Samstag, Juli 19, 2008

der grosse Spagat

Wenn ein Teil des Körpers noch in Japan weilt während der andere den Los Angeles Flug verdaut, dann spricht man vom grossen Spagat. Läppische 16 oder 17 Zeitzonen liegen zwischen den beiden Zielen und so verwundert es kaum, dass der Körper leicht verwirrt sein Programm abspult.
Der Verdauungstrakt ist der erste, der den Dienst verweigert. Es staut in der Röhre, der Bauch schwillt an und Gase, die an Gerüche in amerikanischen Bussen erinnern, entweichen der kleinen Körperöffnung, die beim grossen Spagat so herrlich frei liegt. Die Augenmuskulatur weigert sich alles zu betrachten und die Gehörgänge sind zu wie bei der Bastelgruppe im nahen Altersheim. Auch die Blase rebelliert. Während des Tages erhöht sie die Tankkapazität weil sie denkt es sei Schlafenszeit und wenn dann die Sonne hinter dem Horizont verschwindet, möchte sie gerne alle Stunden geleert werden. Klar kommt da der Schlaf zu kurz und die logische Folge davon sind Müdigkeit, Konzentrationsmangel und Gereiztheit.

Und genau in diesem Zustand muss ich mich auf den nächsten grossen Spagat vorbereiten. Diesmal geht es nicht von Los Angeles nach Tokio, sondern direkt in den Simulator. Umschulungen nicht eingerechnet, absolviere ich so einen Check zum 30. Mal. Dreissig Mal die Bücher aufschlagen und lesen, was schon mit vier Leuchtstiftfarben markiert ist und noch immer nicht den Weg ins Gedächtniszentrum gefunden hat. Auch dieses Mal wir es vermutlich nicht hängen bleiben.
Zum dreissigsten Mal werden ähnliche vom Bundesamt geforderte Anflüge absolviert und zum dreissigsten Mal werde ich vermutlich mit der gleichen Frage konfrontiert, bei der ich mir schon vor ein paar Jahren vorgenommen habe, dass ich sie aus Protest nicht mehr beantworten werde. Doch wie jedes halbe Jahr gebe ich die Antwort aber dem Frieden und meiner Qualifikation zuliebe trotzdem.

Jetzt brauche ich aber für einen guten Check einen guten Tag und das wäre heute im jetzigen Zeitpunkt nicht der Fall. Wie zum Henker soll man mit einer Verstopfung einen stabilisierten Anflug bewältigen? Kann mir jemand sagen, wie ich halb blind und taub vor Müdigkeit ein sauberes Wording von mir geben soll und weiss einer der Leser Rat, wie ich die drückende Blase beruhigen kann? Immerhin hilft mir das Schreiben dieser Zeilen den Frust etwas abzubauen und dank meiner Erfahrung weiss ich, dass am Tag der Bewährung ein motiviert wirkender Copilot erscheinen und eine tadellose Arbeit abliefern wird.
Natürlich wird es da und dort etwas zu bemängeln geben und ob ich die Meinung des Instruktors teile oder nicht, ich werde die Punkte sorgfältig notieren, mich bedanken und betonen, dass ich die guten Tipps sofort umsetzen werde.

Übrigens, die mittlere Pistenbeleuchtung wechseln 900 m vor der Gras auf rot-weiss, die äussere 600 m vor dem Ende auf gelb und wenn die Mittelbeleuchtung rot anzeigt, dann bleiben noch 300 Meter übrig. Ich weiss es - seit fünfzehn Jahren!

Kommentare:

  1. ...und das rote Autoland Warning Light leuchtet ... :-)

    Ich kann zwar den grossen Spagat noch nicht, fühle dir aber mindestens in Sachen SIM Check nach, aus dem ich vor 1h rausgelaufen bin...

    und ich in ca. 16h wieder reinlaufe...

    VIEL ERFOLG!

    G!echeckt

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  2. Puh… keine Ahnung und ziemlich überfragt. Weils nicht viele Kommentare hat, versuche ich es trotzdem mal.
    Zeitverschiebungen kenne ich nur, wenn mein sensibles Sensorium eine Unmenge an Daten produziert hat und meine Hirnzellen am Tag für die Verarbeitung keine Zeit hatten, weshalb die Nacht zum Tag und der Tag zur Nacht wird. Tipp: Sich auf die wichtigen Dinge konzentrieren und den Rest arrogant ignorieren.
    Druck im Bauch kenne ich nur, wenn ich zu viel Arbeit auf mich genommen habe. Tipp: Den Kapitän aus der Wüste fragen, ob er es mit den Leuchtstiften auch so genau nimmt.
    Die Instruktoren kenne ich überhaupt nicht. Es ist immer gut, wenn man für den Lehrer ein Scheunentor offen behält, damit er etwas verbessern kann. Tipp: Mit der Freitag-Tasche und der Swatch-Uhr antraben, sich dann belehren lassen, dass man ohne den schmucken und protzige Breitling-Chronometer und der Ledertasche mit den goldenen Schlössern, nie zum Club der Elite gehören wird.

    Gruess christoph

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  3. mmmhh, gehe seit ein paar Jahren mit der Freitagtasche an den Check und zu mehr als einer Swatch hat es noch nie gereicht. Dieser Jocker ist weg.... Wüstenfuchs, was empfiehlst Du?

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  4. @G! .... dann wünsche ich einen refreshing Refresher!

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  5. ... und RVR brauchst "all relevant" ;-)

    Warum machen wir den Check ab 40-ig nicht auch nur einmal im Jahr, wie den Medical Check neuerdings. Wäre Einsparung und ergäbe sicher mehr Ja-Stimmen als der GAV08...

    Gruss Martin

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