Samstag, Juni 07, 2008

der Anhängerkilometer

Noch nie wurde ich bei einem Gang in den Simulator so unglaublich unterstützt. Heute Samstag Abend, wenn ich die Gurten des A340 pünktlich um 1730 Uhr festzurre, hängt halb Europa an den Bildschirmen und drückt mir die Daumen.
Schiebt mein Chef dann um 18 Uhr die Leistungshebel nach vorne, kocht das Blut in den Adern der Daumendrücker vor den Bildschirmen und im Anhängerkilometer. Nach dem ersten Motorenschaden und dem anschliessenden Feuer am Triebwerk wird es plötzlich geschäftig im Steuerhaus.
Mit Händen und Füssen versuchen wir das Flugzeug auf Kurs zu halten und kommunizieren in einfachen Sätzen in der Sprache der Angelsachsen. Aus dem Anhängerkilometer wird dann die Fanmeile und statt Scheisse kommt ein globales Shit über die Lippen.
Nach der Landung auf dem schmalen Streifen Asphalt dann die Welle. Alle Jubeln, vereinzelnd werden Raketen gezündet und dazu wird viel von diesem exklusiv erlaubten Bier getrunken. Ich finde das etwas übertrieben, denn trotz guter Arbeit unsererseits, handelt es sich nur um eine Simulation.

Also liebe Freunde im Anhängerkilometer und vor den europäischen Bildschirmen. Der Spuck ist nach gut vier Stunden vorbei. Ihr braucht danach nicht hupend und mit Fähnchen behangen durch die Innenstadt zu rasen und Freudentänze zu veranstalten. Lasst mich einfach in Ruhe im Zug nach Hause fahren und es würde mich freuen, wenn mir im Nachtzug für einmal keiner auf die Hosen kotzt.