Freitag, Januar 23, 2009

best use of equipment

Fragen sie sich auch ab und zu, warum sie gerade den Beruf ausüben, der die aktuelle Visitenkarte schmückt? Ich mache das laufend. Einerseits habe ich Hoch und Tiefs wie vermutlich jeder andere Berufstätige und anderseits staune ich in regelmässigen Abständen über die Fähigkeiten, die ein Pilot haben sollte. Ich zähle jetzt darauf, dass keiner meiner Vorgesetzten mitliest und oute mich öffentlich, wie das im Internet im Moment so Mode ist.

Das ein Pilot teamfähig sein sollte, ist wohl unumstritten. Ich bin es nicht, kann es aber situationsgerecht verschweigen - zumindest im Cockpit. Wobei es in der Praxis gar nicht so wichtig sei, dass man als Kopilot teamfähig ist, versucht mir ein Aviatikexperte in der Sonntagszeitung zu erklären. Tim heisst der Journalist und es handelt sich bei diesem Tim nicht um den bekannten Eishockeyspieler aus den Emiraten. Im Zusammenhang mit einem Zwischenfall letzter Woche in New York behauptet eben dieser Tim, dass der Kopilot nur zum Zuschauen verdonnert ist. Zu nichts ist er da - zu gar nichts. Schliesslich ist dieser Tim ein Experte und ein Experte steht über dem Instruktor und dieser Instruktor, der mir meinen Check nächste Woche abnimmt, wird das noch zu hören bekommen! Jawohl!

Zurück zu der fehlenden Teamfähigkeit. Hier im Engadin bewohnen wir als Quotenschweizer ein kleines Studio in einem Haus voller Attikawohnungen. Ich könnte jetzt mit Kubaturen oder Quadratmeterzahlen prahlen, aber wenn sie sich einen Wohnwagen vorstellen, kommt das schon sehr nah an unser kleines Heimetli heran. Im Gegensatz zum Wohnwagen, ist in der Wohnung alles solid verschraubt und eingemauert. So auch die Küche mit den zwei Kochplatten. Hätte mich einer des Selektionsteams je beim Kochen beobachtet, ich wäre nie und nimmer Pilot geworden. Der Kampf mit zwei Herdplatten, dem beschränkten Platzangebot, dem Hund, der immer im Weg liegt und den anspruchsvollen Menues, erfordert Aggressivität, Wille und Durchsetzungskraft. Da ist kein Platz für gruppendynamische Gespräche, Diskussionskultur, Feedbacks und dergleichen. Auch ein Partner hat da nichts zu suchen. Mein Arbeitsstil in der Küche ist so chaotisch, dass ich ihn nur alleine ertrage.

Meine Frau arbeitet ganz anders. Ein sauberes «Mise-en-place» wird gemacht, bevor die ersten Elektronen durch die Heizplatte schwirren und in schöner Regelmässigkeit wird die Arbeitsfläche von Schmutz und Rüstresten befreit. Ich mache alles parallel, kämpfe ständig mit zu wenig Platz, rüste die Zwiebeln, wenn die Butter schon warm ist und würze mit der einen Hand, während die andere schmutziges Geschirr stapelt. In beiden Fällen ist das Ergebnis hervorragend. Sowohl das Filet Stroganoff, hingezaubert von meiner Frau, als auch die Steaks an Morchelsauce, entstanden im heutigen Chaos, konnten sich mit der Küche des nahen Viersternehotels messen.

Aber eben, das geht nur gut, wenn jeder von uns Ehepartnern freie Hand hat. Doch leider neigen sich meine Ferien langsam dem Ende zu und ich muss mich wieder an den Arbeitsplatz herantasten, an dem ich meine chaotische Ader verbergen muss. Zum Glück handelt es sich um einen leichten Einstieg. Es geht nur in den Simulator, ich habe nur einige Notfälle zu meistern und die Lizenzverlängerung hole ich mit links. Schliesslich bin ich nur zum Zuschauen da und wenn das der Instruktor nicht glaubt, dann schicke ich ihn zum Experten Tim.

Kommentare:

  1. Good luck - und bitte nicht baden gehen!

    Gruss TWR Mädel

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  2. Danke! Ich werde alles geben und die virtuellen Controller mit Notfallmeldungen zudröhnen :-)
    Wünsche gute Nachtschicht!

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  3. Sali nff

    Danke für die Erinnerung! Werde das meinem Kollegen morgen also auch wieder erklären müssen, dass seine harte Ausbildung eigentlich für die Gans, äh Katz war und er sich gefälligst aufs Wesehentliche konzentrieren soll.
    Nein im ernst, GottseiDank hat dieser Tim keine Ahnung vom realen Piloten-Dasein.
    Viel Glück im Sim. Gehe am 3.2.09 ebenfalls. Allerdings nimmt das bei uns 6 Tage in Anspruch *schwitz...
    Und geniess Japan für mich mit.

    Gruss Wisi

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  4. 1.Ich finde es gut das du offen bist.
    Ich persönlich habe auch Dinge zu "verbergen"...
    Ich mag es zb. gar nicht ständig in einer Gruppe wie ein Rudel Teenager rumzurennen und hab manchmal einfach mehr Lust alleine oder zu zweit was zu machen als mit der ganzen Truppe.
    Gegenüber dem Selektionspersonal ist das natürlich im verborgenen geblieben ;D



    2.Ich finde es schlecht wie du über Tim schreibst.
    Da hätte man sich einen dieser Sensationsreporter schnappen können und diesen bloßstellen können.

    Grüsse und viel Spass im "Schwitzkasterl" :)

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  5. Man soll nicht sagen, Tim habe keine Ahnung. Immerhin weiss er:

    "Runter kommen sie immer"

    Das genügt doch zum Experten!

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  6. Man soll nicht sagen, Tim habe keine Ahnung. Immerhin weiss er:

    "Runter kommen sie immer"

    Das genügt doch zum Experten!

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  7. Hallo NFF. Ich kann deinen Frust gut nachvollziehen. Die Behauptung, der Copi sei lediglich zum Zuschauen verdonnert, entbehrt für jeden Insider jeglicher Realität. Zufälligerweise lese ich im Moment ein Buch mit dem sinnigen Titel "Überflieger", verfasst vom amerikanischen Autor Malcom Gladwell. Im Kapitel "Flugzeugabstürze und Kultur" (weswegen ich das Buch gekauft habe!) wird eine andere Behauptung aufgestellt: "Interessanterweise passieren weit mehr Unfälle, wenn der Kapitän selbst den Steuerknüppel in der Hand hält. Das scheint zunächst vollkommen absurd, denn schliesslich hat der Kapitän mehr Flugerfahrung." Dann folgt der Hinweis auf einen Unfall einer Air Florida Maschine, bei dem der Copi sehr zögerlich kommuniziert hat. "Wenn der Kapitän in der Rolle des Ersten Offiziers gewesen wäre, hätte er dann drei Mal eine Andeutung gemacht? Nein, er hätte einen Befehl erteilt, und das Flugzeug wäre nicht abgestürzt. Flugzeuge sind sicherer, wenn der weniger erfahrene Pilot fliegt, da der Copilot in diesem Fall keine Angst hat, den Mund aufzumachen."
    Wenn auch diese Aussagen m.E. etwa plakativ daherkommen, so sprechen sie zwei zentrale Punkte an: Das Hierarchieverständnis und die Kommunikation. Und last but not least wird deutlich, dass ohne den Copiloten in einer modernen Passagiermaschine gar nichts läuft!
    Damit sollten alle deine Selbstzweifel - und jene deiner Kollegen - aus dem Weg geräumt sein... Viel Spass im Simi! Yes you can!

    Dide

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  8. Es gibt da so eine Gruppe(meinVZ/StudiVZ) die nach folgendem,jeden von uns bekannten, Satz benannt ist :

    "Ääh, aber Du bist dann doch ERSTMAL NUR Co-Pilot, oder?!?"


    göttlich die Gruppe ;)

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  9. Wenn die Frau gut kocht, hast du sicherlich schon gute Arbeit geleistet ;-) Wenn der Kapitiän gut fliegt, bist du daran vielleicht auch nicht unschuldig.

    Kannst dir ja gelegentlich auch selber auf die Schulter klopfen, wenns nötig ist…

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  10. Severin Baerlocher24 Januar, 2009 14:07

    wer muss schon Teamfähig sein wenn er das Multitasking beherrscht und darin scheinst du ja Meister zu sein. Zwiebeln schneiden bei bruzzelnder Butter, Teller stappeln und gleichzeitig würzen, da könnte noch manch einer seine Tätigkeiten in gewissen Kabäuschen von Fliegern verbessern. Allein dafür solltest du unter die Schulterklopfmaschine stehen dürfen.

    Viel Glück im Simulator...

    Grüess, Sevo

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  11. Teamfähigkeit in einer Führungsposition?
    Das soll nur bedeuten, dass man mit den andren menschlich umgeht. Die Entscheidungen nimmt einem keiner ab.
    In meinen pädagogischen Kreisen, die bekanntermaßen viel damit arbeiten müssen, wird folgender Spruch verbreitet.
    TEAM = Toll,Ein Anderer Macht's.

    Oder wie ein Kollege sagt:"Teamfähigkeit ist an sich nichts positives. Auch ein ordentlich geplanter Banküberfall zeugt von Teamfähigkeit."

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  12. Tja, dass "Aviatikexperte" kein geschützter Beruf ist, zeigt sich eben immer wieder. So kann jeder, der einmal den "Flush"-Knopf auf der Flugzeugtoilette betätigt hat, oder beim Alpenflug vom Piloten die Erlaubnis erhalten hat, während des Rundflugs die Hand am Horn mitzuführen, sich als Aviatikexperte bezeichnen.

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  13. Moin nff,

    bin hier auf Deinen Blog gestossen, beim Warten auf meinen nächsten Flieger in Guangzhou. Muss Dir sagen, das mit dem Kochen wird wohl nicht besser, es war bei mir immer so, und ich bin jetzt schon einige Jahre Cpt.
    Dann spiel mal weiter "mitfliegen", dabei weiss man doch, der mit den guten Tipps und der weiss, wie man das FMS bedient, sitzt immer rechts;-) Der Tim weiss es nicht...

    Gruss, ANTI ICE FAIL

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  14. Hmmmm...
    Teamfähigkeit - eine "Sekundärtugend"?

    Der Helmut Schmidt in Deutschland hat es dem Oskar Lafontaine nie vergessen:
    Als Schmidt die Deutschen Tugenden: Fleiss, Disziplin, Pünktlichkeit lobte und hervorhob, entgegnete der Lafontaine, dies seien Sekundärtugenden:
    Mit diesen liesse sich ebensogut ein gut geführtes KZ betreiben.

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  15. Diese beiden Kochstile kommen mir sehr bekannt vor, das ist in diesem Haushalt ähnich ;-)

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  16. Überwältigt von den vielen Kommentaren sitze ich hier am Tag 1 nach meinem Simutator-Doppeltag in Narita und beantworte die Kommentare "in corpore".
    Die Lizenz ist wieder im Sack und ich darf wieder ein halbes Jahr arbeiten. Das ist gut so und ich bin dafür auch dankbar.

    Jetzt heisst es wieder "Leben geniessen" und die Bücher weglegen. In einem halben Jahr ist es dann wieder soweit und ich werde neuerlich staunen, was ich schon wieder vergessen habe :-)

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