Montag, Juli 07, 2008

guten Morgen Tokio

Oh Japan du störrisches Weib, hast mich wiedermal nicht schlafen lassen. Gelobt habe ich dich und verteidigt - verteidigt gegen alle Vorurteile denen du ausgesetzt bist. Viele meiner Kollegen hassen dich. Ich mag dich. Dennoch quälst du mich immer wieder, rüttelst mich aus dem Schlaf und lässt mich nicht träumen. Ich gebe dir ja recht. Zu kurz und zu selten bin ich Gast in deinem warmen Schoss, aber bitte gönne mir zwischendurch ein paar Stunden Ruhe. Wenn bei dir im Land der aufgehenden Sonne die Sonne aufgeht, werden bei mir in heimischen Landen erst die Lichter gelöscht. Wenn ich auch jetzt bei dir weile heisst das noch lange nicht, dass ich all meine eigenen Gewohnheiten über Bord werfe. Ich brauche Schlaf - wirklich!

Auch deine netten Versuche, mich mit so kleinen Lächerlichkeiten wie geheizten Klobrillen und sprechenden Fahrscheinautomaten aufzuheitern, können als gescheitert betrachtet werden. Diese ersetzen die fehlende Erholung keineswegs. Hab ruhig ein schlechtes Gewissen! Zu allem Elend bin ich auch noch hungrig. Hunger und Schlaflosigkeit sind schlechte Begleiter. Die Müdigkeit werde ich vermutlich bis zum Take-Off in fünf Stunden nicht mehr los, gegen den Hunger kann ich etwas machen. Noch eine halbe Stunde muss ich warten, bis die Pforten des Speisesaals geöffnet werden. Soweit zu der Gerechtigkeit. Von mir verlangst du alles ab, verweigerst mir den Schlaf und deine Untergebenen öffnen das Buffet erst, nachdem die Sonne schon hoch am Himmel steht. Unverständlich und unfair nenne ich das!

Ich gebe ja zu, Spass hat es gemacht in deinen Armen. Gern würde ich jetzt schreiben wie feucht und heiss du warst, aber tue ich das, hagelt es wieder böse Kommentare wegen der schlüpfrigen Wortwahl. Das einzig Kühle in unserer Beziehung war die Klimaanlage im Zimmer. Diese sorgte immerhin dafür, dass ich statt schweissgebadet nur leicht fröstelnd um Schlaf rang.

Japan du launische Seele, ich verlasse dich bald wieder. Von mir aus kannst du mit dem Heizen der Scheisshaussitze getrost aufhören und dass du zum Abschied weinst, ist auch nicht nötig. Im Gegenteil, das Nass vom Himmel verkompliziert nur meine Startgewichtsberechnung und für Kompliziertes bin ich schlichtwegs zu müde. Sayonara!

1 Kommentar:

  1. ...da ich nach einer Frührotation schon meine Mühe habe, in den richtigen (Schlaf)Rhythmus zu kommen, kann ich mehr als nur "mitfühlen"...

    und der Satz: "Von mir aus kannst du mit dem Heizen der Scheisshaussitze getrost aufhören" gehört eingerahmt. Ich bin mir sicher, dass er mich beim ersten Aufenthalt auf dem Klo in NRT laut lachen lässt...

    G!

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