zwischen 7.30 Uhr und 12.30 Uhr.

Im Oktober fiel das erste Laub von den Bäumen. Die Triebwerke heulten auf und ein lauter Knall ertönte. Startabbruch und zurück an den Standplatz. Ein Mechaniker schlug mit einem grossen Vorschlaghammer auf das rechte Triebwerk, worauf der Pilot mit rotem Kopf das Fenster öffnete: «Es ist das Linke du Idiot!» Der Mechaniker zuckte mit den Achseln und schlug mit doppelter Wucht auf eben das Linke. Den Piloten schien das zu befriedigen und er rollte zur Piste. Ohne Probleme hob die Röhre ab und ohne Verspätung erreichten wir New York. Hund war da, Koffer war da und die Frau auch.

Beim Einchecken für den Rückflug standen wir vor dem Schalter, wo uns eine Dame anwies, die 0848 Nummer der Griess-Air zu wählen. Ich ahnte nichts Gutes, Reinhard Mey schon. Er sang von der Freiheit über den Wolken, nicht ohne 25 Rappen pro Minute dafür zu kassieren.

Sie müsse mir sagen, dass der Flieger mit beiden Triebwerken Probleme hätte. Irgend ein Volltrottel hätte vor Jahresfrist mit einem grossen Hammer auf die Motoren geschlagen und sie irreparabel beschädigt. Das sei die schlechte Nachricht, aber es gäbe auch eine gute. Ein Team von Speziallisten sei unterwegs nach New York, hätten neue Motoren dabei und werden die defekten Teile so schnell wie möglich auswechseln. Wir warteten.
Ein kompetenter Chefmechaniker trat eine Stunde später in die Lounge und informierte die Fluggäste über die Reparatur. Und zwar so freundlich, wie er es am Kundenbindungsseminar lernte. Schliesslich agiere Griess-Air so, dass sich die Kunden um gar nichts zu kümmern hätten, betonte er lässig an der Theke stehend. Von hinten schlich sich ein bleicher Lehrling heran und flüsterte gut hörbar für alle Beteiligten genau den Satz ins Ohr, den wir alle irgendwie erwartet hatten: «Chef, wir haben die Motoren in Zürich vergessen.»

Nächster Termin: Tag unbekannt, aber bestimmt zwischen 7.30 Uhr und 12.30 Uhr.

Dienstag, August 18, 2009

von der Leichtigkeit des Fliegens

Oft werde ich gefragt, ob das Fliegen eines Airbus schwer sei. Ist es nicht, was dieser Beitrag beweist.

Nach dem Studium der SWC schauen wir kurz auf das TAF und das METAR, bevor wir das TOI begutachten. Es lohnt sich auch das SIGMET genau zu studieren, denn MOD TURB sind nicht wirklich angenehm. Hurtig die DIST und den GCI überprüfen und dann das FOB bestimmen. Schon ist die Planung abgeschlossen.

Derweil sitzt die Kabinenbesatzung im Kreis herum und die F/A‘s bekommen vom M/C Informationen über HONs und SENs. Weiter muss das FCG wissen, wie viele KSML geladen sind und ob PAX 1A wirklich ein VLML und nicht ein VGML will.

Die Kolleginnen in der YCL freuen sich über Flugnachwuchs und die 5 geladenen CHML. Ein WHCR sitzt in der CCL und ein VIP auf 2A. Die Küchenchefs werden darauf hingewiesen, dass die HSG durch CSG ersetzt wurden. Kein Wunder bei dieser Hitze!
Ich sitze wenige Minuten später im Cockpit und füttere die MCDU mit dem FLP. Das FOB stimmt und die MEL muss aufgrund des guten Zustandes der HB-JMA nicht kontaktiert werden. Nach dem Abspulen der Checkliste höre ich das ATIS und rufe die DLV auf. Gottseidank, wir kriegen das DEGES 1H und nicht das DEGES 2F!

APN gibt und die CLR zum zurückstossen und wir lassen die ENG1 an. ENG2, 3 und 4 folgen. ECHO sollen wir nehmen und short of 28 stoppen. Es muss der GND gerufen werden, bevor wird den RWY crossen dürfen. Ach, diese Funkerei! Zum Glück gibt es an vielen Orten der Welt CPDLC und PDC!

Der TWR gibt uns die Freigabe. Der CMD setzt T/O PWR, den wir mit FLEX 32 künstlich reduziert haben. Es rollt – V1, VR und V2 – das Flugzeug steigt mit einem ROC von ein paar Hundert FT in den Himmel und CLB THR wird gesetzt.

Soll mal einer sagen Fliegen sei schwer!

Sonntag, August 16, 2009

Schweinegerippe

Es ist Samstagabend hier in Montréal. Die Sonne wärmt die Stadt auf über 30° Celsius auf und die ausgehfreudigen Québécoises flanieren leicht gekleidet durch die Gassen. Mit viel Glück finden sieben durstige Crewmitglieder einen freien Platz mit Blick auf die Flaniermeile und lassen kühlen Gerstensaft durch ihre trockenen Kehlen laufen.

Lange geht es nicht, bis sich die Diskussionen um das Thema Schweinegerippe drehen. Man ist sich einig, dass Hygiene im Umgang mit Schweinegerippe von immenser Wichtigkeit ist. Regelmässige Reinigung der Hände mit Feuchttüchern und respektvolle Distanz zum Nachbarn sind wohl die wichtigsten Regeln, die es zu beachten gibt.

Auch das beliebte Küssen als Begrüssung ist tunlichst zu unterlassen. Unangenehm könnten die Folgen beim zärtlichem Berühren der Wangen sein, wenn eine davon vorher mit Schweinegerippe in Kontakt kam.

Ein fachmännischer Blick nach links und rechts bestätigt mir, dass dieses Lokal die Regeln im Umgang mit Schweinegerippe einhält. Feuchttücher liegen im Dutzend herum und frisch gewaschene Servietten werden gleich doppelt abgegeben. Nach einer kurzen Rücksprache mit dem Kapitän wage ich es und bestelle eine grosse Portion «Spare Rips». Herrlich dieses grillierte Schweinegerippe!

Mittwoch, August 12, 2009

Die grossen Mythen der Fliegerei

Mythos 1: Piloten fliegen gerne

Nein, ich wollte als kleiner Junge nicht Pilot werden. Fussballer wollte ich sein, und zwar so wild wie Botteron und nicht so geleckt wie Cruyff. In Tat und Wahrheit hatte ich Angst vor den fliegenden Kisten. Wackelig sahen sie aus und laut waren sie auch. Gross war die Freude meines Vaters, als er mit meiner Schwester und mir an sonnigen Sonntagen ins Birrfeld fuhr. Oft fragte er mich, ob ich einen Schnupperflug machen wolle. Ich wollte nie – ich hatte Schiss.

Und glauben sie mir, ich habe noch heute zittrige Knie, wenn ich ein Flugzeug besteigen muss. Es ist nicht die Höhe, die mir Angst macht, auch nicht das Element Luft oder die vielen Schalter. Ich habe weder Platzangst noch schlaflose Nächte wegen all den möglichen Sachen, die schiefgehen könnten – nein, es sind die Sitzabstände in der Touristenklasse, die mir den Angstschweiss auf die Schläfen zaubert.

Wenn mein Kreuz satt am Sitzkissen liegt, dann passen die Beine genau in den Leerraum zwischen Rückenpolster und Vordersitz. Leider aber nur, wenn ich verbotenerweise die Katastropheninstruktionen aus dem Zeitschriftenfach vor mir herausklaube und den Duty-Free Prospekt mitsamt Bordmagazin auf dem Nachbarsitz entsorge. Richtig schlimm wird es, wenn vor mir ein Vielflieger sitzt, der seinen Platznachbarn schon vor dem Start beweisen will, dass man die Sitzlehne am besten mit Schwung in die maximale Neigung bringt.

Nach fünf Minuten beginnt sich das Blut in den Kniekehlen zu stauen. Ein leichtes Kribbeln schleicht über die Zehen und dem Oberschenkel entlang zur Hüfte. Dem Hirn wird im Sekundentakt eine gesundheitsschädigende Position gemeldet. Die Ellenbogen liegen auf dem Schoss und würden gerne einen kurzen Moment auf der Armlehne links oder rechts pausieren. Leider sind diese schon besetzt. Eingenommen von den «Super-Dupper-Meilenkönigen», die mich ins Sandwich genommen haben. Nachbar rechts möchte Zeitung lesen und der links quatschen. Ich habe einmal gelernt, dass man aus Höflichkeit seinem Gesprächspartner in die Augen schaut. Nur leider geht das nicht. Die Rückenmuskulatur hat sich derart versteift, dass sich der Nacken mit der Lendenwirbelsäule solidarisierte und nun streikt. Also quatsche ich nicht.

Der Körper ist vom Unterleib hinunter taub. Die Blase liegt leicht oberhalb und meldet Überlaufgefahr. Obwohl ich noch keinen Tropfen intus habe und vor wenigen Minuten am Flughafen zollfrei meine Notdurft verrichtete, will die blöde Blase Wasser lassen. Bis ich meinen Nachbarn zu meiner rechten davon überzeugt habe, dass er bitte seine Zeitung verstauen und mich gnädigerweise vorbei lassen soll, steht eine junge Frau im Gang und schiebt einen Blechwagen vor sich her. Der Weg ist versperrt und die Blase muss warten. Ich muss den Sitz des Vordermannes leicht nach vorne drücken, damit ich wieder Platz nehmen kann.

Kaum im Sitz eingepasst, hat sich die junge Hostess neben unserer Sitzreihe aufgebaut. Ihr Wagen stinkt, sie nicht. Resolut versucht sie, mein Klapptischen in die Waagrechte zu bringen. Es geht nicht, und zwar wegen meiner Beine. Sie vermutet einen Defekt im Scharnier und versucht es mit Gewalt. Autsch!

Noch bevor ich mir die Schmerztränen abwischen kann, fragt sie mich nach meinen Lüsten – den kulinarischen versteht sich. Ich hätte besser nicht geantwortet. Eine heisse Aluminiumfolie wird von irgend einer kochenden Packung entfernt und gibt den Blick auf etwas frei, was sich ganz offensichtlich nicht zum Aufwärmen eignet. Wild durcheinander schwimmen Lebensmittel in einer Sauce, deren Farbe mich stark an – nein, das darf ich jetzt nicht schreiben.

Der Platz ist so knapp, dass wenn ich trinken will, ich mich mit meinem Nachbarn absprechen muss. Zusammen saufen geht nicht, vom Zuprosten wollen wir gar nicht reden.
Mittlerweile scheint auch meine Blase eingeschlafen zu sein. Die Taubheit erreicht langsam den Kopf und die Augenlider schliessen sich zaghaft. Ich beginne zu träumen und sehne mich nach dem Crewbunk. Ja, genau dieser Crewbunk, den ich sonst so verfluche, erscheint mir in meiner jetzigen Situation wie das Paradies auf zwölf Kilometer über Weissgottnichtwas.

Geweckt werde ich in drei Sprachen. «Friede-Freue-Eierkuchen» in drei Sprachen, Flugzeit in drei Sprachen, Route in drei Sprachen, Wolken in drei Sprachen, Temperatur in drei Sprachen, Rogers Siege in drei Sprachen, «Super-Dupper-Meilenprogramm» in drei Sprachen, Ortszeit in drei Sprachen, Flughöhe in drei Sprachen, Gegenwind in drei Sprachen, Unicef Spende in drei Sprachen, Danke in drei Sprachen, einen guten Appetit in drei Sprachen und die Hoffnung, dass wir einen schönen Flug hatten auch in drei Sprachen. Wofür habe ich eigentlich den doofen Bildschirm auf Bauchhöhe, der mir wertvolle Millimeter raubt und all die Angaben mehrfarbig präsentiert?

Nein, Piloten fliegen nicht gerne, zumindest nicht als Passagiere!

Freitag, August 07, 2009

von Bünzlis

In der Schweiz heissen die Spiessbürger Bünzlis. Nicht von ungefähr klingt das Wort im Dialekt lieblicher als in der Hochsprache. Wir Schweizer haben keine schwierige Beziehung zum Bünzli, denn alle Schweizer sind irgendwie von diesem Schlag.

Ja, ich würde sogar sagen, dass unser kleines Land die Wirtschaftskrise dank den Bünzlis besser übersteht. Schweizer lassen sich grob in drei Gruppen einteilen. Die die leidenschaftlich Bünzlis sind, die die alles machen um nicht Bünzlis zu sein und die Jungen.

Die Jungen opponieren, wollen sich abheben und versammeln sich biertrinkend auf öffentlichen Plätzen. Die Bünzlis haben am Samstagnachmittag das Auto gewaschen, gönnen sich einen gespritzten Weissen und flüchten danach ins Freie. Die die um keinen Preis Bünzlis sein wollen, stehen sich an einem hippen Ort die Beine in den durchtrainierten Arsch, nippen an Alkoholischem und reden mitten im Sommer vom Pulver-Schnee. Da unser Land ja so klein ist, kommen die drei Gruppen zwangsläufig am gleichen Ort zusammen und man redet dann von der Streetparade.

Aber ein ganz kleines Grüppchen Helvetier hat sich dem Rummel entzogen. Sie fliegen um den halben Erdball und landen in einer Stadt, die Verkehrschaos, grauen Himmel und heisse Temperaturen kennt. Selbst diese kleine Gruppe lässt sich wiederum einteilen. Es gibt solche die viel shoppen und solche die extrem viel shoppen. Die die viel shoppen, rennen in das MBK. Das MBK ist ein Shopping Center hier in Bangkok, das es gelinde gesagt mit den Markenschutzgesetzen nicht so genau nimmt. Die Bünzlis kaufen Stoffkrokodile auf Stoffshirts mit Kragen, die die um keinen Preis Bünzlis sein wollen, erstehen Altkleider mit dem Aufdruck «Abercrombie & Fitch».

Aber einer sticht aus dem Grüppchen heraus. Er kauft nichts, gar nichts. Lieber packt er sein Mac Book in eine alte Lastwagenplache und läuft ganz cool ins nächste Starbucks, wo er Texte wie diese verfasst.

Was habe ich zu Beginn des Aufsatzes behauptet? Richtig: Wir Schweizer sind alles Bünzlis – und zwar restlos!

Samstag, August 01, 2009

Geschätzte....

.... Frau Bundesrätin, geschätzte Bundesräte, liebe Ständerätinnen und Ständeräte, verehrte Nationalrätinnen und Nationalräte, lieber Herr Regierungsrat, geschätzte Volksvertreterinnen und Volksvertreter, Mitbürgerinnen und Mitbürger. Ich möchte sie, geschätzte Frau Bundesrätin, geschätzte Bundesräte, liebe Ständerätinnen und Ständeräte, verehrte Nationalrätinnen und Nationalräte, lieber Herr Regierungsrat, geschätzte Volksvertreterinnen und Volksvertreter, Mitbürgerinnen und Mitbürger ganz herzlich zur diesjährigen 1. Augustfeier begrüssen. Bevor ich meine Rede beginne, möchte ich sie, liebe Frau Bundesrätin, geschätzte Bundesräte, liebe Ständerätinnen und Ständeräte, verehrte Nationalrätinnen und Nationalräte, lieber Herr Regierungsrat, geschätzte Volksvertreterinnen und Volksvertreter, Mitbürgerinnen und Mitbürger, darauf hinweisen, dass mitgebrachtes Feuerwerk nur hinter dem Festzelt abgebrannt werden darf. Bitte achten sie darauf, liebe Frau Bundesrätin, geschätzte Bundesräte, liebe Ständerätinnen und Ständeräte, verehrte Nationalrätinnen und Nationalräte, lieber Herr Regierungsrat, geschätzte Volksvertreterinnen und Volksvertreter, Mitbürgerinnen und Mitbürger, dass auch ihre Kinder diese Regelung beachten.
1291 haben unsere Vorfahren für sie, geschätzte Frau Bundesrätin, geschätzte Bundesräte, liebe Ständerätinnen und Ständeräte, verehrte Nationalrätinnen und Nationalräte, lieber Herr Regierungsrat, geschätzte Volksvertreterinnen und Volksvertreter, Mitbürgerinnen und Mitbürger ... – oh, jetzt habe ich den Text vergessen.