Mittwoch, Mai 06, 2009

Ade meine lieben Freunde

Bald verlasse ich euch und fliege nach Hong-Kong. Geplant ist eine kurze Reise, aber in diesen schweren Zeiten weiss man nie. Auf jeden Fall packe ich genügend Unterwäsche ein und mein fast tausendseitiges Buch darf auf keinen Fall fehlen. So bin ich für alle Eventualitäten gerüstet.

Ja, in diesen schweren Zeiten sind Unsicherheiten vorprogrammiert. Für einmal ist eine Seuche nicht in China ausgebrochen und da verstehe ich natürlich die Verantwortlichen, dass sie alles daran setzen, die Schweinegrippe noch vor der Chinesischen Mauer abzuwehren. Dass mir bei der Einreise das Fieber gemessen wird, daran habe ich seit der SARS-Seuche gewöhnt, aber ob sie mich diesmal einreisen lassen, weiss ich im besten Willen nicht.

Mein Leiden heisst Heuschnupfen. Die Nase trieft und die Augen sind leicht gerötet. Einem Einreisebeamten mein Leiden zu klagen, wäre mehr als töricht. Auf Chinesisch heisst Schnupfen «xù» und das klingt aus dem Mund eines Langnasen doch ziemlich ähnlich wie «zhù», was wiederum «Schwein» bedeutet. Nicht, dass ich den Teufel an die Wand malen möchte, aber ich sehe da einige Probleme auf mich zukommen.

Lassen die Zöllner mich wider Erwarten doch nach Hong-Kong einreisen, dann bin ich noch längst nicht aus dem Schneider. Mein Nachtquartier werde ich wie immer im Halunkenquartiers Wanchai aufschlagen. Wanchai ist dort, wo am Abend die Post abgeht und die winzigen Lokale mit rotem Licht beleuchtet werden. Mein Hotel ist klein, aber nett. Es hat im Zimmer einen grossen Flachbildschirm, ein deutscher Sender findet sich auf Kanal 17 und auf Knopfdruck werden auch kostenpflichtige Naturfilme abgespielt. Eine Minibar gehört genauso zum Angebot wie ein Fitnesscenter mit Rudermaschine. Dies sind alles Dinge, die ich normalerweise nicht in Anspruch nehme, die dieses Mal aber von grosser Bedeutung sein könnten.

Einen Steinwurf von unserem Hotel entfernt befindet sich das Viersternehaus «Metropark». Im Moment ist das Haus gut besetzt, denn die zweihundert Gäste und hundert Hausangestellten haben sieben Tage Hausarrest. Inbegriffen ist Vollpension mit Tamiflu und Gesichtsmasken im Engros.
Sieben Tage Deutsche Welle, sieben Tage Minibar, sieben Tage Gesichtsmaske, sieben Tage Hausarrest, sieben Tage eingesperrt umrundet vom pulsierenden Nachtleben - brutal!

Also liebe Freunde, vielleicht sehen wir uns ein paar Tage nicht. Ich bin erreichbar über Mail oder Skype. Denn einer wird die Seuche bestimmt virenfrei überstehen: mein Computer aus dem Hause Apple.

Kommentare:

  1. Trotz allen Gefahren: Ich beneide dich. Hong Kong ist neben Shanghei meine absolute Traumstadt.
    Wenn sie dir aber 猪流感 auf die Haut tätowieren wollen ist es im Fall zu spät. Das heisst nämlich zhū liú gǎn = Schweinegrippe!
    Trotzdem viel Vergnügen und happy landing.
    Peter

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  2. ... ist ja auch meine Traumstadt. Stell dir vor, die sperren mich ein - undenkbar!

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  3. zhu heisst auch Perle (zhū), Gastgeber (zhǔ), Kerze (zhú), kochen (zhǔ) und sich aufhalten (zhù). Alles Dinge die Du mit einer Frau (fù) aus Deiner Crew (jīzuò) machen könntest...

    Alles klar (zhù)?

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  4. Na, vielleicht sind wir bald "Leidensgenossen", bei mir steht eine Reise nach San Diego an nächste Woche. Tijuana ist nicht weit..... ;-)

    Geniess Wan Chai!

    Gruss,
    Tomy

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  5. boah nff, du hattest recht, der skypointer weiss wirklich alles (oder mehr). mann, das wird mir ja hart mit euch als CRPs...uuuuhhh. :-)

    G!

    ps: kann der aufklappbare mac eigentlich copy/cut'n paste oder kommt das auch erst mit version 3.0 wie beim backsteinfon? ;-)

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  6. @G!
    ... Mac kann alles ausser Virengruppensex :-)

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