Freitag, Mai 01, 2009

Wiederholungen

Nelson Mandela starrt mich an. Er lächelt zwar, aber er starrt mich an. Die sicherlich acht Meter hohe Statue steht so auf dem Platz, dass die Augen des berühmten Mannes exakt meinen Tisch fixieren. Er schaut mir beim Zeitungslesen zu, er betrachtet mich beim Schreiben und er starrt direkt in meinen Teller.

Jetzt lacht er. Gut, die Statue hat schon immer so gelacht, aber jetzt lacht Mandela irgendwie anders. Ha!, er grinst, er amüsiert sich über mein Sandwich, er lacht sich ob meiner Lokalwahl ins Fäustchen. Seit Jahren steht er auf diesem Platz und wenn einer die Kneipen hier kennt, dann er. Hätte ich doch auf ihn gehört, hätte ich nur seine Geste richtig gedeutet und wäre der Richtung seiner rechten Hand gefolgt. Ich würde jetzt nicht in das pampige Brötchen beissen, sondern gegenüber ein blutiges Steak geniessen. Die Welt ist ungerecht und immer ist einer da, der einem beim Tritt ins Fettnäpfchen beobachtet. Ich bin selber schuld, schliesslich bin ich nicht zum ersten Mal in Johannesburg und sollte eigentlich wissen, wo leckeres Essen zu kriegen ist.

Da bin ich wieder einmal über meine Experimentierfreudigkeit gestolpert. Oft geht es gut, manchmal halt schief. Doch nur wer etwas wagt, kann der Langeweile aus dem Weg gehen. Wiederholungen verfolgen mich sonst schon auf Schritt und Tritt. So zum Beispiel auch in diesem Blog. Bin ich hier in Südafrika, dann ist das Thema schon fast automatisch gegeben: Fleisch! Diese wunderbaren 400 Gramm schweren Filets, gelagert mit einer Hingabe, die man in unseren Breiten vermisst und mit einer dicken Pfefferkruste versehen, stehen schon beim Einchecken in Zürich im Mittelpunkt. Nur kann ich nicht jede Woche über meine Proteinbomben schreiben, die ich meinem Verdauungsorgan hier zumute. Der Leser würde diese Wiederholungen nicht goutieren.

Oder das Thema «Schengen». Verfasse ich neuerlich zu viele Worte über das Aus- und Einreisen in mein Heimatland, dann verliere ich alle Politiker, Zöllner und Polizisten als Leser. Das wäre schade, sehr schade. Zu allem Elend könnte ich als Schengenhasser entlarvt werden, was ich absolut nicht bin. Ich amüsiere und ärgere mich nur, wie wir nicht Europäer die europäischen Gesetze so pedantisch umsetzen, dass wir vor lauter Unabhängigkeit nicht merken, wie einfacher das Leben nach einem Beitritt wäre. Hoppla, jetzt drohe ich noch andere Leser zu verschmähen.

Apropos Schengen, wie schon früher beschrieben, werden wir beim Grenzübertritt von «Schengen» nach «non Schengen» seit geraumer Zeit ziemlich hart angefasst. Wie ich aus sicherer Quelle weiss, müssen die Zonen dokumentensicher voneinander getrennt sein. Dokumentensicher heisst, dass nicht einmal ein Blatt Papier durch einen Spalt in den anderen Bereich rüber darf. Und glauben sie mir, unsere Beamten sind in der Durchsetzung der Vorschriften europäische Spitze.

Da hat mich die Szene gestern Abend in Zürich mehr als amüsiert. Die Staatsmacht beobachtete schwer bewaffnet, dass wir Piloten mit den Kollegen im Schengenbereich keinen Kontakt pflegten. Brav zückte ich beim Herrn am Zoll meinen chipfreien Pass, hielt dem Beamten die Seite mit dem Passfoto unter die Augen und beobachtete mit grosser Freude, dass ein fröhlicher Angestellter des Flughafens mit seinem Wischmobil ungeniert zwischen dem «Schengen» und «non Schengen» Bereich pendelte. Eine kriminelle, aber hygienisch saubere Verletzung von Sicherheitsdispositiven inmitten des Hochsicherheitsbereichs. Als ich den Grenzbeamten schmunzelnd auf die Ungeheuerlichkeit aufmerksam machte, schickte er mich freundlich, aber bestimmt weiter. «Schengen» könnte sich als Jobmaschine erweisen. Wird nämlich mein Artikel an richtiger Stelle gelesen, dann haben wir schon bald «Schengen» und «non Schengen» Putzpersonal. Ich freue mich, Nelson Mandela auch.

Kommentare:

  1. du bist nich zufälligerweise mit dem Kollegen aus Reutlingen in Afrika gewesen??
    Er hat die Bilder zu deinem Blog:

    http://blog.gea.de/2009/05/01/waterfront/

    lg Flo

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  2. ... Zufälle gibt es! Ich glaube jedoch, dass er einen Tag vorher in JNB war. Auf jeden Fall habe ich gestern die Lufti-Crew beim Butcher nicht gesehen.

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  3. Die Schweizer sind seit jeher (und es wird immer schlimmer) WELTMEISTER (und nicht nur EU-Meister) im VORAUSEILENDEN GEHORSAM. Wir sind meistens die ersten die internationale Normen umsetzen und vielfach auch die einzigen, die sich dran halten... Oder hat je einE Schweizer RegierungsvertreterIN gewagt die die Engländer auf ihre Steuerfluchtplätze hinzuweisen? Nein, das dürfen wir ja gar nicht, denn das Rettet-die-UBS-Finanzvehikel ist ja auf genau so einer domiziliert...

    To be continued, mit dokumentensicherer Sicherheit.

    G!

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  4. Ich würde liebend gerne meinen Check heute gegen Dein pampiges Sandwich tauschen.

    Aber ich werde mich wohl mit Wiederholungen der immer selben Triebwerksausfälle begnügen müssen... Verlasse ich übrigens bei einem Simulierten Flug nach DXB Schengen oder nicht? Eine Frage, die vielleicht der Herr Dr. Jur beantworten kann.

    Übrigens ist mein Blog ohne Ankündigung gezügelt worden - wer sich dafür interessiert findet mich also in Zukunft unter http://skypointer.swissblog.ch

    Merci fürs Anpassen Deines Links.

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  5. @skypointer
    ... Link angepasst. Der arme Checker! Wer einem so kompetenten (und das meine ich ernst) Copi den Check abnehmen muss, der hat es nicht leicht.

    @G!
    ... da hast du wieder einmal recht!

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  6. @Skypointer: Wenn du mich hiermit mandatieren willst, schicke ich dir gerne meine Kontonummer und dann vertrete ich, was immer du willst :-)

    im Übrigen: ist der Blog aus steuertechnischen Gründen umgezogen? :-)

    G!

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  7. @ G!
    Wahrscheinlich kann ich mir, mit meinem Kopilotensalär, Dich als Rechtsverdreher nicht leisten...

    Der Umzug ist offenbar wegen Rechtsstreitigkeiten zwischen Besitzer und Betreiber meines Bloghosts erfolgt. Vielleicht läge da für Dich eine Möglichkeit ein neues Mandat zu ergattern...

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