Mittwoch, März 25, 2009

Bereitschaft 2: Gandhi


Ha! Da hat jemand meinen Seelenbericht aus Shanghai gelesen. Ich klagte über eine Stadt ohne Seele und sehnte mich nach eben dieser. Man hat mich erhört, man hat mich verplant, man schickt mich in zwei Tagen nach Delhi.

Auf dem Subkontinent Indien scheint alles zu leben und zu pulsieren, sogar die Banknoten. Legendär sind die speckigen „ten Rupees“ Scheine, die mit Klammern aus dem Hause Bostitch zu Bündeln zusammengeheftet werden und von kleinen Löchern nur so übersät sind. Ein Tiger und ein Elefant zieren die Rückseite und zeugen vom wilden Tierleben des Landes. Doch dieser Abbildung hätte es nicht bedarft, denn auf der Oberfläche der Banknote tummeln sich so viele Lebewesen, wie es kein Zoo auf der Welt sich leisten könnte.
In 17 verschiedenen Landessprachen ist der Wert des Geldscheines aufgedruckt und welche der insgesamt 22 Dialekte vergessen gingen, entzieht sich meinem Wissen. Auf der Vorderseite der Banknote lächelt mich Gandhi an und flüstert mir ins Ohr:

Die Welt hat genug für jedermanns Bedürfnisse,
aber nicht für jedermanns Gier.

Ich freue mich auch auf die vielen Gerüche, die scharfen Currys, das Chaos in den Gassen, den Stau auf den Strassen, das Durcheinander beim Check-In und auf die freudigen Augen des Kofferträgers am Flughafen, wenn ich ihm als Dank für den vergossenen Schweiss, einen Taglohn in die schmutzigen Hände drücke.
Ich freue mich aber auch auf das tolle Hotel mit den sauberen Bettlaken, denn da bin ich ehrlich. So viel Seele wie Indien zu bieten hat, ertrage ich degenerierter Reisender nur, wenn ich zwischendurch in einem Luxuspalast duschen darf.

Kommentare:

  1. Sehr schön geschrieben :-)
    Indien muss ein wirklich schönes Land sein. Mein Kollege fliegt öfter dorthin.
    Aber 2 Tage können lang sein. Hoffentlich überlegen die Leute von der Flugplanung sich das nicht noch anders und Du fliegst dafür übermorgen nach Reykjavik oder so....
    Nee, war nur'n Scherz ;o)
    Guten Flug und schönen Aufenthalt in der Wärme
    Grüße aus dem verregneten kalten Flachland-Frühling *schnatter*

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  2. Ich mag Indien auch, jeweils im Wissen, dass mein Aufenthalt dort beschränkt ist. Ich bewundere meine indischen Freunde, die dort leben und nun, in der Krise, teilweise aus Dubai wieder zurückgekehrt sind. Ich weiss nicht, wie lange ich das Leben in einer indischen Grossstadt ertragen würde, allein die Luft …

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  3. Wow, könnte man diese Banknoten nicht einigen Bankern um die Ohren hauen? Vielleicht würde dann Ghandis Satz in die Hirne dringen! Viel Vergnügen und Genüsse in Indien!!

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  4. Toller Bericht - tolle Gegenüberstellung einer Grossstadt in Indien zu einer in China.

    Ihr Langstreckenpiloten fliegt natürlich nur zu Grossstadt-Destinationen. Die Armut präsentiert sich in Grossstädten doch erbärmlicher als in Kleinstädten. Geschweige denn auf dem Land - da ist die Armut zwar ebenfalls vohanden, aber sie hat ein anderes Gesicht.

    Ich habe Manju aus Indien kennengelernt, die eine Zeit bei uns in der Schweiz verbrachte. Offenbar lange genug um etwas angewidert zu sein von uns "Grüseln".
    Wieso?
    Sie erwähnte dass wir baden, statt zu duschen. Wir würden uns uns in unserem eigenen Dreck aufhalten und suhlen. Dann erzählt sie von einer Einladung zu einem Fondue. Sie war entsetzt über unsere hygienischen Verhältnisse. Wir würden die Gabel, die wir vorher abgeleckt hatten, wieder in den gemeinschaftlichen Pot tauchen. Sie fand das äusserst unhygienisch, um nicht zu sagen dreckig.
    Tja, andere Länder, andere Sitten.

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  5. ... war wohl nix mit Delhi.....
    Petra, du scheinst eine Wahrsagerin zu sein :-)

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  6. Nee, das tut mir jetzt leid. Wollt' ich nich' ehrlich nich.....*schnüff*

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