Dienstag, Juli 15, 2008

heute schon geröngt?

Downunder Security Check


Wenn ich arbeiten gehe, dann meinen es viele Leute richtig gut mit mir. Bei Arbeitsbeginn sorgen die sicherlich nach Feierabend netten Sicherheitsbeamtinnen dafür, dass ich wenigsten einmal am Tag die strengen Uniformvorschriften verletzen und mich in Socken, ohne Hosengurt und Namensschild in der Öffentlichkeit zeigen darf. Mein Koffer wird mit Röntgenstrahlen vom Schmutz vorangehender Reisen gereinigt und sogar das MacBook kommt in den Genuss einer Antivirenbehandlung durch Gammastrahlen.
Ist dann aber sichergestellt, dass ich weder Intimpiercing am Körper trage noch eine Kalaschnikow im Gepäck mitführe, werde ich wie ein Liebhaber eines ausserehelichen Seitensprunges vom Ort der Sünde verstossen. Auch bildlich ähnelt die Szene der einer Flucht aus einem fremden Schlafzimmer. Mit einer Hand halte ich die Hose, die wegen des fehlenden Gurtes unter eine peinliche Grenze rutschen will und der andere Arm droht unter der Last der restlichen Gegenstände zu kollabieren.
Wer jetzt meint, dass durch die für Aussenstehende sicherlich amüsante Kontrolle die Sicherheit erhöht wurde, sieht sich getäuscht. Da stehen in der Warteschlange nach dem Durchleuchtungsposten doch tatsächlich Besatzungen aus dem Schengenraum kommend neben Besatzungen, die zwar heute schon einmal im Schengenraum waren, aber wieder den Schengenraum verlassen. Der Laie mag sich fragen, wer da zum Kuckuck wieder versagt hat?

Schön artig aufgereiht warten die verschiedenen Besatzungen auf die Transporter, die sie mit Sack und Pack zum Flugzeug fahren. Vor uns eine Crew nach Rom, die mit leichtem Gepäck den längsten Bus der Flotte betritt und sportlich den von «non Schengen» Crews verseuchten Bereich verlässt. Unser Bus fährt vor. Auf der Seite prangert das Spruchband «dies ist ein grosser Bus», was sich aber schon nach dem fünften Besatzungsmitglied als Etikettenschwindel herausstellt.
Allen Verkehrsvorschriften widersprechend kauern wir zwischen Koffern und Taschen, versuchen die Balance zu halten und erfreuen uns an der Berieselung durch mazedonische Volksmusik. Wir stellen übereinstimmend fest, dass es trotz millionenfacher Nagelklipperkonfiszierung noch Potential für Verbesserungen der Sicherheit gibt, sei es nur beim Transport der Besatzungen.

Das Ziel ist fast erreicht. Zwischen mir und meinem Arbeitsplatz liegen nur noch dreissig Treppenstufen und zwei Sicherheitskontrollen. Ein freundlicher Herr grinst mich an und verlangt nach meinem Ausweis. Ich grinse zurück und stelle zufrieden fest, dass ich die schönere und grössere Zahnlücke habe als er. Kurz nach der Treppe die letzte Hürde. Zwei Frauen, beide ohne Zahnlücke und nicht grinsend, wollen meinen Ausweis neuerlich sehen. Realsatire? Weit gefehlt, es handelt sich um vorgelebte Sicherheit. Jawohl!

Ganze vier Mal wurde bisher meine Identität festgestellt, bis ich endlich meinen Arbeitsplatz betreten darf. Doch mit der Durchleuchtung ist es noch lange nicht zu Ende. Zum einen warten noch die Einreisebeamten in Los Angeles auf mich und zum anderen werde ich am heutigen Tag noch mit 95 Mikrosievert kosmischer Strahlung bombardiert, was etwa der Strahlenbelastung während eines Thoraxröntgen entspricht. Doch dies sei weit weniger gefährlich als eine Nagelschere im Handgepäck, betonen die Sicherheitsexperten immer wieder. Das beruhigt mich doch ungemein.

Kommentare:

  1. Hallo Herr NFF,

    gerne und regelmäßig lese ich Ihr Blog. Aber das mit den Schengen- und Nichtschengenbesatzungen habe ich nicht verstanden. Wo liegt das Problem, wenn doch alle vorher durch die Sicherheit mussten?

    Grüße
    Ihr Kermit

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  2. http://www.flughafen-zuerich.ch/DBcnt/news/news.aspx?IDKD=1571&sp=en&ID_site=2

    .... Schengen und Non-Schengen Passagierströme müssen zukünftig getrennt werden - davon sind auch wir Crews betroffen

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  3. Ich hoffe ihr müsst nichts bezahlen für die ungewollten Thorax Röntgenuntersuchungen...

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  4. Jetzt wissen wir endlich weshalb alle Maitrê de cabins und Piloten dauernd strahlen.....

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  5. Na solange WIR nicht unterscheiden müssen, ob wir ne Schengen oder ne Non-Schengen Crew auf der Welle haben gehts ja noch...

    Gruess vom TWR Mädel, die auch regelmässig bestens kontrollierte / durchleuchtete Sandwiches essen darf...

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  6. So lassen mich diese "traurigen" Umstände immerhin schmunzeln. Wenn schon Kontrolle, dann aber bitte ordentliche russische "Handarbeit":

    http://www.airbuspilot.ch/2007/08/16/ein-beitrag-zur-russischen-gleichberechtigung/

    ;-) G! [der immer noch nicht weiss, warum Piloten zum entführen des von IHNEN GEFLOGENEN Flugis eine Nagelschere oder ein Messer brauchen sollen.......]

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  7. @Wolkenjäger:
    Bezahlt wird in der Zukunft, wenn der Körper gegen die jahrelange Bestrahlung rebelliert.

    @G!:
    Nagelscheren sind die Bedrohung schlechthin. Mit der Axt im Cockpit auf den Alten loszugehen ist von gestern. Heute sind die Beautytools die wahre Bedrohung, und die Wasserflaschen, und die Gurtschnallen, und die ...... alles Arschlöcher!

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  8. ... und schon mal probiert mit der Ausweis-Kopie aus Bangkok durch die 4 Kontrollen zu kommen? Oder kennst Du die unterschiedlichen Ausweise der Putz-Truppen, die auf der ganzen Welt den Flieger besteigen (die wir "Spotchecken")?
    En Gruess
    Martin

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  9. Gut dass das hier einmal angesprochen wird - diese Mehrfachbelastung der Flugzeugbesatzungen.
    Ein Grund mehr, diesen WOT (War on Terror) Wahnsinn zurückzufahren auf ein Normalmass!

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