Montag, November 17, 2008

der Strich in Bangkok

So eine Woche Bangkok weckt Erinnerungen an längst vergangene Zeiten. Ach, was sind wir doch früher tageweise an den schönsten Orten auf der Welt herumgesessen, haben uns beklagt, wenn wir nur drei statt vier Tage vor Ort auf den Heimflug warteten und sind dabei nächtelang in Halunkenquartieren herumlungert.
Heute sind Kurzaufenthalte von knapp 24 Stunden die Regel und ich wage zu behaupten es noch zu erleben, dass ein schnittiger Jungmanager auf die Idee kommt Hotelkosten einzusparen und die Besatzungen nach einem Nachtflug gleich wieder auf den Weg Richtung Heimathafen zu schicken.

Keine Zukunftsmusik sind solche Ping-Pong-Flüge an fernen Destinationen wie Bangkok oder Sao Paulo, wo das Flugzeug an noch fernere Orte weiterfliegt und eine frische Crew die abgekämpfte ablöst. Liebevoll werden die Hüpfer von den Besatzungen «Turnarounds» genannt und zumindest auf der Langstreckenflotte sind diese alles andere als beliebt.
Das Wort «Turnaround» kommt mit grosser Wahrscheinlichkeit daher, dass immer dann der Wecker klingelt, nachdem man sich von einer Bettseite auf die andere dreht und sich auf weitere vier Stunden Schlaf freut. Diese Tage sind für Körper und Geist anstrengend und schlagen auf die Psyche.
Leider ist es weder ein Offizialdelikt noch sonst eine strafrechtlich relevante Handlung, wenn Besatzungen an Bord festgehalten werden, während die Passagiere an den paradiesischen Orten die trockene Röhre verlassen.

Dennoch haben diese «Turnarounds» auch eine gute Seite. Denn sie sorgen dafür, dass der Aufenthalt an den Destinationen für einmal länger als 24 Stunden ausfällt. Endlich einmal mehr als ein paar Unterhosen einpacken, endlich einmal Zeit verschiedene Kneipen zu beehren und endlich Gelegenheit, das schon lange angefangene Buch am Hotelpool zu beenden. Hat man dann wie ich das Glück, dass vor und nach dem ungeliebten «Turnaround» ein freier Tag im Einsatz steht, dann darf man schon fast von einem erholsamen Aufenthalt reden.
Auch diese freien Tage haben unter Besatzungen einen eigenen Namen erhalten. Man redet dabei vom «Strich» und das hat wiederum nichts zu tun mit dem gleichnamigen Gewerbe, das hier in Bangkok so verbreitet ist. Strich darum, weil der freie Tag in unserem Monatseinsatz als Linie erscheint.

So hielt mich während dem Nachtflug von Zürich Richtung Ferner Osten die Vorfreude auf den Stich in Bangkok wach. Damit meine ich zum zweiten Mal nicht das gleichnamige Gewerbe, das in Thailands Hauptstadt so verbreitet ist.

Nur leider kommt es erstens anders und zweitens als man denkt.

Meine Firma strich den Strich in Bangkok und schickt mich stattdessen auf den «Turnaround» nach Singapur. Nicht dass sie mir den Strich in dieser Metropole nicht gönnen würde, aber mein Kollege, der gestern den Strich in Bangkok genoss und sich dabei einen Käfer holte, hat heute keinen Druckausgleich, dazu eine laufende Nase und kann den «Turnaround» in diesem Zustand nicht antreten. So verzichte ich heute auf den Strich und jette hurtig in den Stadtstaat nahe am Äquator.
Morgen dann das gleiche Programm noch einmal mit einer anderen Crew, die heute den Strich geniesst. Am Mittwoch bin dann endlich ich an der Reihe und kann den Strich in dieser pulsierenden Stadt geniessen. Hoffentlich hole ich mir dabei nicht den gleichen Käfer wie mein Kollege einige Tage zuvor.

Habe ich schon erwähnt, dass ich mit dem Strich nicht das gleichnamige Gewerbe meine, das hier in Bangkok so verbreitet ist?

Kommentare:

  1. Mal für "Nichtschweizer" oder "Nichtpiloten": Was bedeutet es, sich einen "Käfer" zu holen ?
    Das hat doch nichts mit dem Gewerbezu tun, das in Thailands Hauptstadt so verbreitet ist, oder ?

    "Tweety"

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  2. Hm, das hat eher was mit den Klimaanlagen dort zu tun - würde ich mal so sagen.
    Und der "Käfer" ist dann dass, was man sich bei daraus folgender Unterkühlung einfangen kann. ;o)
    Mal so interpretiert von einer "Nichtschweizerin"

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  3. Also, früher, d.h. zu meinen Zeiten, hat man von einem "flotten Käfer" gesprochen. Aber das hätte dann ja wieder mit dem berühmten Gewerbe zu tun?!?...da soll noch einer drauskommen. Nun ja, wir werden ja sehen wie der Käfer aussieht den NFF nach Hause bringt...oder...äh...nicht???

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  4. ...solange der Kollege nur den "laufende-Nase"-Käfer eingefangen hat...

    ;-)

    G!

    ps: jo, s'isch nüm wie früener ;-)

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  5. ...ääähh...bin ich jetzt auf dem Laufenden?...;-)

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  6. Ich kann alle beruhigen. Es ist jetzt 1620 Uhr an meinem Strichtag und ich bin erst aufgestanden.
    Ich war also im Bett und das ganz ohne Käfer....

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