Dienstag, Februar 10, 2009

das Loch in den Unterhosen





Wenn ich auf dem Stuhl mit dieser Aussicht sitze, dann bin ich glücklich. Diese Oase des Kaffees begleitet mich nun seit vielen Jahren in den neuen Tag, wenn ich meine Zelte in Long Beach aufgebaut habe.
Frisch gerösteten Kaffee, den es sonst nur bei Bethli und Renato Ferrari in der Metropole Dietikon gibt, geniesse ich zusammen mit Backwaren, die in solcher Qualität in diesen Breiten selten sind.
Dazu eine Wochenzeitung lesen oder im Internet surfen. Gut öffnet Polly‘s, wie sich das Kaffee nennt, schon vor 7 Uhr in der Früh seine Pforten. Mit 9 Stunden Zeitverschiebung dankt das mein um diese Morgenstunde viel zu tiefer Koffeinpegel.

In der Regel sitze ich weit über zwei Stunden am gleichen Platz und trinke in regelmässigen Abständen einen grossen Becher Latte. Zeitdruck habe ich keinen, schliesslich war ich zwischen drei und fünf Uhr morgens bereits im Fitness und habe danach den Sonnenaufgang beim ausgiebigen Spaziergang am Strand genossen.

Doch gestern war das anders. Auf meiner «to do» Liste hatte es einige Punkte, die mir Kopfzerbrechen bereiteten. Mein heimischer Unterhosenbestand, bestehend aus ca. zwölf Antiquitäten aus der Gründerzeit von H&M, wurde entweder Opfer von Motten oder meinen pneumatischen Aktivitäten. Grosse Löcher machten sich im hinteren Bereich der Baumwollteile bemerkbar und an eine Reparatur der geliebten Schlüpfer war nicht zu denken. So fand der ungeliebte Eintrag seinen Weg auf meine Erledigungsliste.

Liebend gerne hätte ich im «Apple-Shop» etwas eingekauft oder irgend ein Leseband im Buchladen erstanden. Aber Unterhosen kaufen? Gibt es es für einen Mann etwas langweiligeres?
So nahm ich widerwillig den Weg Richtung Einkaufsstrasse in Angriff und steuerte den Laden an, der sich gerade während der Krise regen Zulaufs erfreut: der Wal-Mart.
Dieser Laden ist mindestens so gross wie zwei Fussballfelder und bietet alles an, was der kostenbewusste Amerikaner zum Leben halt so braucht. Aus arbeitsethischen und ökologischen Gründen sollte man die Kette eigentlich meiden, aber um bei einem ungeliebten Einkauf ein ungeliebtes Kleidungsstück zu erstehen, ist ein ungeliebter Laden der ideale Ort.

Mit einem Einkaufswagen fast so gross wie der Kleinwagen «Smart», betrat ich durch die Eintrittsschranke den riesigen Verkaufsraum. Das Glück war mir hold, denn gleich zu meiner Rechten erspähte ich die Kleiderabteilung für Männer. Statt in der Unterhosenauslage zu stöbern, zog es mich zuerst in die Sportabteilung. Schnell fanden zwei kurze Jogginghosen und zwei funktionelle Sportleibchen den Weg in den Einkaufswagen. Gerne hätte ich auch noch ein Sweatshirt erstanden, aber in meiner favorisierten Farbe hatten sie nur die Grössen 5X (XXXXXL) und 4X (XXXXL) im Angebot. Beim Weg Richtung Unterhosen rammte ich ein Gestell behangen mit Kurzarmhemden eines Labels, dass ich schon bei einem unserer modebewussten Stewards gesehen habe. Ein unmissverständliches Zeichen, dass die Marke im Moment angesagt ist. So erhöhte sich mein Kleiderberg im Wagen um eben drei dieser Hemden.
Etwas versteckt hinter der Arbeitskleidung für Handwerker, befanden sich die gesuchten Baumwollunterhosen. Im Viererpack wurden sie angeboten und ich musste mich höllisch konzentrieren, dass ich beim herunternehmen vom Gestell nicht die 4X Grösse erwischte. Der Berg im Wagen wuchs um 12 Paar «Fruit of the Loom» Slips. Beim Gang Richtung Kasse passierte ich die Unterleibchenabteilung und ehe ich mich versah, lagen noch vier weisse Shirts auf den Unterhosen und den anderen Kleidern.

Wenige Minuten später parkte ich meinen «Smart» vor der Kasse und der freundliche Herr begann zu tippen. In einer stoischen Ruhe betrachtete er jede Etikette und packte das erstandene auch gleich in die bereitliegenden Plastiktaschen. Mein ökologisches Gewissen wurde schwer belastet, als ich den Einkaufshaufen und die vielen Taschen vor mir erblickte. Meine Miene hellte sich aber wieder auf, als ich das Total an der Registrierkasse angezeigt sah. Ganze 115 Dollar wurde meiner Kreditkarte abgebucht. Ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, was für grosse Löcher an delikater Lage damit gestopft werden.

Kommentare:

  1. XXXXXL und XXXXL? Verstehe, dass du keine genommen hast, hautenge Männeroberteile können in unserer Firma falsch gedeutet werden ;-)

    Gruess uf LA, G!

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  2. O.t.: Eben auf der 'Blogrolle' hier gewesen. Wußte gar nicht, dass es so viele schreibende schweizer Piloten gibt. Ist das der Splitduty-Virus?

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  3. Aber Frau Klugscheisser, hier handelt es sich mitnichten um das "Splitduty-Virus". Das ist vielmehr der Versuch einer literarischen Minderheit, sich einen grossen Minderwertigkeitskomplex abzuschütteln und den grossen Nachbarn im Norden zu zeigen, welch gewaltiges linguistisches Potenzial in uns fliegenden Eidgenossen steckt. Landen tun wir ja eh besser als die Kollegen von der Lufthansa, aber das haben Sie sicher schon gewusst...

    Gruss

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  4. Lieber NFF,

    bisher habe ich mich als stille Mitleserin immer an Deinen neuen Blogeinträgen erfreut. Jetzt muß ich aber doch auch mal meinen Senf dazugeben:

    Ist Unterhosenkauf nicht eigentlich Frauensache?
    Schließlich möchten wir bei Paßform (solange praktisch, ist schon klar) und Design auch gerne mal ein Wörtchen mitreden.... Männer geben ja in Dessousfragen auch gerne mal ihren Senf dazu ;-))
    Nimm Deine Frau doch das nächste Mal mit, die kann dann bei WalMart das passende Design aussuchen und Du gehst bei Steve shoppen...

    @ Eppler Family: Bei LH merkt man wenigstens, wenn die gelandet sind. Bei LX muß man sich erst mal vergewissern, ob man auch tatsächlich schon am Boden ist... ;-)

    Viele Grüße aus Norddeutschland
    Katie

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  5. @Katie:
    Würde ich die Unterhosen kaufen, die Frauen gefallen, dann wären die Nähte mit Sicherheit an den falschen Stellen und mein delikatestes Stück würde nach 12 Stunden Cockpitsitzen so seltsam aussehen, dass meine Frau mich mit Bestimmtheit wieder fragen würde, was ich in Bangkok auch wieder gemacht habe.
    MÄNNERUNTERHOSEN KAUFEN IST MÄNNERSACHE!

    @Frau Klugscheisser:
    Bei der Swiss gibt es einfach viel zu berichten, vor allem seit wir Kolleginnen vom LH München in unseren Reihen haben :-)

    @Dide:
    ... wobei gesagt werden muss, dass die Kollegen der LH bei Frauen auch nicht schlecht landen.....

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  6. 'Unterleibchen', lovely :-)

    Also ich würde mich keinesfalls in den Unterbekleidungskauf meines Mannes einmischen. Ich hab doch keine Ahnung davon was da wie geschnitten sein soll/muss, dass es bequem ist. Un im Fall des Falles ist das Ding doch eh nicht lang zu sehen ...

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