Dienstag, Juli 21, 2009

aussereheliches



Leser Beem möchte wissen, wie es um das aussereheliche Liebesleben von Flugzeugbesatzungen so steht. Ich versuche diese delikate Frage an diesem verregneten Monsuntag kompetent zu beantworten.

«Hinter jedem Piloten steht eine starke Frau und dahinter die Ehefrau» – so war das zumindest früher. Umschwärmt waren die zukünftigen Piloten schon in der Grundausbildung. Wenn sie auch nicht alle hübsch und anschaulich waren, so trotzten sie unisono von Selbstvertrauen. Die Damenwelt wusste, dass ein leibhaftiger Lottosechser vor ihnen stand und setzten ihre Waffen gezielt ein, den fetten Fisch an Land zu ziehen. Mit zwei dicken Streifen auf der Schulter wurden die jungen Herren auf den ersten Einsatz geschickt. Bald wurden es drei, dann vier. Während der Kapitän die Ringe an den Fingern trug, hatte sie der Copilot um die Augen. Kein «Nightstop» war zu kurz, um nicht noch einen Flirt irgendwo in einer dunklen Bar abzuhalten. Im Operations-Center stand damals noch ein Automat für die kleinen Notwendigkeiten. Neben den verletzlichen Damenstrümpfen in blauer Farbe, fanden sich für die Herren Kautschukprodukte mit grünem, violettem und blauem Band.
Mit den ersten Falten im Gesicht kamen in der Regel auch die Ringe um den Bauch. Da aber das Salär mit den Jahren exponentiell anstieg, verzieh die Damenwelt den Piloten diese kleinen Schönheitsfehler. Was für ein Leben! – das erzählen mir zumindest die pensionierten Kapitäne von früher.

Heute ist das anders. Die Aussicht auf ein Reiheneinfamilienhaus im Thurgauer Hinterland scheint weniger Anziehungskraft auf die junge Damenwelt zu haben, als die Villa am Zürichberg und die Ferienwohnung in Flims. Auch die Streifen auf den Schultern versprechen nicht mehr das, wofür sie früher standen. Doch diese Änderungen betreffen nicht nur uns Besatzungen, sie bedeuteten den Tod eines ganzen Industriezweigs. Das Eros-Center in Genf war als erste Institution dem Tod geweiht. Bald verlor das Crew-House in der gleichen Stadt den Glanz. Der Container in Narita musste seine Tore schliessen und auch das Joe Banana in Hongkong vermisste die balzenden Airline-Crews. «Effizienzsteigerung» ersetzte das Wort «Spass», «Vorschlafen» das «Vorspiel» und «SMS-len» das «Flirten».

Natürlich hat sich die Persönlichkeit der Piloten nicht grundsätzlich geändert. Noch immer würden wir jede Gelegenheit nutzen, wenn wir nur könnten. Dass es die immer noch zahlreich gibt, kann ich hier natürlich nicht öffentlich zugeben. Nur sind es nicht mehr die hübschen Flugbegleiterinnen, die uns aussereheliche Abenteuer bescheren, sondern die Sicherheitsbeamtinnen rund um den Erdball. Manche greifen einem so regelmässig in den Schritt, dass man schon fast nicht mehr von einer kurzen Affäre reden kann. Auch das sanfte Abtasten des Arsches würde in manchem Land der Welt als Scheidungsgrund genügen. Zum Glück sorgen die sechshundert zuschauenden Passagiere dafür, dass sich selbst beim jüngsten Copiloten nichts mehr regt.

Herr Beem, ich hoffe ihre Frage zur vollsten Zufriedenheit beantwortet zu haben. Allen Lesern, die auf schnelle Bettabenteuer aus sind rate ich, die Finger vom Pilotenberuf zu lassen. Melden sie sich bei «Big Brother» oder besser beim Sicherheitsdienst eines Flughafens in ihrer Nähe.


Kommentare:

  1. Englisch für Fortgeschrittene:
    "In den Schritt greifen"
    = "crotch grabbing".
    Von diversen populären Musikanten auf der Bühne praktiziert. Von Mick Jagger bis Michael Jackson.

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  2. :D

    Perfekt!
    Vielen Dank für den informativen Blogeintrag!
    Ich hab mir schon gedacht dass die Blütezeit à la "money for nothing and chicks for free" vorbei ist:)

    Vielen Dank nochmals!

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  3. Toller beitrag, wenn ich auch kein Wort glaube. Aber so öffentlich darf man ja nicht anders :)

    Was mich nun aber interessieren würde, soi quasi als Folgefrage, wie sieht es denn bei den Pax aus, Stchwort miles-high-club? Kriegt ihr da was mit, pax-pax, pax-fa oder so?

    Just curios...
    Philippe

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  4. Also Herr NFF als treuer Leser muss ich mich schon aus Prinzip weigern diesen Ausführungen zu glauben ;)

    Daher die Frage, und ich hoffe ich bin nicht zu persönlich: Wie kommt es das man doch den ein oder anderen piloten trifft der verheiratet oder zumindest liiert ist mit dem stets freundlichen personal aus der Kabine?

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  5. Ringe um die Augen hat Mann heute als Copilot noch immer - allerdings mittlerweile vom arbeiten...

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  6. Aus Deutschland weiß ich zumindest, dass Flugpersonal nicht bei herkömlichen Versicherungen Krankenversichert werden können, weil die Gefahr der Geschlechtskrankheiten zu groß ist:)

    Ich bin mir sicher das grade Piloten auf Langstrecke immernoch ein paar Frauen in anderen Häfen haben...;)

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  7. Gut dass es auch anormale Versicherer gibt :)

    und auf dem Weg runter zur Albatros gibts auch so ne tolle Rolltreppe wo man gleich mal seinen Sexappeal als Pilot auf die Probe stellen kann:)

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