Samstag, Mai 30, 2009

Wege nach vorne links

Führungsstärke, Durchsetzungsvermögen, Konsequenz - die wohl wichtigsten Eigenschaften auf dem Weg zum Kapitän. Ich arbeite hart daran. Die ersten Erfolge zeigen sich beim Training mit meinem Hund Jack.

Erstflug

Dienstag, Mai 26, 2009

one minute of silence

Der letzte Ferientag. Wenn andere Koffer auspacken, packe ich ein. Um zehn Uhr in der Früh soll es losgehen. Nach New York - in den «Big Apple».
Ein anderer packt auch, keine fünf Kilometer von mir entfernt. Er wird mich begleiten auf der Reise über den Ozean. Sein Hotelzimmer ist reserviert, das Ticket gekauft, die Vorfreude riesengross.

Noch fünfzehn Stunden bis zum Check-In.

Die Weissweinflasche schwitzt mehr als ich. Es ist schwül auf dem Balkon. Bewegung ist anstrengend. Irgendwo klingelt das Telefon. Keine Lust aufzustehen. Es wäre idiotisch, den kalten «Pinot Gris» hilflos der Hitze auszuliefern. Herrlich dieser Abgang.

Noch vierzehn Stunden zum Check-In.

Beim Gang zur Toilette lege ich einen Stop bei Telefon ein. Es war die Firma. Ruft das Büro am letzten Ferientag an, ist in der Regel die Scheisse am dampfen.

«One Minute of Silence» - jetzt bloss nichts überstürzen.

Aus verständlichen Gründen hätte ich wenig Freude, wenn der Flug nach New York gestrichen würde. Ich berate mich mit meiner Frau. Ein weiteres Quantum «Pinot Gris» findet den Weg ins Glas. Vielleicht löst sich das Problem von selber.

Es klingelt wieder. Ein Fluch hallt hinaus ins Limmattal. «Ja, wer stört mich in den Ferien?» «Sie haben Morgen STBY05.» «Nein habe ich nicht.» «Doch haben sie.» «Und was ist mit dem Flug nach New York?» «Wir sind knapp an A340 Copiloten. Der A330 Flug nach New York wurde einem anderen zugeteilt.» Die Ohrmuschel wird zugehalten und ein weiterer Fluch ertönt.

«One Minute of Silence» - jetzt bloss nichts überstürzen.

Die Konsultation der Besatzungsliste nach New York bringt seltsames zu Tage. An meiner Stelle steht der Name eines Kollegen mit den exakt gleichen Qualifikationen. Ich bin sauer und der «Pinot Gris» ist warm.

«One Minute of Silence» - jetzt bloss nichts überstürzen.

«Ich bin es nochmals. Ihre Erklärung hinkt. An meiner Stelle geht ein Kollege mit den gleichen Qualifikationen.» «Ich kann da nichts mehr ändern.» Der Hörer fliegt im Looping auf die Gabel.

Noch dreizehn Stunden bis zum Check-In.

Meinen Reisepartner erwische ich telefonisch. Alles wird storniert, er kann den Koffer wieder auspacken. Ich nicht. Die über 200 Franken für das Hotelzimmer gehen flöten.

Am nächsten Morgen schwebt Frühflug nach NY über meinen Kopf hinweg. Ohne mich und ohne meinen Reisebegleiter. Neben mir liegt das Handy und der Hund will raus. Er kann nichts für meine schlechte Laune. Zusammen laufen wir zum nahen Bach und kühlen uns ab. Er frisst Holz, ich telefoniere.

«Ja?» «Wir brauchen sie dringend auf dem Flug nach Chicago.» «Aber der geht schon in einer Stunde.» «Kommen sie so schnell wie möglich.» Unrasiert und ungeduscht fahre ich an den Flughafen. Das Telefon klingelt ununterbrochen. Während der Autofahrt telefoniere ich grundsätzlich nicht - basta!
Als es ein weiteres Mal klingelt bin ich im Parkhaus. «Sie gehen nach New York.»

«One Minute of Silence» - jetzt bloss nichts überstürzen.

Die Akustik des Parkhauses am Flughafen ist ausgezeichnet. Mein unchristlicher Fluch hallt durch alle Stockwerke.

Ich wähne mich an der CEBIT, als ich das Flugzeug betrete. Acht grosse Flachbildschirme säumen den Weg zum Cockpit. Es sieht aus wie an einem Ballergame Kongress, wo sich langhaarige Kids die Nächte mit Energy-Drinks um die Ohren schlagen. So sieht also das neue Flugzeug aus.

Der Flug geht fast pünktlich. Einige Passagiere kommen zu spät, was aber wegen der kurzen Flugzeit nicht tragisch ist. Wieder einmal steigt ein Flugzeug in den Himmel und wieder einmal ist dies ein Ergebnis gutem Teamworks. Wobei ich «Teamwork» mit den Worten Harald Martensteins beschreiben möchte:

«Teamwork ist Ausbeutung der Gutmütigen durch Ungutmütige.»

Donnerstag, Mai 21, 2009

verlassenes Tal

Man duzt sich hier im Dorf. Die paar Seelen, die nicht unter italienischer, spanischer, türkischer oder amerikanischer Sonne liegen, kennen sich. So das Frauchen von Theo zum Beispiel. Sie sehen wir oft. Auch mit dem Herrchen des gleichnamigen Labradors kreuzen sich unsere Wege fast täglich. Mara sehen wir, wenn sie den Hintern unseres Jack beschnüffeln will. Soziale Kontakte sind wichtig, auch in den Ferien. Mit den Bauarbeitern kann ich nicht reden und mit den Krokussen will ich nicht. Letztere sind im Mai so zahlreich, wie die Schwaben im Dezember.

Die Natur geniesst die Einsamkeit. Bäche quellen mit Schmelzwasser über, Lawinenkegel geben Brennholz frei und wo noch vor Monatsfrist das Kinderparadies der Skischule stand, finden sich linke und rechte Handschuhe mit Bogner-Logo.
Der Skilift steht, läuft aber nicht. Die Bäckerei macht Werbung, bäckt aber nicht. Das Hotel baut um, verwöhnt aber nicht.
Ein Bus fährt regelmässig, einmal in der Stunde. Er ist immer bunt, aber meistens leer. Im Mai darf man das Auto überall kostenlos abstellen. Parkhausbarrieren sind oben, Zahlstellen abgedeckt und Verbotsschilder demontiert. Trotzdem hat es keine Autos. Die Bündner sind in Italien und die Zürcher im Tessin. Wo die Schwaben sind weiss ich nicht, aber bestimmt nicht im Engadin.

Es läutet an der Tür. Zum Glück habe ich anständige Hosen an. Es ist das Frauchen von Theo. Kaffee wird gebraut und Stühle in den Garten gestellt. Keiner im Haus reklamiert, weil keiner da ist. Nicht einmal der Hauswart mit seinem absurd hohen Lohn stört sich ab den balgenden Hunden auf dem frisch angesäten Rasen. Er ist am Comersee oder so. Unser Hund kackt dem Nachbarn auf den Naturstein. Niemand ärgert sich, weil niemand da ist. Ich wische es trotzdem weg.

Ob die Sonne in der Türkei, in Italien oder in Florida für die Engadiner scheint, weiss ich nicht. Hier scheint sie. Sonnenschutzfaktor 30+ wäre angebracht. Ich habe darauf verzichtet, ich Depp.
Herrchen von Theo kommt auch. Ein Stuhl mehr bohrt sich in den Rasen und weitere Kaffees findet den Weg nach draussen. Ist das gemütlich! Die Hunde pflügen den Acker um, wir quatschen und der kleine Sohn von Theos Herrchen und Frauchen erkundet die Balkone unserer Nachbarn. Egal, niemand reklamiert, niemand ist hier.

Sogar die Pizzeria hat noch Platz ohne Reservation. Am Tisch ganz vorne am grossen Fenster mit der schönen Aussicht. Ein paar Tische sind besetzt. Praktisch unter jedem liegt ein Hund. Hunde mögen das leere Engadin, Herrchen und Frauchen auch. Unser Jack ist müde, Jabba auch. Jabba liegt unter dem Nebentisch und musste mit seinem Herrchen von Basel ins Engadin laufen. Jack musste nur von Pontresina nach Surlej wandern, schläft aber trotzdem tief.

Ich will hier nie mehr weg.

Mittwoch, Mai 20, 2009

Liebe Mobiliar....

.... wir wünschen Ihrem Marketing-Chef alles Gute für die Zukunft.
.... haben sie wenigstens den Global Fund zur Bekämpfung von HIV/AIDS in Afrika unterstützt?

Das wohl dümmste Werbegeschenk des Jahres sieht man HIER.

Mittwoch, Mai 13, 2009

UHU

Ich habe «uhu-Ferien»! «Uhu» steht nicht für eine neue Abkürzung aus dem Planungsbüro, sondern für «ums Hus ume» Ferien. Mit anderen Worten: Ich bleibe in den Freitagen zu Hause.

Ich weiss natürlich, dass viele Leute den Kopf schütteln, weil ich meinen Arsch nicht in ein Flugzeug setze und mit dem Business-Freiflugticket in die Welt hinaus verschwinde. Meine Antwort auf die Einwände der Flugfanatiker ist einfach und einleuchtend: Daheim ist es am schönsten.

Im Moment sitze ich auf einem harten Stuhl (wie im Cockpit) und geniesse die freie Aussicht (wie im Cockpit). Rechts von mir dampft der Kaffee (wie im Cockpit) und links von mir sitzt mein Chef meine Frau (wie im Cockpit). Beide haben wir einen Mac aufgeklappt (wie im Cockpit) und schauen den Gewitterwolken beim wachsen zu (wie im Cockpit). Das grelle Sonnenlicht blendet (wie im Cockpit) und es weht ein kühlendes Lüftchen (wie im Cockpit). Genügend Lesestoff liegt bereit (wie im Cockpit) und wartet darauf gelesen zu werden (wie im Cockpit). Die Beine sind schwer vom Morgensport (wie im Cockpit) und der Nacken ist verspannt, weil ich vor dem Bildschirm eingeschlafen bin (wie im Cockpit). Beim Lesen werde ich immer vom Chef gestört (wie im Cockpit) und kann mich kaum auf die tollen Geschichten konzentrieren (wie im Cockpit). Dauernd quält mich ein leichtes Hungergefühl (wie im Cockpit) und das Wasser trinke ich zum Stillen des Durstes direkt ab der Flasche (wie im Cockpit). Ab und zu klingelt das Telefon (wie im Cockpit) und fremde Leute wollen allerlei Unsinn von mir wissen (wie im Cockpit).

Was soll ich da noch in die Ferien fliegen?

Montag, Mai 11, 2009

57 ways of winning your husband's love

Müde und abgekämpft habe ich heute mein Heim wieder erreicht und mich sehr darauf gefreut, Frau und Hund in die Arme zu nehmen. So eine familiäre Wiedervereinigung nach ein paar Tagen ist schön, birgt aber auch Gefahren für die Beziehung. Mann ist müde von der langen Nacht und Frau möchte Mann subito auf den neusten Stand der Dinge bringen.

Damit diese heikle Gratwanderung auch gelingt, hat die "Saudi Gazette" am 4. Mai unter der Rubrik Lebenshilfe eine Checkliste mit 57 Punkten aufgeführt. Ich möchte den Lesern die Liste nicht vorenthalten:

This list, mostly contributed by Muslim women at the MuslimMatters.org blog, is all about winning your husband’s love.
1. Behave like a female, i.e. with all the tenderness of a female.
2. Dress pleasantly and attractively. If you are a home-maker, don’t stay in your sleeping suit all day.
3. Smell good.
4. Don’t lay out all your problems on your husband as soon as he walks in. Give him a little mental break.
5. Don’t keep asking him ‘what are you thinking?’ because
unlike women, men’s thoughts are as random as the results
of a google search. Women on the other hand have thoughts
as organized as a labeled file-cabinet!
6. Stop nagging non-stop before Allah gives you something
really to complain about.
7. Absolutely no talking about your spousal problems to anyone
you meet under the pretense of seeking help, even if you are
the victim. If you think you want to solve legitimate marital
issues then go seek counseling with the right person.
8. Be kind to your mother-in-law the same way you would like
your husband to be kind to your own mother.
9. Learn all the rights and obligations of each other in Islam.
10. Race to the door when he comes home, as if you were
waiting for him. Smile and hug.
11. Keep your house clean, at least to the level that he wants it.
12. Compliment him on the things you know he’s not so
confident about (looks, intelligence etc). This will build his
self-esteem.
13. Tell him he’s the best husband.
14. Call his family often.
15. Give him a simple task to do at home and then thank him
when he does it. This will encourage him to do more.
16. When he’s talking about something boring, listen and nod
your head. Even ask questions to make it seem like you’re
interested.
17. Encourage him to do good deeds.
18. If he’s in a bad mood, give him some space. He’ll get over it,
Insha Allah.
19. Thank him sincerely for providing you with food and shelter.
It’s a big deal.
20. If he’s angry with you and starts yelling, let him yell it out
while you’re quiet. You will see your fight will end a lot
faster. Then when he’s calm, you can tell him your side of
the story and how you want him to change something.
21. When you’re mad at him, don’t say ‘you make me furious,’
rather say, ‘this action makes me upset.’ Direct your anger to
the action and circumstance rather than at him.
22. Remember that your husband has feelings, so take them into
consideration.
23. Let him chill out with his friends without guilt, especially if
they’re good guys. Encourage him to go out, so he doesn’t
feel cooped up at home.
24. If your husband is annoyed over a little thing you do (and
you can control it), then stop doing it.
25. Learn how to tell him what you expect without him having
to guess all the time. Learn to communicate your feelings.
26. Don’t get mad over small things. It’s not worth it.
27. Make jokes. If you’re not naturally funny, find some jokes on
the internet.
28. Tell him you’re the best wife and compliment yourself on
certain things you know you’re good at.
29. Learn to make his favorite dish.
30. Don’t ever, ever talk bad about him with friends or family
unnecessarily.
31. Use your time wisely and get things accomplished. If you’re
a housewife, take online classes and be active in your
community. This will not only make you happy but will
impress your husband too.
32. Do all of the above (i.e. trying to please your husband) for
the sake of Allah and you will see Allah’s blessings in every
thing you do.
33. Spouses are garments for each other; hide your husband’s
faults and help him get over them wisely.
34. Tell your husband you love him, many many times.
35. Have a race with your husband and let him win, even if you
are much fitter than him.
36. Be fit and take care of your health; you will remain a strong
mother, wife, cook and housekeeper.
37. Cultivate good manners. Do not be too loud, whether while
laughing, talking or even walking.
38. Do not leave the house without his permission and certainly
not without his knowledge.
39. Make sure all his clothes are clean and pressed so they
always look fresh and crisp.
40. Ask Allah to strengthen and preserve the bonds of
compassion and love between the two of you, every day in
every prayer. Truly Satan’s most treasured act is to create
rifts between couples to the point of divorce. Seek Allah’s
refuge from Satan.
41. They say the way to a man’s heart is through his stomach,
and that’s really true.
42. Make sure you always have something for dinner.
43. Brush your hair everyday.
44. Don’t forget to do the laundry.
45. Surprise him with gifts. Even necessities can be gifts, like a
pair of new shoes.
46. Listen to him when he’s talking. Don’t interject him and talk
about your own issues.
47. Try (hard as it might be) to take interest in his hobbies
(bowling?). Try not to go shopping too much and spend all
his money.
48. Look attractive and it’s fine, in fact good, to be seductive
towards him.
49. Learn tricks and techniques to please your husband in
intimacy.
50. Prepare for special evenings with him with special dinner
and exclusive time (no children permitted).
51. Take care of your skin, especially the face, which is the
center of attraction.
52. If you are not satisfied intimately, talk to him and help him.
Don’t wait till matters become worse.
53. Never discuss important or controversial matters with him
when he is tired or sleepy. Find the right time for the right
discussion.
54. Learn to compromise.
55. Continue to do things for your husband and don’t take him
for granted.
56. Respect his rights (he’s your road to paradise).
57. Make tea for him or whatever hot drink he likes, it will
soothe his rough edges.

... für die Männer hat es auch etwas: 81 ways to win your wife’s love

Samstag, Mai 09, 2009

von nassen Hunden und erkälteten Schweinen


Weit und breit keine Gewitterwolken und freie Bahn. Auf der ersten Funkfrequenz gibt uns der Flugverkehrsleiter von Guangzhou die Freigabe auf 6000 Meter, während uns die Anflugleitstelle von Hongkong auf der zweiten Frequenz schon einmal darauf vorbereitet, dass wir mit einem sehr kurzen Anflug rechnen dürfen. Was für ein herrlicher Tag!

Über dem Flughafen von Macao entlässt uns der freundliche Herr aus Guangzhou aus seiner Obhut und wir werden dem Kollegen aus Hongkong übergeben, der uns im besten oxfordenglisch Anweisungen gibt. In Sichtdistanz liegt unser Reiseziel, der internationale Flughafen von Hongkong auf der Insel Lantau.
Endlich lässt uns der Lotse absinken. Bremsklappen werden ausgefahren und die Geschwindigkeit bis an die erlaubte Grenze hochgeschraubt. Der Airbus neigt sich nach vorne und wir stechen mit fast 5000 Fuss in der Minute nach unten.

Zehn Minuten später wird das Fahrwerk ausgefahren. Im Hintergrund erkennt man die Stadt und auf dem Hügel neben dem Flughafen winkt der grosse Buddha. Wir sind angespannt. Obwohl der Wind nur leicht aus Ost weht, meldet der Turm heftige Windscherungen über der Pistenschwelle. Ein bekanntes Phänomen in Hongkong, das leider auch schon Menschenleben gefordert hat. Dreissig Meter über der Piste ändert der Wind schlagartig seine Richtung. Die angezeigte Geschwindigkeit schnellt in Sekundenbruchteilen um 30 Stundenkilometer hoch und das Flugzeug schüttelt sich wie ein nasser Hund.

Der Kapitän setzt die Maschine so wunderschön auf, wie es sonst nur Copiloten hinkriegen ☺. Wir rollen zum Standplatz und werden nach dem öffnen der Türen mit Formularen überschüttet. Wie wir uns fühlen, will der Gesundheitsbeamte wissen. Auch nach der Fieberkurve und eventuellem Hustenauswurf erkundigt er sich. Sämtliche Aufenthaltsorte in den letzten sieben Tage müssen genauso aufgeführt werden wie Pass- und Handynummer. Natürlich fülle ich das Formular gewissenhaft aus, obwohl ich meine Zweifel daran habe, ob der chinesische Beamte den Egelsee kennt.

Der Flughafen bietet ein seltsames Bild. Alles was Uniform trägt hat einen Mundschutz im Gesicht, doch das Gros der Reisenden scheint die Saugrippe nicht zu interessieren. So auch im Hotel. Kaum einer trägt Maske, aber die Liftschalter sind mit Schutzfolie abgedeckt und überall kann man sich die Hände mit Chemikalien reinigen. Das widerspiegelt das eigene Empfinden recht gut. Einerseits ist das Interesse an der neuen Grippe abgeflacht und andererseits sollten die Warnungen der Experten nicht ungeachtet in den Wind geschlagen werden.

Die Lust auf das verdiente Bier nach der Landung wird durch den neuen Virus keineswegs geschmälert. Zügigen Schrittes laufen wir auf der Lockard Street Richtung Joe Banana und passieren dabei das Hotel Metropark, das wegen Grippeverdachts Hausarrest über Gäste und Mitarbeiter verhängte. Vor den diversen Lokalen, in denen tanzend Metallstangen poliert werden, stehen leicht bekleidete Mädchen und versuchen männliche Gäste ins Lokal zu locken.
Sie tragen wenig Stoff am Körper, haben aber alle eine Gesichtsmaske über dem Mund. Es bleibt zu hoffen, dass sie sich genauso gewissenhaft gegen andere tödliche Viren schützen.

Mittwoch, Mai 06, 2009

Ade meine lieben Freunde

Bald verlasse ich euch und fliege nach Hong-Kong. Geplant ist eine kurze Reise, aber in diesen schweren Zeiten weiss man nie. Auf jeden Fall packe ich genügend Unterwäsche ein und mein fast tausendseitiges Buch darf auf keinen Fall fehlen. So bin ich für alle Eventualitäten gerüstet.

Ja, in diesen schweren Zeiten sind Unsicherheiten vorprogrammiert. Für einmal ist eine Seuche nicht in China ausgebrochen und da verstehe ich natürlich die Verantwortlichen, dass sie alles daran setzen, die Schweinegrippe noch vor der Chinesischen Mauer abzuwehren. Dass mir bei der Einreise das Fieber gemessen wird, daran habe ich seit der SARS-Seuche gewöhnt, aber ob sie mich diesmal einreisen lassen, weiss ich im besten Willen nicht.

Mein Leiden heisst Heuschnupfen. Die Nase trieft und die Augen sind leicht gerötet. Einem Einreisebeamten mein Leiden zu klagen, wäre mehr als töricht. Auf Chinesisch heisst Schnupfen «xù» und das klingt aus dem Mund eines Langnasen doch ziemlich ähnlich wie «zhù», was wiederum «Schwein» bedeutet. Nicht, dass ich den Teufel an die Wand malen möchte, aber ich sehe da einige Probleme auf mich zukommen.

Lassen die Zöllner mich wider Erwarten doch nach Hong-Kong einreisen, dann bin ich noch längst nicht aus dem Schneider. Mein Nachtquartier werde ich wie immer im Halunkenquartiers Wanchai aufschlagen. Wanchai ist dort, wo am Abend die Post abgeht und die winzigen Lokale mit rotem Licht beleuchtet werden. Mein Hotel ist klein, aber nett. Es hat im Zimmer einen grossen Flachbildschirm, ein deutscher Sender findet sich auf Kanal 17 und auf Knopfdruck werden auch kostenpflichtige Naturfilme abgespielt. Eine Minibar gehört genauso zum Angebot wie ein Fitnesscenter mit Rudermaschine. Dies sind alles Dinge, die ich normalerweise nicht in Anspruch nehme, die dieses Mal aber von grosser Bedeutung sein könnten.

Einen Steinwurf von unserem Hotel entfernt befindet sich das Viersternehaus «Metropark». Im Moment ist das Haus gut besetzt, denn die zweihundert Gäste und hundert Hausangestellten haben sieben Tage Hausarrest. Inbegriffen ist Vollpension mit Tamiflu und Gesichtsmasken im Engros.
Sieben Tage Deutsche Welle, sieben Tage Minibar, sieben Tage Gesichtsmaske, sieben Tage Hausarrest, sieben Tage eingesperrt umrundet vom pulsierenden Nachtleben - brutal!

Also liebe Freunde, vielleicht sehen wir uns ein paar Tage nicht. Ich bin erreichbar über Mail oder Skype. Denn einer wird die Seuche bestimmt virenfrei überstehen: mein Computer aus dem Hause Apple.

Freitag, Mai 01, 2009

Wiederholungen

Nelson Mandela starrt mich an. Er lächelt zwar, aber er starrt mich an. Die sicherlich acht Meter hohe Statue steht so auf dem Platz, dass die Augen des berühmten Mannes exakt meinen Tisch fixieren. Er schaut mir beim Zeitungslesen zu, er betrachtet mich beim Schreiben und er starrt direkt in meinen Teller.

Jetzt lacht er. Gut, die Statue hat schon immer so gelacht, aber jetzt lacht Mandela irgendwie anders. Ha!, er grinst, er amüsiert sich über mein Sandwich, er lacht sich ob meiner Lokalwahl ins Fäustchen. Seit Jahren steht er auf diesem Platz und wenn einer die Kneipen hier kennt, dann er. Hätte ich doch auf ihn gehört, hätte ich nur seine Geste richtig gedeutet und wäre der Richtung seiner rechten Hand gefolgt. Ich würde jetzt nicht in das pampige Brötchen beissen, sondern gegenüber ein blutiges Steak geniessen. Die Welt ist ungerecht und immer ist einer da, der einem beim Tritt ins Fettnäpfchen beobachtet. Ich bin selber schuld, schliesslich bin ich nicht zum ersten Mal in Johannesburg und sollte eigentlich wissen, wo leckeres Essen zu kriegen ist.

Da bin ich wieder einmal über meine Experimentierfreudigkeit gestolpert. Oft geht es gut, manchmal halt schief. Doch nur wer etwas wagt, kann der Langeweile aus dem Weg gehen. Wiederholungen verfolgen mich sonst schon auf Schritt und Tritt. So zum Beispiel auch in diesem Blog. Bin ich hier in Südafrika, dann ist das Thema schon fast automatisch gegeben: Fleisch! Diese wunderbaren 400 Gramm schweren Filets, gelagert mit einer Hingabe, die man in unseren Breiten vermisst und mit einer dicken Pfefferkruste versehen, stehen schon beim Einchecken in Zürich im Mittelpunkt. Nur kann ich nicht jede Woche über meine Proteinbomben schreiben, die ich meinem Verdauungsorgan hier zumute. Der Leser würde diese Wiederholungen nicht goutieren.

Oder das Thema «Schengen». Verfasse ich neuerlich zu viele Worte über das Aus- und Einreisen in mein Heimatland, dann verliere ich alle Politiker, Zöllner und Polizisten als Leser. Das wäre schade, sehr schade. Zu allem Elend könnte ich als Schengenhasser entlarvt werden, was ich absolut nicht bin. Ich amüsiere und ärgere mich nur, wie wir nicht Europäer die europäischen Gesetze so pedantisch umsetzen, dass wir vor lauter Unabhängigkeit nicht merken, wie einfacher das Leben nach einem Beitritt wäre. Hoppla, jetzt drohe ich noch andere Leser zu verschmähen.

Apropos Schengen, wie schon früher beschrieben, werden wir beim Grenzübertritt von «Schengen» nach «non Schengen» seit geraumer Zeit ziemlich hart angefasst. Wie ich aus sicherer Quelle weiss, müssen die Zonen dokumentensicher voneinander getrennt sein. Dokumentensicher heisst, dass nicht einmal ein Blatt Papier durch einen Spalt in den anderen Bereich rüber darf. Und glauben sie mir, unsere Beamten sind in der Durchsetzung der Vorschriften europäische Spitze.

Da hat mich die Szene gestern Abend in Zürich mehr als amüsiert. Die Staatsmacht beobachtete schwer bewaffnet, dass wir Piloten mit den Kollegen im Schengenbereich keinen Kontakt pflegten. Brav zückte ich beim Herrn am Zoll meinen chipfreien Pass, hielt dem Beamten die Seite mit dem Passfoto unter die Augen und beobachtete mit grosser Freude, dass ein fröhlicher Angestellter des Flughafens mit seinem Wischmobil ungeniert zwischen dem «Schengen» und «non Schengen» Bereich pendelte. Eine kriminelle, aber hygienisch saubere Verletzung von Sicherheitsdispositiven inmitten des Hochsicherheitsbereichs. Als ich den Grenzbeamten schmunzelnd auf die Ungeheuerlichkeit aufmerksam machte, schickte er mich freundlich, aber bestimmt weiter. «Schengen» könnte sich als Jobmaschine erweisen. Wird nämlich mein Artikel an richtiger Stelle gelesen, dann haben wir schon bald «Schengen» und «non Schengen» Putzpersonal. Ich freue mich, Nelson Mandela auch.