Montag, November 24, 2008

es muss nicht immer Bangkok sein






.... das Engadin ist doch viel schöner!

PS: die Loipen und die Pisten sind (noch) leer und die Wirtschaft kriselt auch ohne Euch :-)

Mittwoch, November 19, 2008

Dangerous Goods

Wie überall gibt es auch in der Fliegerei Angenehmes und Unangenehmes. Unter die Kategorie «unangenehm» fällt eindeutig alles rund ums Thema «Dangerous Goods». Zu diesen DG‘s, wie wir die gefährlichen Stoffe auch nennen, gehören sowohl Gifte als auch brennbare Materialien und Stoffe mit einem Strahlenschutzlabel.

Natürlich gibt es für den Transport solcher Güter in einem Passagierflugzeug unzählige Vorschriften und natürlich wird das Wissen über diese auch regelmässig überprüft. Einmal im Jahr geschieht das in Form eines schriftlichen Tests im Schulhaus in Kloten und sporadisch auch vor Ort auf dem Flugzeug, durchgeführt durch Fachpersonal vom helvetischen Flugamt.

Ich gebe zu, dass ich nicht in jedem Punkt mit den Behörden einig bin, aber gestern haben mich die Dame und der Herr restlos überzeugt. Warum zum Herrgott sollen die Test auch im feuchtkalten Zürich abgenommen werden, wenn dies auch im warmen Singapore geht? Natürlich sind die beiden nicht nur wegen meiner Person in eine der abgelegensten Städte auf unserem Streckennetz gereist. Gleichzeitig wurde auch der Flughafen des Stadtstaates auditiert (oder wie das heute im Mänätscher-Slang so heisst).

Solche Überprüfungen machen nur Sinn, wenn niemand davon weiss. So sass ich in den Socken, ohne Krawatte und zeitungslesend im Cockpit, als jemand hinter meinem Rücken an die Tür klopfte und sich in breitem Berndeutsch als Bundesbeamtin vorstellte. Da ich auch in Socken und offenem Hemd charmant sein kann, war die Situation schnell gerettet und Fragen ihrerseits prasselten Sekunden später auf mich ein. Fehlerlos bestand ich die Überprüfung und fand danach noch Musse, mit der nicht unattraktiven Dame etwas zu quatschen.

Trotzdem war die Pause im Arsch und plötzlich drohte mir die Zeit davonzulaufen. Keine halbe Stunde später heulten die Motoren auf und wir schwebten von der Piste 02C wieder Richtung Bangkok davon.

Der nächste Nespresso fand den Weg ins Cockpit und erleichtert wurden die Schultergurten gelöst. Ein seltsames Geräusch ertönte, als der Chef seine Dinger mit einem Handgriff in die Freiheit entliess. Das klang nicht wie sonst üblich und der mitgereiste Mechaniker bewaffnete sich sogleich mit verschiedensten Werkzeugen.

Der Schultergurt war verklemmt und schnell war klar, dass dieses Malheur in der Luft nicht repariert werden kann. Ein Blick in die Vorschriften zeigte, dass ein Weiterflug mit defekten Schultergurten auf der Kapitänsseite nicht erlaubt ist. Die Zentrale in Zürich wurde informiert und diese instruierte unseren Schraubenmeister sachgemäss. Nach längerer Erklärung verstanden auch wir pilotierenden Laien, dass der dritte Sitz als fliegendes Ersatzteillager dienen soll. Noch während des Reisefluges demontierte der Mechaniker in aller Eile die hintere Sitzgelegenheit und baute das gesuchte Teil aus, um am Boden sofort für den Wechsel bereit zu sein. Fein säuberlich deponierte er die losen Teile im Pilotenschlafzimmer und wir landeten währenddessen den 170 Tonnen schweren Flieger auf der Piste 01R in Bangkok.

Waren die Motoren endlich abgestellt, kam beim Mechaniker Hektik auf. Er rannte um das Flugzeug herum, machte vor der Sitzreparatur noch den Aussencheck und liess uns Steuermänner im Cockpit mit dem hinteren Sitzgerippe allein.
Mir blieb nichts anderes übrig als meine Unterlagen einzusammeln, das Gepäck zu schultern und die zwei benutzten Kaffeebecher des Mechanikers zu entsorgen. Lieblos stopfte er Schokoladenpapier und leere Kaffeerahmportionen in den oberen Pappbecher, was zusammen mit dem schmutzigen Löffel keinen schönen Anblick bot. Ich packte die zwei übereinander gestülpten Becher mit dem unappetitlichen Inhalt und schmiss sie in den Abfalleimer.

Bewusst, dass wir heute gute Arbeit geleistet haben, schlichen sich der Kapitän und ich Richtung Feierabendbier davon und freuten uns auf die scharfe Suppe im hoteleigenen Kaffeeshop.

Am nächsten Tag war der Sitzumbau natürlich Thema Nummer Eins. Ich fragte den Mechaniker vor dem Antritt meines zweiten Fluges nach Singapur, ob die grössere Reparatur auch geglückt sei. Er bejahte, beklagte sich aber über die Idioten der Putzmannschaft, die während seiner kurzen Abwesenheit den bereitgestellten Kaffeebecher gefüllt mit den Schrauben des Sitzes einfach entsorgt haben. Ich schwieg.

Montag, November 17, 2008

der Strich in Bangkok

So eine Woche Bangkok weckt Erinnerungen an längst vergangene Zeiten. Ach, was sind wir doch früher tageweise an den schönsten Orten auf der Welt herumgesessen, haben uns beklagt, wenn wir nur drei statt vier Tage vor Ort auf den Heimflug warteten und sind dabei nächtelang in Halunkenquartieren herumlungert.
Heute sind Kurzaufenthalte von knapp 24 Stunden die Regel und ich wage zu behaupten es noch zu erleben, dass ein schnittiger Jungmanager auf die Idee kommt Hotelkosten einzusparen und die Besatzungen nach einem Nachtflug gleich wieder auf den Weg Richtung Heimathafen zu schicken.

Keine Zukunftsmusik sind solche Ping-Pong-Flüge an fernen Destinationen wie Bangkok oder Sao Paulo, wo das Flugzeug an noch fernere Orte weiterfliegt und eine frische Crew die abgekämpfte ablöst. Liebevoll werden die Hüpfer von den Besatzungen «Turnarounds» genannt und zumindest auf der Langstreckenflotte sind diese alles andere als beliebt.
Das Wort «Turnaround» kommt mit grosser Wahrscheinlichkeit daher, dass immer dann der Wecker klingelt, nachdem man sich von einer Bettseite auf die andere dreht und sich auf weitere vier Stunden Schlaf freut. Diese Tage sind für Körper und Geist anstrengend und schlagen auf die Psyche.
Leider ist es weder ein Offizialdelikt noch sonst eine strafrechtlich relevante Handlung, wenn Besatzungen an Bord festgehalten werden, während die Passagiere an den paradiesischen Orten die trockene Röhre verlassen.

Dennoch haben diese «Turnarounds» auch eine gute Seite. Denn sie sorgen dafür, dass der Aufenthalt an den Destinationen für einmal länger als 24 Stunden ausfällt. Endlich einmal mehr als ein paar Unterhosen einpacken, endlich einmal Zeit verschiedene Kneipen zu beehren und endlich Gelegenheit, das schon lange angefangene Buch am Hotelpool zu beenden. Hat man dann wie ich das Glück, dass vor und nach dem ungeliebten «Turnaround» ein freier Tag im Einsatz steht, dann darf man schon fast von einem erholsamen Aufenthalt reden.
Auch diese freien Tage haben unter Besatzungen einen eigenen Namen erhalten. Man redet dabei vom «Strich» und das hat wiederum nichts zu tun mit dem gleichnamigen Gewerbe, das hier in Bangkok so verbreitet ist. Strich darum, weil der freie Tag in unserem Monatseinsatz als Linie erscheint.

So hielt mich während dem Nachtflug von Zürich Richtung Ferner Osten die Vorfreude auf den Stich in Bangkok wach. Damit meine ich zum zweiten Mal nicht das gleichnamige Gewerbe, das in Thailands Hauptstadt so verbreitet ist.

Nur leider kommt es erstens anders und zweitens als man denkt.

Meine Firma strich den Strich in Bangkok und schickt mich stattdessen auf den «Turnaround» nach Singapur. Nicht dass sie mir den Strich in dieser Metropole nicht gönnen würde, aber mein Kollege, der gestern den Strich in Bangkok genoss und sich dabei einen Käfer holte, hat heute keinen Druckausgleich, dazu eine laufende Nase und kann den «Turnaround» in diesem Zustand nicht antreten. So verzichte ich heute auf den Strich und jette hurtig in den Stadtstaat nahe am Äquator.
Morgen dann das gleiche Programm noch einmal mit einer anderen Crew, die heute den Strich geniesst. Am Mittwoch bin dann endlich ich an der Reihe und kann den Strich in dieser pulsierenden Stadt geniessen. Hoffentlich hole ich mir dabei nicht den gleichen Käfer wie mein Kollege einige Tage zuvor.

Habe ich schon erwähnt, dass ich mit dem Strich nicht das gleichnamige Gewerbe meine, das hier in Bangkok so verbreitet ist?

Dienstag, November 11, 2008

Crewbag Entsorgung


In ein paar Jahren werden wir uns beim Betrachten alter Fotos aus dem Fliegerleben den Bauch vor Lachen halten. Wir werden uns über die enganliegenden Sakkos amüsieren und erklären, dass dies am Anfang dieses Jahrhunderts halt so Mode war. Die Betrachter werden dann mit einem Finger auf die blaue Haftschale auf dem Kopf zeigen und fragen, warum ich denn keinen Hut getragen habe. Ich antworte dann mit dem gleichen Satz, mit dem ich mich über Jahre meinen Chef- und Checkpiloten erklärt habe: «Mein Kopf war für das grösste Standardmodel einfach zu gross.»

Am meisten Aufmerksamkeit wird aber das unförmige schwarze Ding auf sich ziehen, das ganze Horden von Piloten und Hostessen die Jahre über durch die halbe Welt getragen und gezogen haben. Die ersten Betrachter werden sich die Lachtränen aus den Augen reiben, wenn ich endlich erkläre, für was wir das Ding brauchten und dass die Abschaffung dieses Crewbags gar nicht so einfach war.

Den ersten Entsorgungsversuch startete ich unfreiwilligerweise letzte Woche in Chicago. Weil die Stewards und die Hostessen ja so beschäftigt waren, half ich einmal mehr als einziger dem Busfahrer die vom Einkaufsrausch gezeichneten Koffer einzuladen. Als letztes Teil kam mein Crewbag auf den Haufen und mit Mühe schlossen wir die Tür des altertümlichen Transportmittels. Hurtig bog der Fahrer auf den sechsspurigen Highway ein und genau so hurtig schob ich meine iPod Stöpsel in die Ohren. Just als «KT Tunstall» von einem «Funnyman» sang, hielt ein anderer Funnyman den Bus mitten auf der stark befahrenen Autobahn an und rapportierte, dass er soeben einen Koffer verloren hätte. Weil die Stewards und die Hostessen ja so beschäftigt waren, nahm ich den lebensgefährlichen Gang hinter das Fahrzeug in Angriff und zählte zusammen mit dem sich nonstop entschuldigenden Fahrer die Koffer. Tatsächlich fehlte ein Teil und dabei handelte es sich um meinen Crewbag. Das war mir eigentlich ziemlich egal. Im Bag befanden sich ausser ein paar Büchern der Firma und der Leuchtweste, die ich mitten auf der Autobahn liebend gerne tragen würde, nichts aufregendes.
Ich sagte dem Fahrer, er solle sich wieder auf den Weg Richtung Flughafen machen und das Missgeschick vergessen. Plötzlich waren die Stewards und Hostessen nicht mehr so beschäftigt und verstanden nicht, dass ich mich heimlich sogar über den Verlust freute. Endlich ohne das quietschende Teil durch die Flughafenhallen laufen, endlich frei, endlich erlöst von den Revisionen, die der Computer sowieso viel besser macht als ich!

Der Fahrer schwitzte vor Aufregung und ich begleitete Katie Melua mit meiner tiefen Stimme, als sie von neun Millionen Fahrrädern sang. In Chicago Obama O‘Hare angekommen, half ich als einziger dem Fahrer beim Ausladen der Koffer, weil die Stewards und die Hostessen ja so beschäftigt waren. Unglaublich dieses Gefühl von totaler Freiheit. Mit leichtem Gepäck lief ich hinter den Kolleginnen nach und erfreute mich über die neue Leichtigkeit des Seins.

Ein kleiner Schwatz mit dem Stationschef, die Flugunterlagen kontrollieren und dann ohne Crewbag zur Sicherheitskontrolle. Das war mein Plan, doch leider kam es anders. Durch die gläserne Eingangstüre rannte unser Crewbusfahrer auf uns zu und trug so ein schwarzes Teil in seiner rechten Hand, das mir ziemlich bekannt vor kam. So ein Pech! Einer seiner Kollegen vollführte auf dem Highway eine Vollbremsung, als er den Crewbag auf dem mittleren Fahrstreifen erblickte. Vorbei war es mit der neuen Leichtigkeit des Copilotendaseins, vorbei war der Traum vom crewbaglosen Leben. Doch ich gebe nicht auf, heute Abend habe ich in Südafrika eine neue Chance. Weil die Stewards und die Hostessen auch heute extrem beschäftigt sein werden, bleibt das Koffereinladen wie immer an mir hängen und so wird mein Crewbag wie schon letzte Woche zuoberst auf der Beige landen. Wer weiss, vielleicht öffnet sich der Kofferraumdeckel ein zweites Mal wie von Geisterhand betätigt und mein Crewbag findet damit eine neue Bestimmung in der südlichen Hemisphäre. Drückt mir die Daumen!

Freitag, November 07, 2008

Angebot gilt!



Da werde selbst ich schwach. Nach langem Überlegen bin ich zum Schluss gekommen, dass ich mein kleines Studio zu diesem Preis abgeben würde. Das 20 (venti) Quadratmeter grosse Objekt passt fast ideal in das Anforderungsprofil des potentiellen Käufers. Man kann mit den Skiern (unter Inkaufnahme eines kleinen Kantenschadens) direkt vor die Wohnung fahren und unser Personal (Hund) hat sich noch nie über seine Personaleinheit am Boden beklagt. Unter sonstigen Annehmlichkeiten verstehe ich das drei (tre) Quadratmeter grosse Bad, den zwei (due) Quadratmeter grossen Keller und die zwei (due) Herdplatten, auf denen sich schmackhafte Pasta zubereiten lassen.

Und wenn man den Streit mit den anderen Stockwerkeigentümern nicht scheut (care amici di paese Berlusconi), kann man den Parkplatz vor dem Haus das ganze Jahr benutzen.

Nach Überweisung der 150 Millionen Franken, erhält der Käufer ein handsigniertes Exemplar meines Buches "Suvretta Connection".

Dienstag, November 04, 2008

Demokratie macht glücklich

Es ist sprichwörtlich etwas im Busch heute Morgen in Chicago. Die Sonne wärmt für diese Jahreszeit unnatürlich intensiv und der Himmel zeigt sich von seiner schönsten Seite. Es ist noch nicht 7 Uhr morgens, aber die Leute strömen schon emsig aus allen Hauseingängen heraus auf die Strasse und halten sich an dampfenden Kaffeebechern fest. Menschen mit einem BMI unter 30 joggen in kurzen Hosen Richtung See und die mit 30+ suchen nach essbarem in Kaffeeshops und Schnellimbissen.

Es ist wirklich etwas im Busch heute Morgen in Chicago und das hat zum einen mit einem Bush zu tun und zum anderen mit einem der Söhne dieser Stadt. Es ist Wahltag in den Staaten und hier im Starbucks gleich neben der «Walgreens» Drogerie bin ich der Einzige, der in einer Zeitung liest, in der nicht die Präsidentschaftskandidaten auf der Frontseite lächeln. Das macht mein Umfeld natürlich neugierig. «Wo ich her sei», will mein Nachbar wissen und ich antworte mit Europa, um seine Geografiekenntnisse nicht zu überfordern.
Sofort schwenkt die Diskussion auf die amerikanische Politik um und der Herr aus der BMI Klasse 30+ will meine Meinung dazu wissen. Ich erkläre ihm, dass ich mich hüten werde als Gast dieses Landes meine Meinung kundzutun und verschweige ihm auch, dass eine ähnliche Aussprache mit einem United Captain letzten Monat in Narita fast in einem Handgemenge geendet hat.

«I voted for Obama», schreit die Verkäuferin hinter dem Tresen im Starbucks jedem Gast ungefragt ins Gesicht und sorgt damit für Erheiterung. «Er hätte auch für Obama gewählt», antwortet mein Nachbar neuerlich und merkt nicht, dass ich überhaupt keine Lust auf ein politisches Gespräch mit ihm habe. Mein Blick schweift ab und ich beobachte eine runderneuerte Blondine mit BMI 19-, die in «Hot Pants» direkt vor meinem «Hot Venti Latte» vorbeijoggt.

«Ihr Europäer hasst uns wegen der Politik George des Zweiten», behauptet mein Nachbar ungefragt. Bei dieser Frage kann ich nur verlieren. Bin ich ehrlich und schreie dem penetrant aufdringlichen Kerl meine Meinung ins Gesicht, dann könnte die Stimmung in diesem kleinen Raum schlagartig kippen. Lüge ich, dann müsste dies als Zustimmung der Politik des aktuellen Chefs aufgefasst werden und die Dame hinter dem Tresen mit dem ununterbrochenen «I voted for Obama» wird mir mit Sicherheit ihre Freundschaft kündigen. Aufgrund ihrer doch bemerkenswerten Erscheinung scheint mir auch dieses Risiko zu gross. Ich gehe.

Auf der Strasse angekommen, laufe ich langsam Richtung «Michigan Avenue». Ich schaue in die Gesichter der Passanten und erkenne da und dort ein Lächeln und Erleichterung. «Der Himmel trägt heute die Farbe der Demokratischen Partei», sagt mir eine ältere Dame auf dem Gehsteig. «Tatsächlich», kommentiere ich und lobe sie für ihren schönen Hund. «Es werde ein guter Tag werden für Amerika», meint die gepflegte Frau und schwärmt mir von alten Zeiten vor. Ich höre ihr zu und merke, wie glücklich die Menschen in diesem Land an diesem Tag sind, an dem sie endlich etwas zu sagen haben. Ich schenke den Gesprächen der Dame noch einige Minuten Gehör und beobachte, wie ihr kleiner Dackel ausserhalb des Blickwinkels des Frauchens ein stinkendes Häufchen setzt.
Es ist tatsächlich etwas im Busch heute Morgen in Chicago.