Freitag, Juni 20, 2008

it's all about safety

In der Fliegerei gibt es sogar SEXRULES

Der Mensch kann nicht fliegen. Will er es doch, dann braucht er dazu eine gehörige Portion Leichtsinn oder einen enormen Einsatz von Technik. Viel Leichtsinn führt in der Regel nicht zum gewünschten Erfolg, Technik schon.
Es ist schon erstaunlich, wie weit und hoch wir es in der Zwischenzeit schon gebracht haben. Ein Flug über die halbe Weltkugel gehört heute zum Standardprogramm einer jeder Abiturreise und nicht einmal die Dreikäsehochs wollen noch einen Blick ins Cockpit werfen, wenn die schusssichere Türe bei Aussteigen für einmal nicht in den bombensicheren Scharnieren hängt. Das Reisen im Flugzeug ist normal geworden, Tickets kann man im Supermarkt kaufen und Flugmeilen haben die Rabattmarken von kleinen Laden nebenan abgelöst. Dass es dabei sicher zu und her geht, wird von den meisten als so selbstverständlich angesehen, dass sogar die obligaten Sicherheitsansagen als lästige Störquellen angesehen werden.

Dass aber genau diese Sicherheit über Jahre erarbeitet wurde, interessiert niemanden. Ursachen für Fehlverhalten von Mensch oder Maschine gibt es viele. Unglaubliche Fortschritte wurden im Technikbereich gemacht. Systeme wurden perfektioniert und Redundanzen eingebaut. Fast für jede erdenkliche Fehlfunktion eines Systems hat der Pilot oder der Flugbegleiter eine Checkliste bereit und kann damit die Betriebssicherheit auf hohem Niveau halten.
Leider geht das grösste Sicherheitsrisiko immer noch vom Menschen aus. Wir sind halt einfach nicht perfekt. Manchmal sind wir müde, manchmal gereizt. Es gibt Momente wo uns alles leicht von der Hand geht und es gibt Tage wo es nicht immer rund läuft. Rezepte um diese Unzulänglichkeiten zu minimieren gibt es viele. Es wird im Simulator simuliert und das Wissen der Verfahren wird regelmässig geprüft. Seminare zur Verbesserung der Zusammenarbeit im Team stehen genauso im Plan wie Aussprachen mit der «étage de tapis».

Auch der letzten grossen Gefahr für das Unternehmen «Flug», der Müdigkeit der Crew, wurde grosse Beachtung geschenkt. Damit wir bei langen Flügen auch ausgeruht die letzten Meter zwischen Himmel und Erde hinter uns bringen können, wurden für die Besatzungsmitglieder Betten eingebaut. Betten ist vielleicht etwas übertrieben. So eine Pritsche ist diplomatisch ausgedrückt ein misslungener Kompromiss zwischen dem Anspruch bequem liegen zu wollen und der Tatsache, dass nicht viel Platz vorhanden ist.
Es muss nichts beschönigt werden, dieser Ruheraum ist für vieles geeignet, nur nicht zum Ruhen. Zum einen irritiert, dass meine Körperlänge die Länge der Schlafbox um fünf Zentimeter überragt und zum anderen stören nahe Lärmquellen so sehr, dass an Schlaf nicht zu denken ist.
Dass die zur Erhöhung der Sicherheit eingebaute Cockpittüre mit dem sehr lauten Schliessmechanismus meine Ruhezeit - die ja schliesslich auch der Sicherheit dient - stört, ist irgendwie paradox. Dass die Liegefläche je nach Flugzeug einmal kürzer und einmal länger ist, kann getrost als absurd bezeichnet werden.

Passagiere und Kollegen müssen sich nicht wundern, wenn ich beim nächsten Einsatz mit einer Stichsäge den Flug antrete. Ich werde damit ganz vorsichtig ein Loch aus der Wand schneiden um wieder einmal meine Füsse strecken zu können. Doch vermutlich wird es dazu nicht kommen. Die nette Dame an der Sicherheitsschleuse wird das Ding konfiszieren, schliesslich ist auch sie für die Sicherheit verantwortlich. It‘s all about safety.

Kommentare:

  1. Hallo nff
    Endlich weiss ich, weshalb ihr Piloten vor dem Flug um euer "equipment" herumläuft....um es zu "toutcheln" und so "knowt" ihr es dann auch besser. :-))
    Gruss
    Peter

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  2. Wie ist das eigentlich: Auf Langstreckenflügen ist es ja so, dass die neuen Modelle alle ein digitales Zahlenschloss an der Tür haben. Wenn man von aussen den Code eingibt, muss der Pilot dann nach wie Vor die Tür per Knopfdruck entriegeln, oder geht sie von alleine auf?

    Gruss

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