Freitag, Juni 12, 2009

Scheisstag





Keine Angst, ich hatte keinen „söttigen“. Ganz im Gegenteil. Das Morgenessen in Lamma Island eingenommen, das obligate Gewitter unter einem Vordach abgewartet und auch schon über eine Stunde auf dem Depressionsbeschleuniger (Laufband) verbracht. Ein Volltreffer, dieser Tag.

Ich bin im Zusammenhang mit einem anderen Text auf das Wort gestossen. Scheisstag ist so ein Ausdruck, der schnell über die Lippen kommt. Manchmal zu schnell. So wie NATEL zum Beispiel. Beide Wörter werden benutzt, ohne dass die ursprüngliche Bedeutung genau bekannt ist. Für deutsche Leser muss ich erklären, dass wir Indianer das Handy liebevoll Natel nennen. Für englische Leser ohne deutschen Migrationshintergrund muss angefügt werden, dass sich hinter dem Ausdruck „Handy“ das Mobile versteckt.
Paradox daran ist, dass, wer das Natel als solches benutzt, in der Schweiz mit 100 Franken gebüsst wird! Aber das ist eine andere Geschichte.

Zurück zum Scheisstag. Ich wollte eben dieses Wort in einem Text benutzen und zögerte kurz. Soll, darf, muss ich das Wort gebrauchen? Woher kommt der Ausdruck? Was bedeutet er? Auf solche Fragen weiss in der Regel das Internet Antwort. Und tatsächlich, Wikipedia brachte in Sekundenbruchteilen Licht ins Dunkle:

Als Scheisstage wurden in Süddeutschland und Österreich unter Knechten die zusätzlichen ein bis drei unbezahlten Arbeitstage bezeichnet, die die von ihnen beanspruchte Zeit für die Verrichtung des Stuhlgangs während der vereinbarten Anstellung ausgleichen sollten. Diese Praxis gab es im 18. und 19. Jahrhundert, vereinzelt sogar bis in das frühe 20. Jahrhundert. Die „Scheisstage“ wurden nach Ablauf des Dienstvertrages geleistet oder am Ende eines jeden Jahres am 29. Dezember.

Für einen normalen Arbeitnehmer wie mich stellt sich hier natürlich die Frage, was dies in einer Arbeitswelt wie der heutigen, wo sich die Arbeitsbedingungen wieder Richtung 19. Jahrhundert bewegen, für Auswirkungen hat?
Ich bereite schon jetzt auf die Sudoku-Woche, oder die Gala-Tage, oder den Nespresso-Monat vor.

Kommentare:

  1. Oh Jesses ! Wieviel Tee-Tage nebst darauffolgender Pipipausen-Wochen, Schokoladen und Kuchen-Monate würden da bei mir zusammenkommen.
    Es ist aber interessant, welchen Ursprung Wörter haben können.

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  2. Ich hoffe Du sitzst bei dem nächsten GAV nicht für das Management am Verhandlungstisch...

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  3. Oh, ich würde mal sagen, das ist vielleicht gar nicht mehr so weit hin. Da wird doch bei manchen Rauchern schon überlegt, ob man die Zigarettenpausen von derArbeitszeit streichen soll...

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  4. ja ich war auch mal Raucher, bin im Betrieb zum rauchen vor die Tür gegangen und habe eines Tages aufgehört.
    Als Nichtraucher kompensiere ich diese verlorene Zeit, indem ich während der Arbeitszeit ab und zu in die Gedanken eines Fliegenden hineinschaue...

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  5. Na da wär ich ja mal gespannt wie viele Scheisstage die lieben Flugbegleiterinnen aufgebrummt bekommen würden...
    Obwohl,..sie schminken sich dort ja nur ewig und ein gepflegets Äusseres gehört ja auch irgendwo zu dem Beruf dazu :)

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  6. Ist in der Schweiz nicht auch der Begriff "Handy" markenrechtlich von der Swisscom geschützt? Bei Natel ist es klar, dass es sich aufs Abo bezieht.

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  7. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  8. Ein Plan gegen Jetlag. Hilft zwar nicht gegen Scheisstage aber vielleicht gegen ein anderes Übel ;)

    http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/304515

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