Donnerstag, September 25, 2008

Umfinanzierung

Immer wieder trifft man interessante Geschäftsleute auf dem Flugzeug und schneller als einem lieb ist, dreht sich das Gespräch um das liebe Geld. Leider bin ich in dieser Thematik nicht ganz so sattelfest wie andere meiner Berufsgattung. Nach wie vor bin ich fest davon überzeugt, dass Geld zum Ausgeben und nicht zum Stapeln gemacht wurde und so lebe ich auch. Glücklicherweise bin ich am Ende des Monats noch nie in Versuchung gekommen das physikalisch unmögliche zu erproben, nämlich das Geld im Stile eines Perpetuum Mobile zu vermehren.

Vielleicht ändert sich das ja ab heute.

Zwischen zwei Nespresso begann ich in der ersten Klasse ein Gespräch mit einem Herrn Lehmann und seinem Bruder. Beide sind sie seit Jahren in der Finanzbranche tätig und kennen alle Tricks und Tipps aus dem Effeff. Ich, der immerhin auch einen Titel einer Fachhochschule der Wirtschaftswissenschaften tragen darf, hörte aufmerksam zu. Schnell merkte ich, dass mein Fachwissen nichts mehr zählt, sondern nur noch das der Bachelor und Master. Den Begriff Master kenne ich aus der Fliegerei und das bedeutet selten was Gutes. Master-Warnings treiben meinen Adrenalinpegel in beängstigende Höhen und führen nicht immer, aber immer öfters zu kleinen Inkontinenzen.
Mit dem Begriff Bachelor konnte ich nichts anfangen und musste meinen Oxford Dictionary konsultieren. Wenn ich das mit meinem Agglo-Englisch richtig übersetzt habe, dann ist ein Bachelor entweder ein männlicher Vogel, der wegen eines dominanten Konterparts sein Vögelchen nicht vögeln konnte (a male bird or mammal without a mate, esp. one prevented from breeding by a dominant male) oder ein junger Ritter, der unter einem anderen Banner dient (a young knight serving under another's banner). Beides scheint mir nicht erstrebenswert und so bin ich mit meinem Bünzlititel doch recht zufrieden.

Doch wieder zurück zu den Lehmann Brüdern. Sie beklagten sich etwas über den steifen Wind, der zurzeit durch die Mauer Strasse weht und attestierten den Schweizer Anlegern Mut und Unerschrockenheit, weil sie in grossen Massen noch Anteile von Schiffen kaufen, die schon bedenklich Havarie beklagten.

Mich interessierte nicht was die Anderen machen, sondern möchte jetzt, wo ich Blut geleckt habe, meine Nullen vor der Kommastelle vermehren. Nur leider fehlt ein wichtiger Grundstoff, nämlich das Geld.
«Kein Problem», meinte der jüngere der Lehmann Brüder. Nimm etwas dass dir nicht gehört, verkaufe Anteile davon und sorge dafür, dass diese wiederum weiterverkauft werden. Von jeder Transaktion kassierst du einen Anteil und kannst damit Kredit aufnehmen und das Spiel beginnt wieder von vorne.
Genial! Doch etwas skeptisch bin ich schon, darum versuchte ich es mit einem Teil, das mir nicht sonderlich sympathisch ist: Mit meinem Crewbag.
Der ältere der Lehmann Brüder fädelte alles ein und so bin ich jetzt sicher, dass ich steinreich werde. Nur einen Haken hat die Sache. Aus juristischen Gründen musste ich eine silberne Tafel an meine Ledertasche nieten, die alle Besitzverhältnisse aufzeigt. So prangert jetzt auf meinem verbeulten Uniformteil ein grosses Aluminiumschild mit der Aufschrift:

Notice to ownership
This crewbag is owned by Kastanienbaum finance 2 limited  company (owner) and is subject to a leave agreement between owner and Haselnussbaum finance V limited company and a sublease agreement between Haselnussbaum finance V limited company and the holder of this bag Mister NFF.
This crewbag is also subject to a mortgage in favour of Rüdisüli Brothers as security trustee.


Ich glaube ich habe die Finanzwelt jetzt begriffen.

Kommentare:

  1. Nebstdem das ich im Moment für die lieben Herren in Bern für die ATPL Prüfung lerne, freue ich mich immer wieder über die Worte die du in deinem Blog schreibst.

    Jetzt hab ich aber eine Frage: Haben die beiden Brüder wirklich Lehmann geheissen, denn ich kenne da per Zufall so ein Banker-"Paar" :-)

    PS: oder ist es einfach auf die aktuelle Wirtschaftswelt bezogen...

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  2. ... Bezug auf die aktuelle Wirtschaftswelt....

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  3. "Nach wie vor bin ich fest davon überzeugt, dass Geld zum Ausgeben und nicht zum Stapeln gemacht wurde ..."

    Hach, schön ausgedrückt :-) Ganz meine Meinung.

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  4. Aber das geht nur, wenn Herr Sam den Lehmann Brüder künstlich tiefgedrückte Zinsen bietet die absolut realitätsfremd sind.

    Aber da Herr Sam genau weiss dass es nicht gut kommt mit dem Crewbag, sollte der lieber schweigen...

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  5. Die Betrachtungsweise scheint mir viel zu akademisch lieber NFF. Der moderne Investor wählt nach transatlantischem Vorbild eine "Toll-free"-Nummer, die er dank regelmässig ausgestrahlter TV-Commercials im Schlaf auswendig kennt. Bei der Dame mit der freundlichen Stimme erbittet er eine beliebige Kreditsumme mit unbegrenzter Laufzeit und variabler Rückzahlrate. Bei jeder grösseren Anschaffung wiederholt sich das Prozedere. Selbstverständlich mit anderen Beträgen (in der Regel zunehmend) - und - einer anderen "Toll-free"-Nummer natürlich.
    Warum also willst du in mühsamer Klein- und Knochenarbeit deinen zerbeulten Crewbag verscherbeln...?

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  6. He, und seit wann werden solche wichtigen Deals OHNE einen Rechtsbeistand abgeschlossen? :-)))

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