Montag, Juli 07, 2008

das Treffen der grossen Acht



Die Abfallbehälter sind zugeklebt und auf jedem Bahnsteig stehen drei schwer bewaffnete Polizisten herum. Sie beobachten aufmerksam das Geschehen und tragen eine Binde mit der Überschrift «on alert» auf ihrem Oberarm. Japan ist im Alarmzustand, denn die grossen Acht sind im Land und treffen sich zu Besprechungen auf der Nordinsel mit den vielen heissen Quellen.
Eigentlich verstehe ich die Aufregung gar nicht, denn so gross sind die Dame und sie sieben Herrschaften gar nicht. Nur gerade der Texaner bringt es auf mehr als sechs Fuss Körperlänge, die anderen bewegen sich in den tieferen Lagen um einen Meter sechzig herum. Ein nicht zu verachtender Nachteil in den schwefligen Bädern Hokkaidos. Denn über das brodelnde Wasser legt sich in der Regel ein dichter Nebel, der bei geringer Körperhöhe den freien Blick versperren könnte. Mit der Vorstellung, dass der Russe während den Verhandlungen einen nebulösen Blick hat, kann ich noch leben, aber dass der Texaner der einzige mit Durchblick ist, scheint mir beängstigend.

Doch was kümmert mich die Weltpolitik. Gestern fand ein paar Zugstunden südlich von Toyako ein ganz anderer Gipfel von acht Grossen statt. Während draussen auf den Strassen Naritas das «Gion Festival» tobte - eine Art Streetparade der Mönche, genossen wir in den rauchigen Gemäuern des «Barge Inn» ein kühles Blondes. Unsere Gruppe, alles Überlebende des grausamen «Qualiflyer Group» Massakers vor ein paar Jahren, philosophierten über die Luftfahrt im Allgemeinen und die Fliegerei im Speziellen.
Dass wir ausgerechnet deren Acht waren darf als Zufall betrachtet werden, gab der ganzen Runde aber die notwendige Wichtigkeit. In der Körpergrösse alles überragend ich und Flugkapitän Stöff von Lufthansa Süd. Im Salär allen weit voraus unser ehemaliger Copilot BB, der früher von den kleinen A320 zu uns hoch blickte und heute als 747 Kapitän zu und herunter schaut. Sein Copilot, einst bei der Sabena und heute schon wieder unter dem Joch eines Schweizers, gehörten genauso zu der Gruppe wie der 777 Kapitän, der beim Grounding der Swissair vor ein paar Jahren zur Singapore wechselte und dank seines Pensionkassenvermögens für die Bierzufuhr zuständig war.
Mein Copilotenkollege zur Linken war älter als mein Kapitän zur Rechten, der etwas ruhig in der Ecke stand, da er ein paar Stunden früher mit einer hier aus Persönlichkeitsgründen nicht weiter beschriebenen Strafe belegt wurde. Die Fliegerei bringt manchmal seltsame Gruppen in seltsamen Gegenden zusammen. Da unterscheiden wir uns wenig von der Weltpolitik. Und genauso wie bei den richtigen grossen Acht verstob die Gruppe nach den Gesprächen wieder in alle Richtungen.

Zurück blieben grosse Rechnungen, viel Rauch, leere Gläser und das Versprechen, einander in Zukunft wieder mehr zu sehen. Es wird leider bei den Versprechen bleiben. Und da soll mal einer sagen, die Fliegerei habe nichts mit Politik zu tun.

1 Kommentar:

  1. Genau das sind doch die wirklich wichtigen Treffen ! ;-)

    Gruss Tomy

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