Montag, August 25, 2008

In 31 Tagen um die Welt - Teil 6: YAOUNDE



Als die ersten Missionare nach Afrika kamen, besassen sie die Bibel 
und wir das Land. Sie forderten uns auf zu beten. Und wir schlossen die Augen. 
Als wir sie wieder öffneten, war die Lage genau umgekehrt: 
Wir hatten die Bibel und sie das Land.
Desmond Mpilo Tutu


Die rote Erde ist überall. Sie klebt an den Autos, an den Schuhen und vermutlich auch am Flugzeug. Das ganze Land Kamerun sieht aus wie ein verwahrloster Tennisplatz. Uneben, überall spriesst Grünzeug aus dem Boden und dazwischen eben diese rote Erde. Die Metapher vom Tennisplatz passt überhaupt zu diesem Land. Umgeben von unendlich vielen Balljungen wohnen die Spieler im Hotelpalast indem ich gerade diese Zeilen verfasse und holen mit Hilfe ihrer Bediensteten das Letzte aus dem Boden heraus.

Dass die Länder im afrikanischen Äquatorgürtel eigentlich die reichsten der Welt sein sollten, sieht man auf den ersten Blick, wenn man die Tabelle der Rohstoffvorkommen betrachtet. Auf die Frage, warum Kamerun in der Rangliste der «pro Kopf Einkommen» am hinteren Ende anzutreffen ist, findet man die Antwort beim Studium der Herkunftsländer der Industriebetriebe.

Die Folgen davon sind offensichtlich. Sowohl das Geld, als auch die Rohstoffe und die Regierungsfamilie zieht es nach Europa. So sehr wir diese Willkommen heissen, umso abweisender reagieren wir auf die Einwohner, die im Sog ihrer Rohstoffe den Weg nach Europa suchen. Wir laufen gerne barfuss über unser Parkett aus Tropenholz, bieten dem Geldfluss unkompliziert Asyl, sparen aber nicht mit harschen Worten und Taten, wenn sich ein Einwohner Kameruns innerhalb unserer Grenzen verirrt, weil er vielleicht einmal seinen Präsidenten aus nächster Nähe betrachten möchte.

Jetzt bin ich also zwei Tage Gast in diesem herrlichen Land, das ich leider aus Sicherheitsgründen nicht bereisen darf. Verständlicherweise hat mein Arbeitgeber Interesse daran, dass ich Morgen wieder frisch rasiert und einsatzbereit das Flugzeug besteige. So beschränke ich meinen Rayon auf das Hotelgelände und lasse mich vom afrikanischen Schwermut anstecken, der wie eine schwere Bettdecke über dem Land liegt. Mein Körper wird mir den ruhigen Tagesablauf danken, denn dieser ist vom Mammutprogramm, das ich diesen Monat abfliegen muss, langsam aber sicher ziemlich müde. Trotzdem werde ich heute Abend die Festung Hotel verlassen um in einem afrikanischen Restaurant mein Nachtessen zu geniessen. Natürlich laufe ich dabei Gefahr, dass ich überfallen und bedroht werde. Vielleicht will mein Gegenüber dann meine Brieftasche, vielleicht will er auch nur die nackte Angst in meinen Augen sehen. Die gleiche Angst, die ich in seinem Gesicht sah, als er von zwei Polizisten begleitet das Flugzeug in Zürich betrat um ausgeschafft zu werden.
Dennoch lohnt sich das Risiko. Denn ich will dieses Land wenigstens ein bisschen spüren, an den Gerüchen teilhaben und etwas von der roten Erde an den Schuhsohlen mit Hause bringen. Dieser roten Erde, die hier in Afrika zugleich Fluch als auch Segen ist.



Küssnacht a. Rigi & Luzern

DIE Rigi

.... wer findet das Matterhorn?

Anflug Douala FKKD

Runway & Mt. Cameroon in Sicht

Kommentare:

  1. Paß bloß auf, dass da nicht wieder einer um's Fahrwerk gewickelt ausreist.
    http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,280171,00.html

    AntwortenLöschen
  2. Noch nicht lange her, da musste eine Maschine einer europäischen Airline den Start in Yaounde verzögern, weil einer auf der Piste gepennt hat...

    AntwortenLöschen
  3. So böse kann es mit der Müdigkeit wohl kaum sein, wenn man noch zu solch klugen Gedanken fähig ist und sie auch noch zu Papier bring. Also, dem nff noch ein paar rotations (sagt man so?) anhängen, seine Blog-Leserschaft wirds danken.
    Freu mich schon auf den nächsten Eintrag.
    Gruss
    Peter

    AntwortenLöschen
  4. ischs hine links? Ich meinte es da zu erkennen. Ist das mit den Reisebeschränkungen in allen afrikanischen Ländern so. Wäre ja furchtbar schade, da gäbe es doch soviel zu entdecken...

    Liebi Grüess,

    Severin

    AntwortenLöschen
  5. Wow, wunderschöne Bilder, vielen Dank dafür! Ich hatte selbst leider noch nie das Glück zu fliegen.
    Die Alpen sind aus der Luft noch viel schöner, als auf dem Boden. Ihr hattet wahrlich Glück mit dem Wetter!

    Interessant anzuschauen auch die Landschaftsveränderung.

    AntwortenLöschen