Samstag, März 07, 2009

Sleep Awareness Week


Das National Transportation Safety Board NTSB hat gestern eine Pressemitteilung herausgegeben, die auf die Schlafprobleme von Flugbesatzungen aufmerksam macht und diese bekämpfen will.

Ich verstehe und begrüsse das.

Studien von namhaften Organisationen wie NASA und anderen gibt es unzählige und die Ergebnisse sind zum Teil erschreckend. Nicht wenige machen auf den gefährlichen Schafmangel aufmerksam, auf Grund dessen schon Besatzungsmitglieder während des Anflugs in den sogenannten Mikroschlaf (< 5 Sekunden) gefallen sind (Quelle).

Seit Jahren liegen sich Pilotengewerkschaften und Management vieler Fluggesellschaften in den Haaren und kämpfen um jede Stunde Arbeits- bzw. Ruhezeit. Dazwischen liegen die Piloten und Flugbegleiter, die getroffene Vereinbarungen und Kompromisse ausbaden müssen. Oft wird gerade von Aussenstehenden der Fehler gemacht, dass Flüge einzeln beurteilt werden. Welche Arbeitszeit kann man einem Besatzungsmitglied zumuten, wenn der Flug um die Mittagszeit startet? Zwölf Stunden? Vierzehn Stunden? Am runden Tisch sieht alles schnell einmal problemlos aus, wenn es isoliert betrachtet wird. Dabei spielt die Kumulation von Schlafmangel eine grosse Rolle.

Die Langstreckenfliegerei findet leider zum grossen Teil nachts statt. Steht ein Abflug kurz vor Mitternacht auf dem Plan, dann ist der normale Mensch schon über 16 Stunden wach. Ich bin ein Morgenmensch und das rächt sich in diesen Situationen. Vorschlafen lautet die Devise, nur gibt es medizinisch gesehen das Vorschlafen nicht. Man kann Schlaf nicht vorholen, man kann nur verpassten Schlaf nachholen. Beginne ich also meine Schicht um 23 Uhr und muss dann noch acht Stunden arbeiten, dann bin ich als „8 Uhr in der Früh Aufsteher“ bei Arbeitsende schon 23 Stunden wach. Und das erlebe ich bis zu sieben Mal im Monat.

Ein seriöser Lebenswandel, viel Sport als Ausgleich und wenig Nachteinsätze ausserhalb des Jobs helfen, die Folgen etwas abzuschwächen. Doch schon eine Baustelle in der Nachbarschaft oder Probleme in der Familie können das Wellnessprogramm in der Freizeit empfindlich stören. Der Körper reagiert dann in der Regel sofort. Letzten Monat habe ich zwei Freitage einfach verschlafen. Mehr als 30 (!) Stunden habe ich abgesehen von ein paar Pinkelstopps durchgepennt. Ich finde das nicht normal und mein Körper auch nicht.

Reinhard Mey besang einst die grenzenlose Freiheit über den Wolken. Ich geniesse sie noch immer, wenn ich auch ab und zu dabei einschlafe……..

Kommentare:

  1. Toller Artikel zu einem Thema, das mich auch schon beschäftigt hat. Als Pax stehe ich gerne früh auf und bin dann schön müde, wenn ich den Dessert gekillt habe. Allerdings hoffe ich immer, dass ihr vorne nicht so müde seid wie ich hinten, was aber scheinbar nicht der Fall ist.
    Frage: Ist deine biologische Uhr nicht zu überlisten, dass man an solchen Tagen halt bis mittag schläft, nachmittag und früher Abend als "Freizeit" deklariert und dann arbeiten geht? Warum stehst du um 8Uhr auf wenn dein Arbeitstag 14 Stunden später beginnt? Ist es besser einen konsequenten Rythmus beizubehalten?

    Philippe, neugierig

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  2. Sorry, jetzt hatte ich falsch gelesen. Anstatt "Sleep Awareness Week"

    "Sleep Awareness Wreck"

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  3. @Philippe:
    Genau da liegt die Krux. Schlaf lässt sich nicht planen, darum gehe ich lieber um 22 Uhr ins Bett wenn ich müde bin und pfuuuse dann bis es von selber erwacht. Ist das 8 Uhr am Morgen, dann kann man daran nichts ändern.

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  4. hallo nff, nach einem flug von 14,15, 15 stunden, wie lang muss dann die ruhezeit sein? das würde mich mal interessieren. ich lese deinen blog immer gern und finde den einblick in die branche wirklich spannend!
    lg katharina, journalistin und immer neugierig.

    p.s. ich habe mal einen arzt beim 24-stunden-dienst begleitet und bin quasi an der wand lehnend eingepennt. wenn ich mir diesen zustand im cockpit vorstelle, wird mir ganz anders.

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  5. NFF scheint aus der Anonymität aufzutauchen... Jetzt pass bloss mal auf, dass deine Fans dir auf der Bahnhofstrasse nicht die Kleider vom Leib reissen!

    Gruss

    Dide

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  6. Tschou Dide

    Wir leben in einer Zeit, wo alte Geheimnisse gelüftet werden. Ich möchte mit meinem kleinen Kulturbeitrag Herrn BR Merz zeigen, das dies gar nicht so schwierig ist.
    An der Bahnhofstrasse trifft man mich sehr selten an. Wenn mir die Groupies an der Forcla Pischa die Wanderhosen vom Leib reissen, ist das eigentlich egal :-)

    @ Katharina:
    Die Maximaldienstzeiten sind in der Verordnung über den gewerbsmässigen Luftverkehr VBR 1 vorgegeben. Fluggesellschaften können diese nach unten anpassen, was auch bei einigen Limiten gemacht wird.
    Wenn Du auf admin.ch den Gesetzestext einsiehst, dann findest Du diese Limiten

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