Samstag, Juni 27, 2009

Controllers are good, Pilots are bad

Ein kleiner Tisch war noch frei. Zwei Stühle auch. Wir waren zu viert, also mussten zwei stehen. Die die standen, standen im Regen, die die sassen, sassen am Trockenen. Ich stand.
Die Angestellte war wenig erfreut über unsere Tischwahl, denn bei jeder Nachschublieferung musste sie durch eine Wasserlache laufen. Wir blieben.

Unsere hübschen Kolleginnen richteten sich auf den Barhockern ein, was auch prompt die Herren am Nachbartisch neugierig machte.
«Where are you guys from?»
«Switzerland, what else?»
«Pilots?»
«Yep»
«Listen Ladies, Controllers are good, Pilots are bad.»

Die Gläser erhoben sich, man prostete sich zu und trotzte dem Regen.
Robert stellte seine Kollegen vor. Zwei ATC Controller aus Hongkong, zwei Kapitäne der Dragon Air, ein Copi der Britisch Airways, sein Kollege aus der Kabine und ein Cathay Kapitän. Während sich die Piloten und die Herren aus der Flugsicherung der Damenwelt zuwendeten, spürte ich die Hand des Kabinenchefs an meiner rechten Arschbacke.

Der Abend nahm seinen Lauf. Es wurde geklagt, gejammert und geflucht. Diskussionen über Arbeitsbedingungen kamen erst dann ins Stottern, als ich realisierte, dass die Dragon-Air Piloten jeden Monat mehr Spesen für ihre Wohnungsmiete erhielten, als ich verdiente. Dies wiederum hatte zwei Vorteile: Erstens wurden fortan alle Drinks bezahlt und zweitens verschwand die Hand von meiner Arschbacke.

Der Schotte neben mir unterhielt die ganze Gesellschaft. Er erzählte von seinen Jahren in SH-ITALY, von Piloten ohne Orientierungsvermögen und den Vorzügen von Asien. Natürlich vergass er auch nicht die Schönheit helvetischer Frauen zu loben, was aber bei den Empfängerinnen nicht in gewünschter Form ankam.

Mit der Anzahl leerer Gläser stieg auch die Intensität des Werbens um die Gunst der Damen. Wir erfuhren von den Vorzügen von 80 Fuss Jachten, dem Leben in den Mid-Levels, vom Ferienhaus in Thailand und dem Landhaus in Schottland. Die beiden Dragon-Air Piloten stritten darum, ob die Mirage oder der F-16 bessere Akro-Eigenschaften hätten und der BA Kabinenchef wollte auch einmal im Leben «Maître de Cabine» genannt werden.

Kurz bevor die Sonne wieder ihren Arbeitstag begann, begleitete ein Schweizer die zwei Damen zurück ins Hotel. Nicht die 80 Fuss Jacht machte das Rennen, sondern der Herr mit Bauchansatz und fast zwei Metern Länge.
In Krisenzeiten scheint Bauch wieder gefragt zu sein!