Samstag, Januar 31, 2009

Genusstag

Der Wind bläst über das Hoteldach und trägt die Regentropfen in atemberaubender Geschwindigkeit über die Bambusbäume. Diese neigen sich bedrohlich zur Seite und richten sich erstaunlicherweise immer wieder von selber auf. Der Blick durch mein Hotelfenster ist wegen der Feuchtigkeit verschwommen, trotzdem glaubt man die kalten Temperaturen sehen zu können. In der Schweiz ist es noch Freitag und hier in Japan schon bald Zeit für den dritten Morgenkaffee.
Einen ganzen Tag habe ich zur freien Verfügung. Vierundzwanzig Stunden, in denen ich keinerlei Verpflichtungen habe und mich nicht von Fixterminen terrorisieren lassen muss. Traumhaft und dennoch nicht ohne Probleme.

Eigentlich schreit das Wetter draussen förmlich nach einem Ausflug in ein Onsen oder ein Sento. Beides sind heisse Bäder, in denen es sich herrlich entspannen lässt. Wie schön wäre es jetzt, nackt in einem heissen Becken zu liegen, ab und zu ins Dampfbad zu wechseln und sich dann den Händen der Shiatsu Masseurin anzuvertrauen. Während draussen der Regen über die Plätze peitscht und dem Achterbahnbetreiber das Geschäft vermiest, liesse sich herrlich über das Leben philosophieren. Doch leider ist es Samstag und ein grosser Teil der arbeitenden Bevölkerung Japans wird die gleiche Idee wie ich haben.

Oder warum nicht nach Kameido? In das Quartier in der Nähe des Sumo Zentrums, um im kleinen Laden der unbekannten Familie einen Berg Gyoza zu essen? Diese Gyoza sind schmackhafte Teigtaschen, die in diesem Laden so gut schmecken, dass man einen fast zweistündigen Anfahrtsweg in Kauf nimmt.
Danach würde ich dann in Shinjuku meine Unterarme trainieren, mit einem Schläger einen harten Ball ins Netz hauen und mir dabei einen Muskelkater holen, der in dieser Form so einzigartig ist.


Immer wieder unterhaltsam ist auch ein Abstecher nach Asakusa. In der Strasse für Küchenzubehör kann an in den Läden die neusten Plastikkreationen für die Auslagen der Restaurants beobachten und selbstverständlich auch erstehen.


Der so geweckte Appetit wird dann in einem der zahlreichen Fresstempel gestillt, wo unbekannte Köstlichkeiten den Weg in den Magen finden.


Ja, an Plänen fehlt es mir nicht heute Morgen. Nur leider hält sich meine Motivation bei diesem Wetter in Grenzen. Eine wetterfeste Jacke hätte ich ja dabei, aber auf den Kampf mit den Millionen von Regenschirmen, die die kleingewachsenen Japaner genau auf meiner Augenhöhe tragen, habe ich keinen Bock.

Solange es so in Strömen regnet, bringt mich nichts nach draussen und ich werde wohl meine Fitness im hoteleigenen Kraftraum stählen, dabei amerikanischen Cargopiloten auf die grossen Oberarme schauen, bzw. den Hostessen von Virgin auf den Hintern.
Zwei grosse Zeitungen werden dabei verschlungen und viel vom Winter im Engadin geträumt. Ich werde danach einen Mittagsschlaf machen, ein paar Starbuck Latte trinken und die neue Software von Apple installieren. Vielleicht schaue ich noch ein paar verpasste Fernsehsendungen an, die gespeichert auf dem Computer auf mich warten oder spiele im Pub ein paar Partien Billard gegen einen Kollegen einer anderen Airline. Was für ein herrlicher Männer-Samstag wartet da auf mich!

Kommentare:

  1. Immer wieder schön was aus der großen weiten Welt zu lesen man kann sich richtig in Deine Lage versetzen einfach traumhaft Dein Beruf bitte mach weiter so und hoffenlich noch viele viele Bilder.

    Gruß Nico

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  2. Danke... ich weiss definitiv auch schon, mit wem ich meinen ersten NRT flug bidden werde! :-D Ortskompetente Crewführer sind unbezahlbar!

    Gruess, G!

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  3. Hallo G!

    ... auf das kannst Du wetten! Du wirst Tokio nach unserem gemeinsamen Stadtbummel lieben :-)

    @Nico:
    ... das werde ich machen.

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